Lithiumabbau im Erzgebirge

Knappes „weißes Gold“ aus Sachsen

Robert Michael/dpa
Thomas Dittrich, Geologe der Deutschen Lithium GmbH, betrachtet im Besucherbergwerk „Vereinigt Zwitterfeld zu Zinnwald“ erzführendes Gestein. In der Region Zinnwald, unter dem Kamm des Erzgebirges an der deutsch-tschechischen Grenze, will das Unternehmen Deutsche Lithium GmbH Bergwerk und eine Aufbereitungsanlage errichten.
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Ohne diesen Grundstoff keine Akkus für E-Autos, Notebooks oder Smartphones. 125.000 Tonnen Lithium lagern unter dem Kamm des Erzgebirges und könnten der Region eine Renaissance des Bergbaus bescheren. Man muss allerdings schnell sein.

Fällt das Licht der Taschenlampe auf das Gestein an Decken und Wänden des Besucherbergwerks in Altenberg, glitzert und funkelt es. Lithiumglimmer - so nennt es Armin Müller. Tief unter dem Kamm des östlichen Erzgebirges, an der deutsch-tschechischen Grenze, lagert der begehrte Rohstoff im Erz.

Das Lithium-Vorkommen wird auf rund 125.000 Tonnen geschätzt und gilt laut dem sächsischen Oberbergamt als eine der größten Lagerstätten in Zentraleuropa. Müller, Geschäftsführer der Deutschen Lithium GmbH, erkundet mit seinem Unternehmen seit gut zehn Jahren die Region um Zinnwald und Altenberg. Er ist optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass wir 2025 in Größenordnungen in die Produktion gehen.“

Erschließungskosten: 160 Millionen Euro
Dafür will die Firma ein Bergwerk und eine eigene Aufbereitungsanlage in der Region errichten. Die Kosten allein für das Bergwerk liegen bei gut 30 Millionen Euro, das Investitionsvolumen für das gesamte Projekt beträgt etwa 160 Millionen Euro. Rund 35 Millionen Tonnen Erz müssen abgebaut und aufbereitet werden, um an das Lithium zu kommen. Es funktioniere wie klassischer Bergbau, erklärt Müller. „Unter Tage werden Bohrlöcher gesetzt, mit Sprengstoff gefüllt und gezündet.“ So erhalte man drei bis vier Tonnen Gestein, die aus dem Berg gebracht, mechanisch zerkleinert, mittels Magnetwalze getrennt und dann weiter verarbeitet werden.

Bis zu 250 zusätzliche Arbeitsplätze sollen so im Osterzgebirge entstehen, davon 70 für die Arbeit unter Tage. Der Bürgermeister von Altenberg, Thomas Kirsten, steht hinter dem Projekt: „Wir würden uns freuen, wenn das Berggeschrey hier wieder Zukunft hat.“ Gemeint ist die Hoffnung, dass umfangreiche Erzfunde den Bergbau voranbringen.

„Weißes Gold“ wird knapp
Lithium ist weltweit begehrt, das chemische Element wird auch als „weißes Gold“ bezeichnet. Es ist ein Kernbestandteil von Akkus in Elektroautos, kommt aber auch in Laptops, Smartphones und vielen weiteren akkubetriebenen Geräten zum Einsatz. Laut dem Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure (VWI) ist das Alkalimetall wegen seiner Nutzung in Lithium-Ionen-Speichern eine Schlüsselressource. Die Deutsche Rohstoffagentur (Dera) geht davon aus, dass der Bedarf an wichtigen Metallen wie Lithium in den nächsten zwei Jahrzehnten deutlich über dem heutigen Produktionsstand liegen könnte.

Weil die Nachfrage auch im Zuge der Energiewende steigt, wird mit einer „drastischen Verknappung“ des Rohstoffes schon ab 2022 oder 2023 auf dem Weltmarkt gerechnet, sagt Müller. Verglichen mit den größten Lithium-Vorkommen sei die Lagerstätte im Erzgebirge klein, sie könne aber einen Beitrag leisten - und zudem lange Transportwege sparen. „Mit dem hiesigen Vorkommen könnte man etwa 20 Millionen Elektroautos wie den VW ID.3 ausrüsten“, rechnet Müller vor.


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  2. Unabhängiger von umstrittener Auslandsproduktion

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