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Nachhaltigkeit in der iT-Branche

»Green IT ist ein klarer Trend«

26. November 2020, 11:19 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

»Green IT ist ein klarer Trend«
© Green IT Das Systemhaus

»Ökoaktivisten sind wir nicht, sondern der gute Durchschnitt der Bevölkerung.« Jan Schriewer, Geschäftsführer Green IT Das Systemhaus

Belächelt wurde Jan Schriewer, als er und Kollegen 2013 mit Green IT in Dortmund an den Start gingen statt es sich unterm Konzerndach von Canon gemütlich zu machen. Heute lacht er und isst auch auch mal eine Currywurst.

Schon Ihr Firmenname ist ein Statement. Wie kommt »Green IT  Das Systemhaus«  im Markt an?
Jan Schriewer: Wir wurden am Anfang belächelt, denn Green IT war 2013 nicht sexy. Seit rund zwei Jahren hat sich das aber geändert. Der öffentliche Druck in Richtung Klimaschutz macht Green IT zu einem immer stärkeren Trend. Der Erfolg der Grünen spiegelt ja das veränderte Mindset in der Gesellschaft wider. Viele Konzerne haben sich zur Klimaneutralität verpflichtet, Strom aus regenerativer Gewinnung vor allem für Rechenzentren ist da ein zentraler Faktor und macht sich in der TCO-Betrachtung ja deutlich bemerkbar.


Strom- und damit Betriebskosten sparen interessiert vor allem im Mittelstand keinen IT-Leiter, sondern der Anschaffungspreis muss günstig sein, hören wir aus dem Channel.
Schriewer: Es ist schon so, dass uns die Kunden nicht die Hütte einrennen. Aber je größer ein Unternehmen, desto mehr steht Green IT im Fokus. Viele Konzerne haben Nachhaltigkeit als übergeordnetes Ziel und wenn ein IT-Leiter 40 Prozent Strom spart mit Green IT-Konzepten, kann er sich intern schon gut positionieren. Es ist wie bei vielen Innovationen: Großunternehmen adaptieren sie zuerst, bevor sie sich dann in der Breite des Mittelstands etablieren. Green IT ist ein klarer Trend, auch weil es bei Ausschreibungen der Öffentlichen Hand mehr und mehr gefordert wird. Wir müssen aber  immer noch viel Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit leisten.


Sie und weitere Green IT-Gründer kommen aus dem Kopier- und Druckerumfeld und wollten nicht unter dem Canon-Dach bleiben, als der Konzern ihr damaliges  Systemhaus übernahm. Nun geben sich auch IT-Hersteller ein grünes Image. Ihre stromfressenden Lasserdrucker verkauft Green IT trotzdem. Ein Widerspuch?
Schriewer: Wir bieten Kunden zwischen 50 und 500 Arbeitsplätzen IT und eben auch Green IT  aus einer Hand an. Über die Druckerflotte entscheidet der Kunde, wir aber beraten und wissen, dass die Herstellerangaben beim Stromverbrauch getunt sind. Der TEC-Wert zum Beispiel eines großen A3-Multifunktionsdruckers wird offiziell mit eins angegeben, also  ein Verbrauch von einem Kilowatt Strom pro Woche. Die Realität sieht anders aus: Wir messen Faktor fünf. Druckerhersteller weichen bei ihren Normangaben genauso ab wie Autohersteller. Wir rechnen das  den Kunden vor und konnten in einem großen Druckerprojekt jährliche Kosteneinsparungen beim Strom im sechsstelligen Bereich ermitteln.


Papier ist nicht mehr der Umwelt-Bösewicht?
Schriewer: Papiervermeidung durch Digitalisierung  stand bei unseren Überlegungen während der Gründung von Green IT tatsächlich noch im Fokus. Wir erkannten aber schnell, dass das zu kurz greift, weil vor allem Energieeffizienz einen sehr großen monitären Impact hat. So entstanden grüne Konzepte weit über Printing hinaus. Wir erkannten, dass grüne IT nicht dopopelt so teurer sein muss als das oft beim Bioapfel der Fall ist. Ganz im Gegenteil sogar: Mit Green IT sparen Kunden Geld, wir verdienen Geld und tun gutes für die Umwelt. Das ist eine Win-Win-Win-Situation.  Mittlerweile übrigens hören Hersteller auch auf uns. Müllvermeidung zum Beispiel. Auf unseren Vorschlag ist Epson eingegangen und liefert seine Ink-Drucker nicht mehr aufwändig mit Styropor verpackt aus.


Wie sieht das gute Gewissen bei Ihnen im Systemhaus aus? Veggieburger statt Currywurst?
Schriewer: Ökoaktivisten sind wir nicht, sondern der gute Durchschnitt der Bevölkerung. Wir sind ein Wirtschaftsunternehmen, wollen und müssen Geld verdienen, um zu wachsen und es in neue Technologien zu investieren. Wir sind aber ein Systemhaus mit einer sinnstiftenden Vision und das hat sich auch auf dem Arbeitsmarkt in der Region rund um Dortmund schon herumgesprochen, ebenso wie bei Kunden und unseren Hersteller-Partnern.

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