Meinung – Ausblick Wireless 2008

Warten auf 11n

7. Februar 2008, 9:12 Uhr | Werner Veith | Kommentar(e)

Die Geschichte des Wireless-LAN-Standards 802.11n ist die von Verzögerungen. Glücklicherweise konnte sich die Arbeitsgruppe der IEEE im ersten Quartal dieses Jahres auf einen Draft 2.0 einigen.

Zu diesem Entwurf gab es 1200 Kommentare, die die Arbeitsgruppe abarbeiten musste. Nun hat sie vergangenen November den Draft 3.0 mit einer Zustimmung von 84,8 Prozent verabschiedet. Dies sollte eigentlich Anlass zur Hoffnung geben, dass eine finale Version nicht mehr weit entfernt sei.

Nun gibt es aber ein australisches Forschungsinstitut namens CSIRO (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organization). Dieses hat am 23. Januar 1996 ein »United States Patent 5,487,069« für WLAN bekommen.

Zwischen Csiro und verschiedenen WLAN-Herstellern gibt es einmal wegen Patentfragen diverse Rechtsstreitigkeiten. Gleichzeitig gefährden diese Fragen jedoch eine Ratifizierung von 11n. Denn Csiro wurde von der IEEE gebeten, einen »Letter of Assurance for essential Patent Claims« (LOA) auszufüllen.

In einem Schreiben des SA-Standard-Boards der IEEE an den Vorsitzenden von 11n stellt das Board klar: Ohne einen LOA könne es passieren, dass das Board bei einer Verabschiedung von 11n die Ratifizierung verweigert. Das Dokument liegt übrigens öffentlich auf einem IEEE-Server. Interessanterweise existierte das Csiro-Patent schon bei der Verabschiedung von 11g.

Vertrauenerweckend ist diese Geschichte sicher nicht. Es bleibt daher sehr spannend, wann es wie im Jahr 2008 zu einem finalen 11n-Standard kommt. Mit einem Draft 3.0 sind wir diesem eigentlich schon sehr nahe.

Wifi-Label würde helfen

Gleichzeitig ist der Run auf Pre-11n-Produkte ungebrochen. Der Druck war so groß, dass sich die Wifi-Alliance entgegen ihrer ursprünglichen Absicht entschied, Pre-11n-Produkte nach dem Draft 2.0 zu zertifizieren. Laut der Herstellervereinigung haben mehr als 95 Prozent der Produkte diese Kompatibilitätsprüfung bestanden.

Durch das Wifi-Label würde auch eine verzögerte oder fehlende Verabschiedung von 11n abgemildert. Hinzu kommt, dass zertifizierte Pre-11n-Produkte auch die Wifi-Alliance-Prüfungen WPA/WPA2 (Wifi-Protected-Access), Extended-EAP (Enhanced-Authentication-Protocol) sowie die QoS-Spezifikation WMM (Wifi-Multimedia) erfüllen müssen.

Extended-EAP verlangt als Ergänzung zu WPA/WPA2 zusätzliche EAP-Methoden. Leider ist WMM-Power-Save nicht vorgeschrieben. Es wird aber geprüft, falls vorhanden. Laut der Wifi-Alliance spart der Einsatz aber zwischen 15 und 40 Prozent Batterielaufzeit. Für einen Einsatz von WLAN-Telefonen sollte dies daher Pflicht sein.

Pre-11n-Produkte müssen mindestens zwei unabhängige Übertragungswege (Spatial-Streams) unterstützen. Bestimmte Clients besitzen nur eine Antenne. Dann gibt es nur einen Stream. Mit einer Kanalbreite von 40 MHz statt 20 MHz ergibt dies eine Brutto-Rate von 300 MBit/s.

Allerdings erlaubt die Wifi-Zertifizierung den Einsatz der breiten Kanäle nur im 5 GHz-Band. Dies ist aber bei einer Gesamtbreite im 2,4-GHz-Band von 83,5 MHz auch nicht ganz unverständlich. Das Profil für 11n schreibt auch nicht vor, dass Geräte sowohl im 2,4- als auch 5-GHz-Bereich funken können. Aber sie müssen rückwärtskompatibel zu 11a/b/g sein.

Dies hat zu dem interessanten Effekt geführt, dass Unternehmen bereits jetzt Pre-11n-APs kaufen, auch wenn sie den Standard noch gar nicht einsetzen wollen. Hinzu kommt, dass die Masse der Clients auch im Jahr 2008 mit 11a/b/g ausgerüstet sein wird. Seine wirkliche Stärke entfaltet 11n aber erst, wenn es keine Rücksicht auf Nicht-11n-Systeme nehmen muss. Typischerweise liegt der Austauschzyklus bei Clients zwischen drei und fünf Jahren.

Stromversorgung über Verkabelung

Ein spannendes Problem ist Power-over-Ethernet (PoE). Denn es gibt APs von Herstellern, die sich nicht über ein einzelnes Ethernetkabel per 802.3af versorgen lassen. Beispiele dafür sind aktuell Cisco und Trapeze. Cisco hat dafür bei Switches die PoE-Leistung ein bisschen erhöht. Trapeze behilft sich mit zwei Ethernet-Interfaces.

Nach Aussage von Aruba, Bluesocket und Colubris reicht bei ihnen ein Ethernetkabel. Aruba nennt als Grund, dass sie Chips der zweiten Generation einsetzten. Von daher lohnt sich vielleicht auch das Warten auf ein gereiftes 11n. Zumindest sollten Hersteller hier genau befragt werden.

Daneben entwickelt sich UMTS weiter. Mittlerweile gibt es als HSPA (High-Speed-Packet-Access) die Kombination von HSDPA (HS-Download-PA) und HSUPA (HS-Upload-PA). Dadurch ist drahtloses Breitband möglich. Vodafone hat einen USB-Stick für HSDPA mit 7,2 MBit/s im Programm.

T-Mobile will einen mit 3,6 MBit/s anbieten. Für Wimax – entspricht IEEE 802.16-2004 – sind die Lizenzen im 3,5-GHz-Band vergeben. Offerten für Funk-DSL sind da. Allerdings ist Wimax nicht gleich Mobile-Wimax (IEEE 802.16e-2005). Letzteres will Intel 2008 in ihre »Montevina«-Plattform integrieren.


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