Standpunkt: Virtualisierung

Virtualisierung richtig planen und konzipieren

18. November 2008, 14:50 Uhr | | Kommentar(e)

Die Virtualisierung von IT-Ressourcen, allen voran von Server- und Speicherkapazitäten, ist derzeit voll im Trend. Ein Selbstläufer ist sie für die Unternehmen dennoch nicht. Die Projektziele werden nur dann erreicht werden, wenn professionell geplant und konzipiert wird.

In den Unternehmen sind erst 15 Prozent der Server virtualisiert worden, rüttelt die Experton Group auf. Ähnlich niedrig beziffert der Marktanalyst den Virtualisierungsgrad auf der Speicherseite.

Wenn auch diese Erhebung Ende letzten Jahres durchgeführt wurde: Sie signalisiert, dass in den Unternehmen auf beiden Seiten, Server wie Storage, hohe Kapazitäten auf Kosten des IT-Budgets vergeudet werden. Demzufolge fordern vor allem die Hardware-Hersteller die Unternehmen auf, durch neue Lösungen und Konzepte der Verschwendung solcher Kapazitäten Einhalt zu gebieten.

Soweit so gut. Doch neue Investitionen in Hard- und Software müssen sich rechnen, wenn sie unter dem Strich zu den erwarteten Kosteneinsparungen führen sollen.

Vorhandene Infrastruktur analysieren

Für die Entscheider heißt das, erst einmal ihre bestehende Server- und Speicher-Installation unter die Lupe zu nehmen. Beide Landschaften sind in der Regel über die Jahre heterogen gewachsen. Sie setzen sich aus verschiedenen Plattformen unterschiedlicher Hersteller zusammen.

Die generelle Fragestellung ist: Inwieweit kann mit den bestehenden Servern und Speichersystemen die Virtualisierung lohnend vorangebracht werden?

Nicht nur Leistungs- und Kapazitätsgrenzen der alten Hardware, sondern auch unterschiedliche Plattformen können einer kostensparenden Virtualisierung entgegenstehen.

Das mehr oder weniger unkoordinierte Wachstum der Server- und Speicher-Infrastrukturen über die letzten Jahre impliziert verschiedene Anschaffungszeitpunkte. Demzufolge differieren auch die Zeitpunkte, zu denen beides, Hard- und Software, abgeschrieben sein wird.

Vorsicht beim Ausmustern von Servern und Storage-Systemen

Wird vorab in die Ausmusterung alter Server- und Speichersysteme investiert, führt das zu Abschreibungsverlusten, die einen Return-on-Investment (ROI) hinauszögern. Die Argumentation, die Einsparungen an Energiekosten werden bei steigenden Energiepreisen die Abschreibungsverluste schnell übersteigen, ist so nicht mehr haltbar. Der seit Juli um 60 Prozent gefallene Erdölpreis signalisiert, dass die Energiepreisentwicklung zwischenzeitlich auch in eine andere Richtung gehen kann.

Hohe Kosteneinsparungen durch Virtualisierung sind dennoch möglich. Sie stecken für die Unternehmen in einer effizienteren und transparenteren Organisation sowie einer betrieblichen Standardisierung der Server- und Speicherinfrastruktur. Entsprechend einzusetzende Managementsysteme drücken den Aufwand und die Kosten für die Administration, den Betrieb, die Wartung und die Weiterentwicklung dieser Infrastrukturen deutlich nach unten.

Unter dem Strich rechnen wird sich das Virtualisierungsprojekt für die Unternehmen nur dann, wenn es neben den bestehenden Infrastrukturen die geschäftliche Entwicklung eingehend analysiert. Spätestens die aktuelle Finanzkrise, die sich zu einer Wirtschaftskrise ausweiten könnte, zeigt, dass geschäftliche Erfolge nicht linear fortgeschrieben werden können.

Bedarf für kommende fünf Jahre ermitteln

Sowohl der zusätzliche Bedarf an Server- als auch an Speicherkapazitäten sollte so realitätsnah wie möglich über einen Zeitraum von fünf Jahren veranschlagt werden. Zumal beim engen Zusammenspiel von Servern und Speichern das eine vom anderen Wachstum abhängt.

Verfolgt das Unternehmen die Strategie, Teile der IT auszulagern, sollten diese Teile bei der Bemessung der Server- und Speicherressourcen außen vor bleiben.

Nur wenn beide Anforderungsprofile, das technische wie das geschäftliche, verlässlich stehen, werden die Entscheider den Umfang notwendiger Virtualisierungsmaßnahmen mit Blick auf Kosten und Leistungen richtig bemessen können.

Projektierungskosten berücksichtigen

In dieser Kalkulation dürfen, neben den Investitionen in neue Hard- und Software, die Projektierungskosten nicht fehlen. Vor allem Speicherkonzepte wie SAN (Storage-Area-Network), gegebenenfalls kombiniert mit NAS (Network-Attached-Storage), können hohe Projektkosten nach sich ziehen. Sie, wiederum, können den anvisierten ROI hinausschieben.

Die Virtualisierung von Server- und Speicherkapazitäten ist außerdem von der Optimierung der Geschäftsprozesse abhängig. Je progressiver die Unternehmen diese Optimierung vorantreiben, umso stärker werden sie ihre Server- und Speicherinfrastrukturen virtualisieren müssen.

Denn durchgehende Geschäftsprozesse erfordern mehr Flexibilität, Dynamik und Performance durch eine logische Zuweisung dieser Ressourcen.

Wolfgang Möller ist Senior Consultant Virtualisierung bei Logica

E-Mail: wolfgang.moeller@logica.com


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