Lage der IT-Dienstleistungs-Branche

Mehr Aufträge trotz schleppender Digitalisierung

Marc Thamm, Underwriting Manager Technology, Media & Communications bei Hiscox
Marc Thamm, Underwriting Manager Technology, Media & Communications bei Hiscox
© Hiscox

Die große Mehrheit der IT-Dienstleister sieht keinen durch Covid-19 befeuerten digitalen Fortschritt. Bürokratie und fehlendes Know-how seien größte Hürden. Unternehmen beauftragten IT-Experten vor allem, um Verantwortung abzugeben und Kosten zu sparen. Das und mehr sind Ergebnisse einer Umfrage.

Laut Hiscox IT-Umfrage 2021 geben fast die Hälfte der IT-Dienstleister an, dass ihre Auftragslage besser ist als vor der Pandemie, jedoch ist gleichzeitig die große Mehrheit der Meinung, dass die Corona-Pandemie die allgemeine Digitalisierung bei ihren Auftraggebern nicht vorangetrieben hat. Die Gründe dafür liegen unter anderem an zu großen bürokratischen Hürden und fehlendem Wissen auf Kundenseite. Auffallend außerdem sei der große Unterschied zwischen Risikowahrnehmung und Realität in Bezug auf die Gefahr eines Schadens, etwa durch Projektverzug.

Im Auftrag des Spezialversicherers Hiscox wurde im September 2021 eine Umfrage unter 205 Entscheider in IT-Dienstleistungsunternehmen zu ihrer aktuellen Lage und der Wahrnehmung unternehmerischer Risiken sowie nach ihrer Ausstattung mit IT-Versicherungen durchgeführt.

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Mehr Aufträge seit Corona – aber kaum Fortschritt in der Digitalisierung

Der oft besagte Digitalisierungsschub lässt sich anhand der Umfrage von Hiscox nicht bestätigen.
Der oft besagte Digitalisierungsschub lässt sich anhand der Umfrage von Hiscox nicht bestätigen.
© Hiscox

So verzeichnen vier von zehn der befragten IT-Unternehmen seit Beginn der Pandemie mehr Aufträge (41 Prozent) und zählen sich zu den Gewinnern der Corona-Krise (39 Prozent). Große Unterschiede bestehen beim Vergleich der Unternehmensgrößen: Nur 14,6 Prozent der kleineren Firmen mit bis zu 19 Mitarbeitern erhielten seit Beginn der Pandemie mehr Aufträge. Bei den größeren Unternehmen bis 499 Mitarbeitern gibt das dagegen genau die Hälfte an.

Grund Nummer eins, warum Unternehmen IT-Spezialisten mit Projekten beauftragen, sei der Wunsch, Verantwortung abzugeben (40,5 Prozent). Knapp dahinter folgt die Einsparung von Kosten (40,0 Prozent). Häufig genannt wurde auch, dass die Auftraggebenden keine eigenen Kapazitäten haben (37,1 Prozent) oder sich kein geeignetes Personal finden lässt (32,2 Prozent).

Trotz der verhältnismäßigen guten Auftragslage gaben vier von fünf Befragte (81,0 Prozent) an, dass Corona die Digitalisierung bei den Auftraggebenden insgesamt nicht vorangetrieben hat. Die Unternehmen geben fehlende Fachkräfte sowie mangelndes Knowhow auf Kundenseite (43,4 Prozent) sowie zu große bürokratische Hürden (42,0 Prozent) als die stärksten Gründe dafür an. „Die Corona-Pandemie hat viele Tätigkeiten in den digitalen Raum verlagert“, sagt Marc Thamm, Underwriting Manager Technology, Media & Communications bei Hiscox und damit verantwortlich für Versicherungslösungen für den IT-Bereich. „Allerdings stellen für viele Unternehmen bürokratische und gesetzliche Hürden einen bedeutenden Hemmschuh auf dem Weg zum digitalen Fortschritt dar. Hinzu kommen fehlende Expertise sowie finanzielle, personelle und zeitliche Ressourcenknappheit. Hier ist eine Gesamtanstrengung von Politik und Wirtschaft gefragt, um den internationalen Anschluss nicht zu verpassen und um den Weg in eine digitalere Zukunft zu ebnen. Diese Quadratur dieses Kreises wird sicherlich eine Kernaufgabe des angedachten Digital-Ministeriums werden.“

Wahrnehmung versus Realität

Wie bereits vergangene Studien von Hiscox gezeigt haben, besteht bei IT-Dienstleistern teilweise große Diskrepanz zwischen Risikowahrnehmung und tatsächlichen häufigen Schadenfällen. So landet Schaden durch Projektverzug mit lediglich 33,7 Prozent nur auf Platz drei der als kritisch bewerteten Risiken – obwohl dieser Grund laut Hiscox Schadenstatistik für die allermeisten gemeldeten Schadenfälle verantwortlich ist. Auch nur etwas mehr als ein Drittel der Befragten (36,6 Prozent) geben einen möglichen eigenen Datenverlust durch menschliches Versagen, IT-Probleme oder Cyberangriff als kritisches Risiko an.

Genauso selten wird ein Ausfall der IT-Infrastruktur als mögliche Bedrohung genannt. Noch weniger IT-Dienstleister (33,2 Prozent) nehmen den Datenverlust bei den Kunden durch Programmierfehler als kritische Gefährdung wahr. Auch hier zeichnet die Realität ein anderes Bild, denn der Verlust von Kundendaten durch Anwendungsfehler steht bei den gemeldeten Schadenfällen an zweiter Stelle. Außerdem fürchten nur 3 von 10 (30,2 Prozent) einen Schaden durch Verletzung geistiger Eigentumsrechte sowie Patentrechtsverletzungen.


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