Experten warnen vor mehr Großpleiten

„Wenn es kracht, dann richtig“

18. Mai 2022, 12:33 Uhr | dpa | Kommentar(e)
Wirtschaftsflaute
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Trotz hartnäckiger Corona-Pandemie gab es zuletzt immer weniger Insolvenzen. Ein trügerisches Bild? Experten zufolge haben Staatshilfen die Gefahr von „Zombieunternehmen“ erhöht, die ohne Stütze gar nicht mehr lebensfähig wären.

Mit dem Auslaufen staatlicher Coronahilfen dürften nach Prognosen von Insolvenzexperten wieder mehr Firmenpleiten die Wirtschaft erschüttern. Vor allem sei mit einer wachsenden Zahl großer Insolvenzen zu rechnen, erwartet der Kreditversicherer Allianz Trade. „Unternehmen sollten sich nicht in falscher Sicherheit wiegen. Wenn es kracht, dann richtig“, sagt der Deutschland-Chef von Allianz Trade, Milo Bogaerts, zu einer am Mittwoch veröffentlichten Insolvenzstudie seines Hauses.

Als potenziell bedrohlich sieht die Tochter des Münchner Versicherungsriesen ein ganzes Bündel von Problemen: Es reicht vom Krieg in der Ukraine, den Lockdowns in China über unterbrochene Lieferketten und Materialmangel bis zu gestiegenen Arbeitskosten und Energie- und Rohstoffpreisen.

Daher rechnen die Volkswirte von Allianz Trade im laufenden Jahr mit einem moderaten Anstieg der Firmeninsolvenzen in Deutschland um 4 Prozent auf rund 14 600. Im kommenden Jahr erwarten sie aber eine Zunahme um 10 Prozent auf 16 130. „Dennoch dürften die Fallzahlen auch Ende 2023 noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau liegen.“

Dass die Insolvenzzahlen zuletzt rückläufig waren, führen Experten auf die massiven Staatshilfen in der Corona-Krise zurück. Neben verschiedenen finanziellen Stützen gab es während der Pandemie in Deutschland auch Sonderregeln bei der Insolvenzantragspflicht, die eine Pleitewelle verhindern sollten. „Die Insolvenzentwicklung war in den vergangenen Jahren durch die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen von der wirtschaftlichen Gesamtentwicklung weitestgehend entkoppelt und die fallen damit auf einem künstlich niedrigen Niveau“, sagt Allianz-Trade-Insolvenzexperte Maxime Lemerle.

„Je länger die staatlichen Subventionen für die Unternehmen anhalten, desto wahrscheinlicher wird das Entstehen von Zombieunternehmen, die nur noch unter diesen speziellen Bedingungen überleben können“, warnt auch der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung Patrik-Ludwig Hantzsch. Veränderungen wie eine Zinswende und ein Auslaufen der Hilfsmaßnahmen könnten diese Unternehmen rasch in Existenznot bringen. Eine (Nachhol-)Insolvenzwelle werde dann wahrscheinlicher.


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