Compu-Shack im Umbruch: Das Ende der Ära Krings

8. Januar 2004, 0:00 Uhr | | Kommentar(e)

Compu-Shack im Umbruch: Das Ende der Ära Krings. Michael Kaack, Geschäftsführer der Ingram Micro Holding, ist kurz vor Weihnachten mit sofortiger Wirkung auch Vorsitzender der Geschäftsführung bei IM-Tochter Compu-Shack geworden. Michael Krings, Gründer und bis dahin Gallionsfigur des Netzwerkdistributors, verlässt das Unternehmen. Die beiden anderen Mitglieder der Geschäftsführung, Thomas Veit und Ulrich Hess, berichten künftig direkt an Michael Kaack.

Compu-Shack im Umbruch: Das Ende der Ära Krings

peter.marwan@ict-channel.com
»Was können wir für den Händler tun? Diese Frage ist der Leitstern unseres Handelns«, betonte Mi-chael Krings im Gespräch mit CRN im Sommer 2003. Auf der
Suche nach dem Mehrwert, den der Handel wirklich braucht, erschloss sich Compu-Shack ständig neue Bereiche: »Technik-News« und »Channel Update« sollten informieren, das Online-Shop-Konzept »CS:Mall 24« den Absatz ankurbeln und der Außendienst, den sich sonst kaum noch ein Distributor gönnte, die Betreuung der Kunden garantieren. All diese Serviceleistungen ? einige davon mit sehr ungewissen Auswirkungen auf Umsatz und Gewinn der Compu-Shack Distribution ? auch in Zeiten hohen Preis- und Margendrucks aufrecht zu erhalten, ist ein Balanceakt. Dies gilt vor allem auch dann, wenn das Unternehmen auf ständige Profitabilität ausgerichtet sein soll und magere Zeiten von ganz oben nicht toleriert werden. In diesem Spannungsfeld stand Michael Krings in den vergangenen Monaten. Es löste sich jetzt mit einem Paukenschlag: »Michael Krings geht aufgrund unterschiedlicher Auffassungen über die Geschäftstätigkeit mit der europäischen Ingram- Micro-Organisation«, erklärt Michael Kaack gegenüber CRN.
Michael Krings will sich derzeit noch nicht zu seiner Ablösung äußern, er will erst das Ende der Verhandlungen mit der Ingram-Geschäftsführung abwarten.
Kurz vor Weihnachten wurde Michael Kaack mit sofortiger Wirkung Vorsitzender der Geschäftsführung bei Compu-Shack. Er verlegte sein Büro vorübergehend nach Neuwied und leitet dort Umstrukturierungsmaßnahmen ein. Entlassungen sollen dazu nicht gehören, die habe Compu-Shack schon hinter sich, auch die Angst um den Standort Neuwied sei unbegründet. »Es gab bereits ein paar personelle Maßnahmen, die Herr Krings rechtzeitig in An-
griff genommen hat«, beschreibt Kaack die Entlassungen der vergangenen Monate. Wie bei allen Unternehmen habe eben auch bei Compu-Shack die Profitabilität sichergestellt und dem anhaltenden Preis- und Margendruck Rechnung gezollt werden müssen.
Unter anderem hat der Grossist einigen Außendienstmitarbeitern gekündigt ? ein Bereich, auf den Compu-Shack bisher zu Recht immer sehr stolz war. »Da viele Netzwerkprodukte immer mehr zu Commodities werden und damit auch Preise und Margen sinken, kann die Beratung vor Ort für diese Produkt-Segmente nicht mehr geleistet werden«, räumt Kaack ein. Ganz aufgelöst wurde dieser Bereich jedoch nicht. »Es wäre mir lieber gewesen, wir hätten niemanden entlassen müssen und die Mitarbeiter in Abteilungen auffangen können, die neue Märkte und Wertschöpfungsbereiche erschließen, so wie wir das bei Ingram Micro seit einigen Jahren erfolgreich praktizieren«, bedauert Kaack.
An Versuchen, neue Märkte und Wertschöpfungsbereiche zu erschließen, mangelte es in Neuwied nicht: Business Units, die die Bereiche Storage und Video Networking anschieben sollen, ein Security-Portal oder auch das Online-Shop-Konzept »CS:Mall24« arbeiteten auf dieses Ziel hin, offenbar jedoch nicht effektiv genug. Die in München bewährten Praktiken sollen nun umgehend auch in Neuwied angewandt werden. »Wir haben hier ein Super-Team, Compu-Shack ist im Netzwerkmarkt die Nummer eins und wir wollen das auch weiterhin bleiben«, beschreibt der neue Chef die Voraussetzungen. Schon dieses Jahr sollen die Zahlen wieder im Plan liegen.

Kasten

»Mister Compu-Shack«

1983 gegründet, feierte Compu-Shack letztes Jahr seinen 20. Geburtstag. Michael Krings war von Anfang an dabei. Krings, der schon bei Nixdorf an der Programmierung einer Software für den Plattengroßhandel beteiligt war, ließ sich vom Namen der amerikanischen Firma »Radio-Shack« inspirieren. Das Unternehmen widmete sich zunächst dem Import von Technologie aus den USA, mit einem Büro in New York, das zunächst nur aus einem Raum mit einem Telefon bestand ? und einer Dusche im Garten. Manches glaubte Krings jedoch, selbst besser machen zu können als die Amerikaner, beispielsweise FDDI-Karten. Aus diesem Bereich ging später die Compu-Shack Production hervor.

Ende 1983 erschloss sich Compu-Shack mit dem Distributionsvertrag für Novell Neuland. Bald darauf trug das Novell-Geschäft etwa 50 Prozent zum Gesamtumsatz bei, auch Zubehör war wichtig: Von Festplatten bis zum Betriebssystem hatten die Neuwieder damals alles im Programm. Zehn Jahre darauf, 1993, verschluckte sich Novell an Word Perfect, Compu-Shack baute um:

Distributionsverträge mit Bay Networks, 3Com, Cisco und AVM sollten im folgenden Jahr neue Märkte erschließen. In der Novell-Krise stieg auch Ingram bei der Firma ein, der Umbau kostete viel Geld. Michael Krings und Michael Kaack rauften sich zusammen und beackerten zehn Jahre als Duo den Netzwerkmarkt.


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