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Amazon Prime Day

Amazon-Mitarbeitende legen Arbeit nieder

21. Juni 2021, 16:37 Uhr   |  dpa/ Selina Doulah | Kommentar(e)

Amazon-Mitarbeitende legen Arbeit nieder
© Verdi Handel

Streikposten vor Amazon in Koblenz: Am Amazon Prime Day müssen die Beschäftigten besonders hart und schnell arbeiten, um dem Kundenversprechen nachzukommen. Amazon gewährt dafür aber keine Sonderzulagen.

In sieben Städten hat die Gewerkschaft Verdi zum Streik bei Amazon aufgerufen. Grund dafür sind Forderungen nach einem Tarifvertrag, den Amazon mit dem Verweis auf „bereits exzellente Bezahlung“ abschmettert.

Insgesamt hat Verdi Beschäftigte in sieben deutschen Amazon-Versandzentren dazu aufgerufen, die Arbeit niederzulegen. Anlass ist der sogenannte „Prime Day“ des Unternehmens am 21. und 22. Juni, zu dem es mit Sonderangeboten wirbt.

Die Gewerkschaft fordert die Anerkennung der Flächentarifverträge des Einzel- und Versandhandels sowie Verhandlungen über einen Tarifvertrag „Gute und gesunde Arbeit“. „Amazon setzt Millionen für die Werbung ein und macht an den Aktionstagen Milliardenumsätze. Den Kundenansturm müssen die Beschäftigten in den Versandzentren bewältigen und bekommen für die zusätzlich verschärfte Arbeitsbelastung keinen Cent mehr“, sagte der Verdi-Verantwortliche für den Einzel- und Versandhandel, Orhan Akman. „Die Gewinne fließen allein in die Taschen des Konzerns und seiner Shareholder, während den Beschäftigten weiterhin eine tarifvertragliche Entlohnung sowie gute und gesunde Arbeitsbedingungen verwehrt werden.“

Amazon verweist darauf, dass das Unternehmen bereits jetzt „eine exzellente Bezahlung“ biete. Erst vor kurzem hatte der Konzern angekündigt, in seinen deutschen Versandzentren ab Juli einen Einstiegsstundenlohn von 12 Euro brutto einzuführen. Im Herbst 2022 soll dieser auf 12,50 Euro steigen.

Dazu hieß es bei Verdi, die Erhöhung der Einstiegsgehälter sei „zynisch und fern von Anerkennung und Respekt gegenüber den Beschäftigten durch den Konzern“. Die Gewerkschaft kritisiert Amazon seit Jahren dafür, dass der Konzern Tarifverträge ablehnt. Im Einzel- und Versandhandel laufen aktuell Tarifverhandlungen. Allerdings wird der Konzern nicht nur aufgrund der Bezahlung kritisch gesehen, auch die mangelnde Fürsorge für Mitarbeitende, insbesondere für die Fahrer, ist in den Medien sauer aufgestoßen.

Druck auf Amazon an verschiedenen Standorten

Unter anderem in Koblenz haben Beschäftigte nach Angaben der Gewerkschaft Verdi mit Beginn der Schicht von Sonntag auf Montag die Arbeit niedergelegt. Insgesamt arbeiteten an dem Standort über alle drei Schichten verteilt rund 1700 Frauen und Männer, erklärte Verdi. Seit Sonntagnacht seien sie aufgerufen, sich an der bis Mittwoch geplanten Aktion zu beteiligen. Am Montagmorgen zählte die Gewerkschaft etwa 150 Menschen, die ihrem Arbeitsplatz fernblieben.

Auch in Bad Hersfeld (Kreis Hersfeld-Rotenburg) wollen Beschäftigte mit einem mehrtägigen Warnstreik erneut Druck machen im jahrelangen Kampf für einen Tarifvertrag. Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi haben Beschäftigte in beiden Werken am hessischen Standort in der Nacht zu Montag die Arbeit niedergelegt. Insgesamt arbeiten an dem Standort über alle fünf Schichten verteilt rund 3300 Frauen und Männer, erklärte Verdi. Am Montagmorgen zählte die Gewerkschaft etwa 300 Menschen, die ihrem Arbeitsplatz fernblieben.

An den Standorten Rheinberg und Werne haben Mitarbeitende im Kampf für einen Tarifvertrag ebenfalls ihre Arbeit niedergelegt. Der Streik habe am Sonntagabend gegen 21.30 Uhr begonnen, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi. In der kleineren Nachtschicht hätten sich in Rheinberg bisher rund 50 Mitarbeiter beteiligt, im weiteren Verlauf rechne er mit 450 Teilnehmenden. Im Amazon-Versandzentrum in Werne wurden nach Angaben eines Sprechers bis zu 500 Beteiligte erwartet.

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Amazon, dpa