Investitionsaussichten stark eingetrübt

Verunsicherung in deutschen Konzernen

25. April 2022, 10:32 Uhr | dpa/Martin Fryba | Kommentar(e)
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Hohe Inflation, Gewinnrückgänge, geopolitische Risiken: Deutsche Konzerne blicken mit Sorge in die Zukunft. Die Aussichten sind so schlecht, wie kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Eine Branche ist besonders pessimistisch.

Viele deutsche Konzerne rechnen nach einer Umfrage des Wirtschaftsprüfers Deloitte mit sinkenden Gewinnmargen und schrauben ihre Investitions- und Beschäftigungspläne zurück. Die Unsicherheit sei fast so hoch wie unmittelbar nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie und habe „überall Planungen beeinflusst und Vorsicht wachsen“ lassen, teilte Deloitte mit. Die Prüfer hatten zwischen 25. März und 15. April 140 Finanzvorstände deutscher Großunternehmen befragt.

Die Inflationserwartungen seien hoch. Für die kommenden zwölf Monate rechneten die Finanzchefs mit einer Rate von 6,1 Prozent. 52 Prozent der Befragten gingen davon aus, dass dann „die Inflation bis Ende 2023 zwischen drei und vier Prozent liegt, während 42 Prozent einen Wert von deutlich über vier Prozent sehen“.

Autoindustrie besonders pessimistisch
Die aktuelle Wirtschaftslage in Deutschland bewerteten 82 Prozent als positiv oder neutral. Schlechter sei die Konjunktur in der übrigen Eurozone und in China, besser in den USA. Aber „bei den Aussichten für die nächsten zwölf Monate gehen die Werte für Deutschland und die Eurozone steil nach unten“, und auch die Geschäftsaussichten für das eigene Unternehmen gingen stark zurück. „Der Einbruch ist besonders ausgeprägt in der Autoindustrie, in der 83 Prozent der Unternehmen eine Verschlechterung der Geschäftsaussichten wahrnehmen“, heißt es in der Studie.

Die Pläne für Investitionen und Beschäftigung seien noch positiv, gingen aber ebenfalls stark zurück. „Die Unternehmen werden sehr viel vorsichtiger. Dies gilt besonders für die Automobilindustrie, wo die Zahl der Unternehmen, die ihre Investitionen und Beschäftigung senken wollen, sehr viel höher liegt als die Zahl derer, die sie steigern wollen.“

Auf die Frage nach hohen Risiken für das eigene Unternehmen nannten 77 Prozent der befragten Finanzvorstände steigende Energiekosten und geopolitische Risiken, dicht gefolgt von steigenden Rohstoffkosten. Zwei Drittel nannten Fachkräftemangel, 59 Prozent steigende Lohnkosten.


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