Startups in der Krise

Weniger Neugründungen und Optimismus-Schwund

30. August 2022, 14:40 Uhr | Elke v. Rekowski | Kommentar(e)

Die aktuellen Krisen wirken sich in mehrfacher Hinsicht auch auf die deutsche Startup-Szene aus. Es gibt deutlich weniger Unternehmens-Gründungen als noch im zweiten Halbjahr 2021 und bestehende Startups blicken pessimistisch in die Zukunft.

Die aktuellen Krisen wirken sich in mehrfacher Hinsicht auch auf die deutsche Startup-Szene aus. Es gibt deutlich weniger Unternehmens-Gründungen als noch im zweiten Halbjahr 2021. Bestehende Startups blicken pessimistisch in die Zukunft. Ihre vormals positive Bewertung der zukünftigen Geschäftslage bricht ein.

Erstmalig seit 2019 geht die Zahl neu gegründeter Startups zurück. Im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2021 ist die Gründungsaktivität bei Startups in Deutschland in den ersten sechs Monaten 2022 um sieben Prozent gesunken. Während damals noch 1.618 Jungunternehmen den Start wagten, waren es im ersten Halbjahr 2022 nur noch 1.508 Neugründungen, wie ein Report des Deutschen Startup-Verbandes zeigt.

Sehr aktiv sind Jungunternehmer in Berlin und München, Drei von zehn (29 Prozent) Startups werden in diesen Städten gegründet, obwohl hier nur sechs Prozent der deutschen Bevölkerung leben. Auch Universitätsstädte wie Aachen, Heidelberg, Freiburg und Karlsruhe weisen eine überdurchschnittliche Gründungsaktivität auf. Diese Städte bieten durch die enge Verzahnung zwischen Startup-Ökosystem und Forschung besonders gute Bedingungen für Gründer, so der Verband.

Health statt Software

Besonders häufig werden neue Startups im Medizin-Bereich gegründet, der den vorherigen Spitzenreiter Software ablöst. Health-Startups sind bei den Neugründungen am stärksten und verzeichnen mit 17 Prozent eine deutliche Zunahme an neu gestarteten Unternehmen. Im E-Commerce-Sektor zeigt sich die Krise in einem deutlichen Rückgang der Gründungsaktivität sichtbar. Zudem ebbt der Aufwärtstrend bei den Umwelttechnologien ab.

Schlechte Zukunftsaussichten

Bestehende Startups bewerten die aktuelle Geschäftslage zwar noch positiv. Die Zukunftserwartung jedoch hat sich massiv eingetrübt: 2021 gingen noch 72,1 Prozent der Startups von einer positiven Entwicklung der Geschäftslage aus, 2022 sind es nur noch 54,2 Prozent. Damit liegt dieser Wert sogar unter dem des Corona-Krisenjahres 2020. „Wir stehen vor großen Unsicherheiten und die Gründer*innen gehen davon aus, dass das wirtschaftliche Umfeld auch im Startup-Bereich zunehmend schwieriger wird“, sagt Dr. Gesa Miczaika, stellvertretende Vorsitzende beim Startup-Verband.  

Finanzierungsengpässe (43,8 Prozent) und den Fachkräftemangel (35,3 Prozent) sind für die Startups die größten Hemmnisse für ihre Geschäftstätigkeit. Gestörte Lieferketten und die Inflation betrachten jeweils 28 Prozent als zentrale Probleme. Das verdeutlicht, dass es deutliche Unterschiede zu etablierten Unternehmen gibt und dass Startups mit ihren oftmals digitalen Geschäftsmodellen weniger anfällig für derartige Faktoren sind.

Trotzdem treffen die aktuellen Krisen auch die jungen Unternehmen hart, wie der Blick auf den FinTech-Sektor zeigt. Er ist stark von der generellen Wirtschafts- und Finanzierungslage abhängig und konnte Zuge der Pandemie profitieren. In diesem Sektor sind sowohl die positive Einschätzung der aktuellen Situation (2021: 67,2 Prozent, 2022: 50,0 Prozent) als auch die optimistischen Zukunftserwartungen (2021: 73,4 Prozent, 2022: 42,9 Prozent) deutlich eingebrochen. „Wir stehen vor großen Unsicherheiten“, sagt Dr. Gesa Miczaika, stellvertretende Vorsitzende beim Startup-Verband. Gründerinnen und Gründer gingen davon aus, dass das wirtschaftliche Umfeld auch im Startup-Bereich zunehmend schwieriger werde.


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