Studie: Energieeffiziente IT

Experton Group: Green IT verkommt zum Hype-Thema

18. März 2008, 10:09 Uhr | Bernd Reder | Kommentar(e)

Kritisch mit dem derzeitigen Rummel um das Thema »Green IT« setzt sich die Beratungsfirma Experton Group auseinander. Ihr Hauptkritikpunkt: Die Anbieter torpedieren die Bereitschaft von Anwendern, für umweltfreundliche IT-Systeme Geld auszugeben, indem sie allem und jedem das Etikett »Grün« aufkleben.

Das beherrschende Thema auf der diesjährigen CeBIT war »Green IT«. So gut wie jeder Hardware-Anbieter oder Lieferant von Systemmanagement-Lösungen überschwemmt seine Kunden, Partner und die Medien mit Mitteilungen, wie »grün« seine Produkte doch seien.

Doch der »Hype«, den die Anbieter um umweltverträgliche Informationstechnik entfacht haben, kann laut der Experton Group das Gegenteil bewirken. »Die Erwartungen waren hoch, dass auf der CeBIT Produkte vorgestellt würden, die den Green-IT-Bemühungen der Anwender entgegen kommen«, sagt Wolfgang Schwab, Senior Advisor bei der Beratungsfirma. »Leider wurden diese Erwartungen jäh enttäuscht.«

Viele Aussteller hätten Green IT zwar auf ihre Fahnen geschrieben, so Schwab. Wirklich Neues zum Thema zeigten seiner Ansicht nach jedoch die wenigsten.

»Firmen, die in den vergangenen Monaten nichts auf diesem Gebiet entwickelt haben, erklären heute, dass sie bereits seit 30 Jahren ihre Produkte im Hinblick auf Green IT optimieren«, kritisiert Schwab. »Offenbar sind die meisten Anbieter willens, das Thema durch merkwürdige Marketing-Aussagen bis zur völligen Bedeutungslosigkeit zu ‚hypen‘.«

Anwender wollen Geld für Green IT ausgeben

Mit der Überfrachtung des Themas umweltverträgliche Informationstechnik tun sich die Hersteller laut Experton jedoch keinen Gefallen. Denn laut einer Studie der Beratungsfirma sind 35 Prozent der deutschen Unternehmen bereit, Geld auszugeben, um den CO2-Ausstoß ihrer IT-Systeme zu senken.

Selbst kleine und mittelständische Firmen mit bis zu 1000 Mitarbeitern wollen energiesparende IT-Systeme einsetzen (32 Prozent der Firmen mit bis zu 499 Mitarbeitern, 31 Prozent der Unternehmen mit bis zu 1000 Beschäftigten).

Besonders stark ausgeprägt ist der Trend zu "Grün" bei Großkonzernen mit mehr als 5000 Mitabeitern: 70 Prozent wollen sparsamere IT-Komponenten verwenden.

Bemerkenswert ist, dass die Unternehmen diese Investition auch dann tätigen würden, wenn sich diese nicht über einen niedrigeren Stromverbrauch amortisieren würde. »Diese Investitionsbereitschaft wird aber nur dann in Ausgaben umgesetzt, wenn die erwünschten Ziele vorab realistisch dargestellt werden«, erläutert Wolfgang Schwab.

Sein Fazit: Die Anbieter von IT-Lösungen müssten sich schnellstens auf ein realistisches und nachvollziehbares Produktmarketing besinnen. »Nicht alles muss ‚Grün‘ sein«, so Schwab, »aber Produkte, die unter diesem Label angeboten werden, sollten auch etwas mit dem Thema zu tun haben.«


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