Schwerpunkte

Mission entglitten

Abgehoben

23. Juli 2021, 14:33 Uhr   |  kopfnuss@ict-channel.com | Kommentar(e)

Abgehoben
© Tony Gutierrez/AP/dpa

„Es gibt kein richtiges Leben im falschen." Theodor W. Adorno.

Meine Mission ist kläglich gescheitert, meinen Traum von zerstörerischen Fluten hinweggerissen, im Feuer und Rauch geplatzt.  Wie habe ich nur hoffen können, dass mein Pioniergeist erkannt werden wird als das, was er war? Die gelebte Vision einer wieder gesundeten Welt, des im Gleichklang der Natur schöpferischen, dienenden, gerechten Menschen. Niemand hat je an meinen Traum geglaubt. Mir begegneten Zweifel und Misstrauen, und überall eine Missgunst, die ich durch meinen unermesslichen Reichtum genährt habe. Es hat nicht an meiner Tatkraft und meinen Mitteln gefehlt,  immer neuere Technologien und Innovationen zum Wohle der Menschheit zu erforschen. Zwei Welten hätten sie besser machen, ja retten können.

Ich habe die Schönheit dieses damals noch blauen Planeten erblicken dürfen, aus 100 Kilometer Höhe eine Ahnung von der Vollkommenheit der Schöpfung ermessen können. Die Bilder meiner 2021 ins All aufsteigenden Rakete gingen um die Welt. Sie waren mein Triumpf des Willens! Und ich kehrte zurück, kehrte um im festen Glauben, Mitstreiter unter meinesgleichen begeistern zu können für einen kühnen, aber nicht vergeblichen Act of Conscience.

Natürlich hatte damals niemand, auch keine Wissenschaft, doch ganz sicher sagen können, ob der gigantische Raubbau der letzten 100, 200 Jahre, der in die Katastrophe führte, wirklich vom Menschen verursacht worden sei. Ob es nicht längst zu spät wäre, weil der Kipppunkt überschritten sei, an dem es kein Zurück mehr geben kann. Unsicherheiten, Ungewissheiten sind die besten Einflüsterer für zweifelnde und mutlose Zauderer, die festen Halt finden in ihrer kleinen, engen Welt des ewigen immer weiter, immer schneller, immer höher.

Und trotzdem, oder jetzt erst recht, glaubte ich, mich dem scheinbar Unvermeintlichen doch nicht einfach beugen zu sollen. Ich! Der ich gesegnet war, mein Schicksal in der eigenen Hand zu halten. Ich! Der ich Mittel im Überfluss besaß! Ich! Der ich der Bewunderung der ganzen Welt sicher sein konnte! Ein Macher, ein Retter, ein Hoffungsbringer, Schöpfer eines neuen Menschen in einer neuen, besseren Welt!

Ich habe für mich alles erreicht und doch nichts für irgendwen gewonnen. Was bleibt, wenn ich im Getöse und Nebel dieser Welt für immer den Rücken kehre? Name ist Schall und Rauch.

Ein Abgehobener im Juli 2021 (und vermutlich schon viel früher)

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Verwandte Artikel

Amazon