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Insolvenzen auf niedrigstem Stand

Das dicke Ende kommt noch

08. Dezember 2020, 10:34 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Das dicke Ende kommt noch

Corona-Hilfen, Rettungsschirme für Lufthansa & Co und Aussetzung der Insolvenzmeldepflicht haben die Zahl der Firmenpleiten auf ein Rekordtief gedrückt. Das kann sich im Jahr zwei der Corona-Pandemie bitter rächen.

Mehrere Banken seien von der Bafin gebeten worden, gerade jetzt nicht zu viel Mittel in ihre IT-Systeme zu investieren, um ihr Eigenkapital hoch zu halten und für Kreditausfälle gerüstet zu sein, erfuhr ICT CHANNEL aus Kreisen der IT-Sicherheitsbranche. Die Behörde rechnet wohl mit einer großen Pleitewelle in 2021.  Die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland ist trügerisch, denn der Staat hat durch Corona-Hilfen, Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Oktober sowie Schutzschirme für faktisch ruhendes Geschäft von Konzernen wie Lufthansa und TUI so stark in den Markt eingegriffen wie zuletzt in der Finanzkrise 2009. So kann die von Creditreform für 2020 ermittelte niedrigste Zahl an Firmeninsolvenzen seit Einführung der Insolvenzordnung 1999 - 16.300 Fälle und damit mehr als 13 Prozent weniger als 2019 – kein positives Zeichen sein. Im Gegenteil.


»Das Insolvenzgeschehen hat sich vom wirklichen Zustand der deutschen Unternehmen entkoppelt«, sagt Creditreform. Das allein zeigen die Insolvenzschäden. Die sind nämlich trotz sinkender Pleiten deutlich gestiegen. Die Forderungen der Gläubiger insolventer Unternehmen summieren sich 2020 auf voraussichtlich 34 Milliarden Euro, nach 23,5 Milliarden im Vorjahr. Dazu trugen Pleiten von Galeria Karstadt Kaufhof ebenso bei wie die Insolvenzen der Modefirmen Esprit und Bonita. Die Pandemie falle mit einem Strukturwandel in der Branchen Auto- und Luftfahrtindustrie sowie dem Einzelhandel zusammen. Wie sehr die Großen jahrelang den Wandel in ihren Märkten verschlafen haben, zeigt der detaillierte Blick auf das insolvenzgeschehen nach Firmengrößen. Die Corona-Krise habe bei Großunternehmen zu einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Insolvenzen geführt, so Creditreform. Die Fallzahl in der Umsatzklasse über 50 Millionen Euro habe sich verdoppelt.


Der Großteil der Unternehmensinsolvenzen entfällt auf Kleinst- und Kleinunternehmen. In acht von zehn zahlungsunfähigen Firmen waren höchsten fünf Personen beschäftigt. Insgesamt sind 2020 von Insolvenzen 332.000 Arbeitnehmer betroffen – 114.000 mehr als im Vorjahr.


Zeit für Zombie-Unternehmen abgelaufen
Auch bei privaten Verbrauchern ging die Zahl Insolvenzmeldungen auf 45.800 mit meinem Minus von mehr als einem Viertel merklich zurück. Je nach Dauer der Wirtschaftskrise ist auch hier mit einem Anstieg in 2021 zu rechnen. Sollte die Bundesregierung die Dauer der Restschuldbefreiung reformieren und bereits nach dem dritten Jahr enden lassen, können viele durch Kurzarbeit und Jobverlust in die Überschuldung getriebenen Verbraucher den Weg in die Privatinsolvenz beschreiten. Für 2021 rechnet Creditreform wieder mit steigenden Privat- und Unternehmensinsolvenzen.


Zumal viele »echte Pleitekandidaten« wie Creditreform jene Firmen nennt, deren Überleben nur durch staatliche Hilfen möglich sei, ohne weitere Finanzspritzen 2021 wohl nicht durchhalten werden.

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