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Gegen den Trend

Weniger Frauen im Vorstand großer Unternehmen

07. Oktober 2020, 17:20 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

Weniger Frauen im Vorstand großer Unternehmen

Bislang kamen Frauen in der Führungsetage großer deutschen Firmen in kleinen Schritten voran. Doch ausgerechnet im Krisenjahr kehrt sich die Entwicklung um. Justiz- und Frauenministerium sehen dringenden Handlungsbedarf.

Aufstieg gebremst: Erstmals seit Jahren ist der Anteil von Frauen in der Topetage deutscher Börsenschwergewichte gesunken. Zum Stichtag 1. September 2020 saßen in den 30 Dax-Konzernen 23 Managerinnen im Vorstand, wie aus einer Untersuchung der gemeinnützigen Allbright Stiftung hervorgeht. Vor einem Jahr waren es noch 29. Die Geschäftsführer der Stiftung, Wiebke Ankersen und Christian Berg, sprachen von einem deutschen Sonderweg in Krisen-Zeiten im Vergleich zu anderen Industrieländern. Die SPD-Ministerinnen Christine Lambrecht und Franziska Giffey kritisierten den Rückgang scharf.

»Die Entwicklung gefährdet nicht zuletzt das Ansehen der deutschen Wirtschaft und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen«, sagte Bundesjustizministerin Lambrecht. »Die Studie zeigt noch einmal in aller Deutlichkeit, dass wir mit freiwilligen Lösungen nicht weiterkommen.« Auch Bundesfrauenministerin Giffey forderte mehr verbindliche Vorgaben. Der Union warf sie »beharrlichen« Widerstand vor gegen den Gesetzentwurf für mehr Frauen in Vorständen und Aufsichtsräten.

Firmen ab einer bestimmten Größe - in der Regel ab 2.000 Beschäftigten - müssen seit Anfang 2016 frei werdende Aufsichtsratsposten mit Frauen neubesetzen, bis mindestens ein Frauenanteil von 30 Prozent erreicht ist. Vorgaben zur Besetzung von Vorständen gibt es bisher nicht. Giffey und Lambrecht hatten dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt, der liegt wegen Widerstands in der Union auf Eis.

Die SPD-Pläne sehen vor, dass Vorstände großer börsennotierter Unternehmen mit mehr als 2.000 Mitarbeitern künftig bei Neubesetzungen mit wenigstens einer Frau besetzt sein sollen, wenn das Führungsgremium mehr als drei Mitglieder hat.

»Was auch immer Aufsichtsräte dazu veranlasst, in der Krise nun sogar noch verstärkt auf Männer in den Vorständen zu setzen - es ist ein kurzsichtiger Reflex, der zeigt, wie wenig verankert die Vielfalt von Perspektiven an deutschen Unternehmensspitzen ist«, kritisierte Ankersen.

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