Internet-Piraten entdecken Literatur

Die meisten E-Books sind geklaut

2. September 2011, 11:27 Uhr | Elke von Rekowski
Die meisten E-Books in Deutschland werden illegal heruntergeladen (Foto: Börsenvereins des Deutschen Buchhandels).

Die meisten E-Books in Deutschland werden illegal heruntergeladen, von 23 Millionen rund 60 Prozent. Zu diesem erschreckenden Ergebnis kommt eine aktuelle Studie.

Urheber der Studie zur Digitalen Content-Nutzung sind der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), der Börsenverein des Deutschen Buchhandels und die Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU). »Die Zahlen sind für den jungen E-Book-Markt erschreckend“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. »Sie zeigen: Auch eine gute Angebotsstruktur schützt vor illegalem Download nicht. Obwohl es auf dem E-Book-Markt von Anfang an große und bekannte legale Download-Angebote gab, dominiert das illegale Herunterladen der Dateien«. Der E-Book-Markt in Deutschland ist noch klein: 2010 wurden in Deutschland von den Endverbrauchern zwei Millionen E-Books gekauft, das sind 0,5 Prozent des Endverbrauchermarktes.

Erstmals wurden mit der DCN-Studie jetzt Download-Zahlen von E-Books erhoben. Dadurch kann für den Buchmarkt eine ungefähre Einordnung vorgenom­men werden, wie hoch das Pirateriepotenzial ist. 42 Prozent aller E-Book-Downloader haben 2010 durchschnittlich 18 E-Books aus dem Netz illegal heruntergeladen. Das entspricht rund 14 Millionen Exemplaren und 62 Prozent aller heruntergeladnen E-Books. Etwas geringer ist die Intensität beim Hörbuch/Hörspiel: 23 Prozent aller Hörbuch-Downloader haben durchschnittlich neun Exemplare illegal heruntergeladen, das entspricht sechs Millionen Stück. Die Schnittmenge der Anwender, die sowohl legale als auch illegale Angebote nutzen, ist der Studie zufolge gering, bei E-Book Downloadern liegt sie bei sechs Prozent und bei Hörbuch-Downloadern bei fünf Prozent. Wenn E-Books und Hörbücher über Filesharing heruntergeladen werden, überwiegt die Nutzung von Sharehosterangeboten wie Rapidshare. 23 Prozent aller Personen, die 2010 E-Books heruntergeladen haben, haben Sharehoster am häufigsten genutzt, bei Hörbüchern waren es zwölf Prozent.

Durch die Studie wird nach Ansicht von Skipis deutlich, dass der Ruf nach neuen Geschäftsmodellen für Verlage nichts anderes als ein billiges Ablenkungsmanöver ist. Ohne Aufklärung und gegebenenfalls Sanktionen für illegales Verhalten funktioniere der E-Book-Markt auf Dauer nicht. »Trotzdem ist nicht erkennbar, dass die Bundesregierung das kulturelle und wirtschaftliche Gefahrenpotenzial erkennt. Wenn nicht bald eine vernünftige Regelung für den Umgang mit urhe­berrechtlich geschützten Inhalten im Netz entwickelt wird, entzieht das den Kreativen und ihren Verlagspartnern nach und nach die wirtschaftliche Grundlage«. Darunter leide dann in erster Linie die kulturelle Vielfalt in Deutschland.


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