Neues von der Psycho-Couch

Mächtige Infantilisierung

19. Oktober 2021, 10:41 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
AdobeStock/Alexander Pochusay
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Über Humor lässt sich bekanntlich streiten. Aber darf man lustige Katzenbilder zeigen, um Corona-bedingten Stress abzubauen oder gar vor dem Virus zu sensibilisieren? Warum nicht? Die Bundesregierung hat es ja vorgemacht.

Jetzt haben wir den wissenschaftlich erbrachten Nachweis: Lustige Bildchen können zwar das Corona-Virus nicht aus der Welt schaffen. Aber sie helfen, den Stress besser zu bewältigen, der mit der Pandemie über uns hereinbricht. Und nicht nur das: wer eine böse Katze sieht und über den Spruch herzlich lacht: „Neue Studie bestätigt: Katzen können Covid-19 nicht verbreiten, würden es aber tun, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten“, denkt mehr über die Pandemie nach und könnte daher den gebotenen Maßnahmen folgen. Das jedenfalls legt eine US-Studie über die Wirkung der lustig beschrifteten Bildchen nahe, die im Fachblatt „Psychology of Popular Media“ veröffentlicht ist.

Ausgerechnet Memes sollen also helfen, die Stimmung von Depressionsgeplagten aufzuhellen, was wahrscheinlich nicht nur gut gegen Corona-Stress sein dürfte. Das hatte schon im vergangenen Jahr das Fachblatt „Scientific Reports“ in Bezug auf eine Studie berichtet. Humor besser als Furor? Auf jeden Fall, wenn man auf die Erkenntnisse von der Psycho-Couch schwört. Und es schwören viele darauf. Selbst im Bundeskabinett in Berlin. Man erinnere sich an die Youtube-Videos über die „Corona-Helden“ des Winter-Lockdown 2020, die die Bundesregierung in Auftrag gab. Opa erzählt, nicht vom Krieg, aber vom nationalen Notstand, den man damals liegend auf der Couch sehr tapfer bekämpft hatte.

Verhaltenslenkung mit Humor
Ob diese Zeitzeugennummer oder jene niedlichen Memes mit Text, die kognitive Dissonanz hervorrufen und Verhalten in eine gewünschte Richtung lenken soll: es scheint zu funktionieren, sieht sich Jessica Myric,  Professorin der Penn State University und Hauptautorin der aktuellen Studie, bestätigt. „Während die Weltgesundheitsorganisation empfohlen hat, dass die Menschen zum Wohle ihrer psychischen Gesundheit zu viele Medien mit Covid-Bezug meiden sollten, zeigt unsere Untersuchung, dass Memes über Covid-19 den Menschen helfen könnten, sich in ihrer Fähigkeit, mit der Pandemie umzugehen, sicherer zu fühlen“.

Positive Emotionen wecken in bedrohlichen Situationen, die alles andere als positiv sind - was kann da auf uns alle noch zukommen, wenn erst einmal Managementberater Kommunikationskonzepte für Umstrukturierungen und Entlassungswellen entwerfen? Der Chef mit der Axt in der Bürotüre und dazu der Satz: „Neuer CEO neuer Geist im Unternehmen“. Eins wäre auf jeden Fall sicher: Wer hier humorbefreit und auch sonst resilient und renitent ist und bleibt, erlebt sein ganz persönliches Shining.


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