Datacenter / Server

IDC: Energiekosten von Serverfarmen und Rechenzentren in Europa explodieren

2. Oktober 2008, 14:17 Uhr | Bernd Reder | Kommentar(e)

Mit »beunruhigender« Geschwindigkeit steigen nach Angaben der Beratungsgesellschaft IDC die Stromkosten von Rechenzentren in Westeuropa. Die Fachleute machen dafür unter anderem die wachsende Zahl von Systemen mit Mehrkern-Prozessoren verantwortlich.

Während die Hersteller von Servern und Prozessoren das Hohelied der »Green IT« singen, sieht die Realität nach Ansicht von IDC anders aus. Nach einer Untersuchung der Beratungsgesellschaft stieg der Strombedarf von Datacentern und Servern in Europa zwischen 2006 und 2007 um mehr als 13 Prozent.

Im vergangenen Jahr schluckten demnach Server-Systeme in Westeuropa rund 16,3 TWh (Terawattstunden). Das ist doppelt so viel wie die gesamte Straßenbeleuchtung und alle Verkehrsampeln in Großbritannien benötigen.

Bei Rechenzentren hat der Energiehunger 2007 die Schwelle 40 TWh erreicht. Für das laufende Jahr erwartet IDC einen Verbrauch von 42 TWh.

Bemühungen der Industrie reichen nicht aus

»Ein solcher Anstieg ist zum einen durch die wachsende Zahl von Servern zu erklären«, sagt Giorgio Nebuloni, Research-Analyst bei IDC European Systems. »Noch stärker wirkt sich jedoch der Einsatz von Multicore-Prozessoren und anderen Hardware-Erweiterungen aus.«

Nebulonis Fazit: »Die Bemühungen der Industrie mit dem Ziel, energieeffiziente Komponenten zu entwickeln, reichen nicht aus.« Besserung könnten nur Maßnahmen auf der Ebene der Infrastruktur der Rechenzentren bringen. Die Betreiber müssten diese umgestalten, um die Kühlung effizienter zu machen und den Strombedarf zu senken.

Rund 1,6 Milliarden Stromkosten bei Servern

Alleine der Strom für den Betrieb von Servern kostete Europas Firmen und Behörden im vergangenen Jahr rund 1,6 Milliarden Euro (bei einem Preis von 10,71 Euro-Cent pro kWh). Rechenzentren mussten 4,4 Milliarden Euro berappen.

Sollte es nicht zu einem drastischen Umdenken kommen, sieht IDC massive Probleme auf die Betreiber von Rechenzentren zukommen: »Im Jahr 2012 könnten zu jedem Euro, der für neue Server-Systeme ausgegeben wird, rund 80 Cent hinzukommen, die für die Stromversorgung der vorhandenen Datacenter-Infrastruktur aufgewendet werden müssen«, so Nebuloni.

Um aus dieser Situation herauszukommen, müssen Unternehmen die Zusammenarbeit zwischen IT-Abteilung und den Mitarbeitern verbessern, die für das Gebäudemanagement zuständig sind. Beide Sparten arbeiten meist nebeneinander her, statt zu kooperieren, moniert IDC. Außerdem sollten Anwender eine Gesamtkostenbetrachtung des Rechenzentrumsbetriebs einführen. Auch dies sei noch unterentwickelt.


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