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»Super Duper«-Waffe

Trump blamiert sich mit Zahnputzrakete

26. Oktober 2020, 14:48 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

Trump blamiert sich mit Zahnputzrakete
© lassedesignen - AdobeStock

Bei gleich mehreren Wahlkampfauftritten lobte US-Präsident Trump zuletzt die Fortschritte der heimischen Rüstungsindustrie und wiederholte dabei hartnäckig eine peinliche Verwechslung.

Während er seinen Herausforderer Joe Biden gerne öffentlich für gelegentliche Versprecher verlacht und als Tattergreis hinstellt, macht sich US-Präsident Donald Trump selbst immer wieder gerne mit peinlichen Aussetzern lächerlich. Dabei zeigt er sich auch gerne erstaunlich stur und lernresistent. Wozu das führen kann, zeigen seine seit mehreren Monaten laufenden Bemühungen, im Wahlkampf die – natürlich erst durch ihn erreichte – Innovationskraft und militärische Stärke seines Landes hervorzuheben. Seit Forscher der Navy im Mai einen erfolgreichen Testflug für die Entwicklung einer Hyperschallrakete vermeldet hatten, griff auch der POTUS das Thema immer wieder auf. Doch schon die Erwähnung der neuen Technologie, mit der selbst die modernsten Raketenabwehrsysteme ausgehebelt werden sollen, wurde bei Trump mehrfach zum Desaster. Statt der korrekten Bezeichnung »hypersonic missiles« schwadronierte Trump dabei jedoch immer wieder von »hydrosonic missiles«. Damit zeigte er Putin zwar ebenfalls die Zähne, allerdings völlig anders als geplant. Denn Hydrosonic ist die Markenbezeichnung einer elektrischen Zahnbürste.

Doch Trump beließ es bei dem Thema nicht allein bei dieser Peinlichkeit. Auch was die Einsatzbereitschaft und Fähigkeiten der neuen Angriffswaffen angeht, zeigte er sich reichlich ahnungslos. So sprach er etwa davon, dass die Hochgeschwindigkeits-Lenkflugkörper fünf- bis siebenmal schneller als die schnellste Rakete der Welt fliegen könnten und den USA bereits gute Dienste leisten würden. In der Realität befinden sie sich jedoch noch in einer frühen Erprobungsphase und wurden somit höchstwahrscheinlich noch nie im Gefecht eingesetzt. Zudem erreichen sie in der aktuellen Konfiguration zwar tatsächlich etwa die 17-fache Schallgeschwindigkeit (Mach 17), die schnellsten sind sie damit allerdings bei Weitem nicht. Denn einerseits werden solche Geschwindigkeiten auch schon seit Jahrzehnten von klassischen ballistischen Raketen in der Zielphase erreicht. Andererseits arbeiten auch diverse andere Nationen wie Russland, China, Indien und mehrere europäische Länder an Hyperschall-Raketen. Am weitesten davon dürfte derzeit die russische »Kindschal« sein, von der bereits Geschwindigkeiten jenseits der zwanzigfachen Schallgeschwindigkeit verbrieft sind, laut Kreml soll sie sogar Mach 27 erreichen können. Auch mit dem von Trump verkündeten Führungsanspruch auf diesem Gebiet ist es also nicht weit her.

Schaut man etwas genauer hin, wird es sogar noch kurioser. Denn eigentlich arbeiten die Militärs in fast allen Ländern sogar an mehreren Hyperschallprojekten, die für verschiedene Einsatzzwecke gedacht sind. Während einige von Flugzeugen abgeschossen werden sollen, sind andere für den boden- oder seegestützten Einsatz gedacht. Bei seinen Reden warf Trumpf die unterschiedlichen Eigenschaften aber immer wieder munter in einen Topf. Gegenüber der Washington Post analysierte ein hochrangiger Militär deshalb jüngst anonym, die von Trump vorgestellte Rakete gebe es so nur in seinem Kopf. Zumindest ein wenig Einsicht ist aber auch bei Trump selbst zu vermelden. Immerhin nennt er die Waffe inzwischen fast nur noch »Super Duper Rakete«. Seine Begründung: »Hydrosonic Missiles ist für viele Leute zu schwer auszusprechen«.

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