Zahlungen per Kreditkarte in UK

Amazon wirft Visa raus

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Höhere Kosten für Visa-Kreditkartenzahlungen in Großbritannien will Amazon nicht akzeptieren und lässt Muskeln spielen. Knickt Visa doch noch ein und macht Amazon noch stärker gegenüber der E-Commerce-Konkurrenz?

Ab kommendem Januar können Amazon-Kunden in Großbritannien nicht mehr mit ihrer Visa-Kreditkarte bezahlen, wenn diese von einer Bank in UK ausgestellt ist. Sie müssen auf eine Bankdebit- oder Kreditkarte anderer Emittenten ausweichen. Ein ungewöhnlicher Schritt, dass Amazon seine Kunden per E-Mail über eine Service-Einschränkung informiert. Doch Amazon und Visa in UK können sich bis dato nicht über Konditionen einigen.

Seit dem Brexit gelten die Obergrenzen der EU für Interchange-Gebühren bei Kartenzahlungen in Großbritannien nicht mehr. Kreditkartenanbieter wie Visa aber auch Mastercard haben die Gebühren für Händler erhöht, was vor allem Amazon nicht hinnehmen will. Ein Amazon-Sprecher teilte gegenüber CNBC hierzu mit, dass Kosten für die Akzeptanz von Kartenzahlung „weiterhin ein Hindernis für Unternehmen“ seien, „die ihren Kunden die besten Preise bieten wollen“. Nach Auffassung von Amazon müsste der technologische Fortschritt Transaktionskosten im Zahlungsverkehr eigentlich sinken und nicht steigen lassen.

Visa kontert und trifft mit seiner Replik Amazon genau da, wo der E-Commerce-Riese in seinem eigenen Anspruch auf bestmöglichen Service nun vor seinen Kunden zurückrudert. Man sei „sehr enttäuscht, dass Amazon damit droht, die Auswahl der Verbraucher in Zukunft einzuschränken“, sagte ein Visa-Sprecher. Hier werden kommunikativ Wunden geschlagen, die nicht nach einer Einigung in letzter Minute aussehen.

Sonderkonditionen nur für Amazon?
Andererseits wäre für die E-Commerce-Branche insgesamt wohl nichts gewonnen, würde sich Visa der Macht von Amazon beugen und dem Giganten in UK doch noch entgegen kommen. „Es ist gut, dass das Thema Kreditkartengebühren in der Branchenöffentlichkeit diskutiert wird, aber es sollte nicht dazu führen, dass Amazon jetzt nur für sich Sonderkonditionen heraushandelt, vielmehr sollte die ganze Branche etwas davon haben“, meint Ralf Gladis, Geschäftsführer vom Zahlungsdienstleister Computop. Würde Visa Amazon besser stellen als andere Händler, könnte der E-Commerce-Riese niedrigere Preise als der Wettbewerb verlangen und dennoch mehr Marge herausholen.

Kreditkarten spielen als Zahlungsoption eine wichtige Rolle. „Kein anderes Zahlungsmittel ist so global verwendbar und in so vielen Branchen etabliert wie die Kreditkarte. Auch die Akzeptanz- und Issuing-Netzwerke sind so umfassend wie sonst nirgends, das hat eine große Bedeutung für Händler wie für Konsumenten“, sagt Ralf Gladis.  Debitkarten seien in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch kein adäquater Ersatz. "Da fehlen die globalen Standards“, meint er.

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