Kombi aus Luft- und Seefracht

Canon testet alternatives Logistikkonzept

Canons »Imagerunner Advance DX«-Serie
Canons "Imagerunner Advanced DX"-Serie
© Canon

Hersteller und Distributoren kämpfen nach wie vor mit massiven Lieferengpässen. Canon experimentiert jetzt mit einem alternativen Logistikkonzept, um die Verfügbarkeit seiner großen Multifunktionsgeräte zu verbessern.

Lieferzeiten und Verfügbarkeit sind aktuell in fast allen Branchen die größten Probleme. Canon probiert es jetzt mit einer kreativen Logistiklösung, die im vierten Quartal für bessere Verfügbarkeit der “imageRUNNER Advanced“-MFP-Serie sorgen soll.

Die großen Multifunktionsgeräte werden auf dem Seeweg verschifft und sind wochenlang unterwegs. So lange in der Produktion derzeit knappe Bauteile wie Computerchips fehlen, kann das System nicht auf den Weg geschickt werden.

Canon alternatives Logistikkonzept nutzt den Vorteil, dass die Bürosysteme technologisch flexibel gebaut und auch Canons Logistik flexibel organisiert ist. Wenn bei Canon Deutschland Aufträge für „imageRUNNER Advanced“-Modelle für den Versand bearbeitet werden, steht dort zunächst ein „BL“ im Produktnamen. Das steht für „Boardless“, also „ohne Hauptplatine“. Ins System geht erstmal hinein, was aufs Scannen, Kopieren und Digitalisieren ausgelegt ist. Was noch fehlt, ist das Motherboard. Die komplexe Maschine ist damit fast komplett, aber eben nicht funktionsfähig.

Während sich das System auf den Seeweg von Asien nach Europa macht, gewinnt der Hersteller Zeit für die nachgelagerte Produktion der Hauptplatine. In dieser Zeit wird gefertigt, was momentan gleichermaßen begehrt wie knapp ist: Halbleiter, die „Taktgeber“ der Hauptplatine.

Die Motherboards werden nach Fertigstellung per Express Luftfracht und somit schneller den vorausgereisten Maschinen nachgesendet, treffen gleichzeitig oder nur kurz nach Ankunft derer am Zielort ein. Die Montage der Boards in das jeweilige Modell speziell für die Kunden des Direktvertriebs wird im Canon-eigenen Betrieb in Gießen nachgeholt, was modellabhängig nur 10 bis 20 Minuten dauert.

Die Umstellung der Produktionsabläufe erfordert nicht nur eine flexible Logistik. Auch die Maschinen selbst müssen so konzipiert sein, dass der Eingriff zur Installation des Motherboards nachträglich überhaupt möglich ist. Für den Hersteller nach eigenen Aussagen kein Problem, denn schon im Designprozess der Systeme sei vorgesehen, Einzelkomponenten schnell und einfach austauschen zu können. Das erleichtere am Ende des Lebenszyklus auch eine mögliche Wiederverwertung.

In diesem neuen Logistikkonzept spielen auch die Canon-Partner eine wichtige Rolle. Denn ihre gut ausgebildeten Service-Techniker können die hochspezialisierten Maschinen fertigstellen und installieren – dabei entfällt der Weg über den Canon-Betrieb in Gießen. Es zahle sich aus, wenn Partner kontinuierlich technisch weitergebildet werden, betont Hajo Soldan, Direktor des Partnerkanals bei Canon Deutschland: „Der Zeit- und Arbeitsaufwand ist überschaubar, wenn man bedenkt, dass wir die Systeme somit deutlich früher an den Start bekommen. Erstes Feedback von Partnern bestätigt uns einen proaktiven und innovativen Weg zur Verbesserung der Liefersituation.“


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