»Spectacles«

Snapchat-Macher gehen in Rennen um smarte Brillen in Führung

21. Mai 2021, 13:09 Uhr | dpa

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Brille statt Helm

»Alle anderen Produkte sehen wie ein Helm aus«, sagte Spiegel der »Financial Times«. »Ich denke nicht, dass jemand erwartet hat, dass wir so weit sein würden.« Experte Leo Gebbie von der Analysefirma CCS Insight sieht die »Spectacles« als nächsten Schritt auf dem Weg zur Verwirklichung der Vision smarter Brillen. Zugleich zeige die Entscheidung, das Gerät nur eingeschränkt verfügbar zu machen, dass es nicht bereit für den Verbrauchermarkt sei. »Wir sind noch Jahre entfernt von einem Gerät, das genauso wie normale Brillen aussieht.«

Auf der Technik-Messe CES stellte Anfang 2020 auch der deutsche Technologiekonzern Bosch den Prototypen einer leichten und schlanken AR-Brille vor, in der man zum Beispiel Routen-Anweisungen oder Chat-Nachrichten angezeigt werden können. Die Bilder werden dabei direkt ins Auge projiziert. Bosch wurde in der Branche als ein möglicher Zulieferer von Apple gehandelt - während der iPhone-Konzern selbst wie gewohnt nicht einmal die Arbeit an einer Brille bestätigt. Zuletzt wurde aber spekuliert, Apple könne Anfang Juni bei seiner Entwicklerkonferenz WWDC einen Ausblick auf das Gerät geben.

Spiegel betonte, der Wettbewerb mit den Tech-Schwergewichten schrecke ihn nicht. »Wir werden schon seit der Gründung vor zehn Jahren danach gefragt - und unsere Strategie war immer, sich auf unsere Nutzer zu fokussieren.« Die »Spectacles«-Brille ist aktuell vor allem dafür gedacht, dass Snapchat-Nutzer bis zu zehn Sekunden lange Videos mit coolen digitalen Effekten erstellen können. Das lässt also ein breites Feld für andere Anwendungsszenarien.

Zugleich ist Snapchat selbst nicht gerade klein. Die App hat 500 Millionen mindestens einmal im Monat aktive Nutzer, täglich greifen 280 Millionen auf sie zu. Und Snap will eine zentrale Schnittstelle zwischen der realen Welt und virtuellen Inhalten sein.

Bei einem Online-Event am Donnerstag stellte die Firma unter anderem verbesserte Funktionen zum Anprobieren von Modeartikeln wie Taschen, Sonnenbrillen und Anziehsachen sowie Kosmetik in der App vor. In der Corona-Pandemie wurde Snapchat dafür deutlich häufiger genutzt. Das trieb auch den Umsatz der Firma an. Neu ist zum Beispiel, dass die Größe der anprobierten Gegenstände viel präziser angezeigt werden soll. Auch können künftig mehrere Nutzer gleichzeitig mit einem digitalen Objekt interagieren. Snapchat demonstrierte die Funktion am Beispiel eines virtuellen Lego-Autos, das mehrere Leute von unterschiedlichen Orten aus zusammenbauen können.

Weiterentwickelt wird auch die Karte in der Snap-App, mit der digitale Inhalte mit konkreten Orten verbunden werden können. Man wird sich künftig zum Beispiel eigene Snap-Bilder auf der Karte anzeigen lassen - oder Restaurant und anstehende Konzerte, für die man Tickets gleich in der App kaufen kann. Auf die Karte greifen aktuell 250 Millionen Snapchat-Nutzer zu. Einen prominenteren Platz in der App bekommt nun auch die «Scan»-Funktion, bei der man die Kamera auf Gegenstände richtet, um Informationen oder Empfehlungen zu erhalten. Über Verknüpfungen mit anderen Diensten werden zum Beispiel Kochrezepte angezeigt, wenn eine Avocado vor dem Objektiv ist.

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