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Telekommunikation im Wandel

Wie Festnetzbetreiber mithilfe von Next-Generation-Networks aus der Krise herauskommen können

11. März 2009, 12:10 Uhr   |  Bernd Reder | Kommentar(e)

Wie Festnetzbetreiber mithilfe von Next-Generation-Networks aus der Krise herauskommen können

Die traditionellen Geschäfte der Festnetzbetreiber geraten gleich von mehreren Seiten unter Druck: Mobilfunkanbieter, Internet und Kabelnetzbetreiber drängen mit aggressiven Preisen in den Markt. Ein Ausweg aus dieser fast schon ruinösen Wettbewerbssituation ermöglicht ein Drei-Punkte-Programm: den Anteil traditioneller Sprachdienste möglichst lange hoch halten, attraktive neue NGN-Dienste etablieren und Betriebskosten senken.

Das Geschäft der Netzbetreiber muss gleich mehreren Herausforderungen standhalten. Das gilt sowohl im Marktsegment der Sprach- als auch der Breitbanddienste (High-Speed-Internet-Access). Beide waren bislang Domänen der etablierten Festnetzbetreiber, und genau dort sind in den letzten Jahren neue, agil auftretende Wettbewerber aktiv geworden.

So sieht sich das Segment des High-Speed-Internet-Zugangs einem starken Druck durch Internet-Service-Provider (ISP), Kabelfernsehanbieter, Satelliten- und Mobilfunkbetreiber ausgesetzt. Auch im Bereich der Festnetz-Telefonie bläst den etablierten Anbietern ein kalter Wind ins Gesicht, mit einem dramatischen Preisverfall und neuen VoIP-basierten Geschäftsmodellen wie etwa Skype.


Klassische Festnetzbetreiber geraten zunehmen unter Druck. Unter anderem Kabel-TV-Firmen und Mobilfunkanbieter werden zu Konkurrenten.

Marktforschern zufolge nutzen bereits heute zirka 20 Prozent der Unternehmen IP-Telefonie – mit stark steigender Tendenz. Deutlich über die Hälfte aller Auslandstelefonate werden in Deutschland bereits über alternative Dienstanbieter getätigt.

Statt im Festnetz telefonieren zudem immer mehr Menschen ausschließlich mobil. Europaweit sind es immerhin schon 15 Prozent aller Haushalte. Als Folge dieser Veränderungen im Wettbewerbsumfeld steigt beim Endverbraucher die Bereitschaft zum Wechsel des Anbieters.

Hinzu kommt die wachsende Einflussnahme der nationalen Regulierungsbehörden, die weitere Maßnahmen zur Marktöffnung und damit zur Steigerung der Wettbewerbsintensität umsetzen. Alle diese Faktoren sind eine Gefahr für Umsatz und Gewinn der Festnetzbetreiber.

Ausweg über Drei-Punkte-Programm

Ein Weg aus dieser bedrohlichen Situation führt über ein Drei-Punkte-Programm:

1. Kontinuität der herkömmlichen Sprachdienste bewahren: Die Dienstekontinuität ist einer der zentralen Punkte, denn mit der Telefonie lassen sich auch weiterhin beträchtliche Umsätze im Festnetz erzielen. Schätzungen des High-Tech-Verbandes Bitkom zufolge entfällt noch immer etwa ein Drittel aller Umsätze aus Telekommunikationsdiensten auf Festnetz-Sprachdienste und damit auf so genannte Legacy-Services.

2. Attraktive neue Dienste anbieten: Die Netzbetreiber können ihren Umsatz steigern, indem sie attraktive neue Dienste für Privat- und Geschäftskunden anbieten. Dazu zählen beispielsweise Services wie VPN und LAN-zu-LAN-Kopplung über IP-/Ethernet im Bereich für Unternehmenskunden oder Triple-Play-Dienste für Privatanwender. Unter diesem Begriff werden Angebote für High-Speed-Internet, Sprach- und Video-Dienste zusammengefasst. Zur Ausnutzung der Konvergenz von Sprache und Daten, sollte die Netztechnik auf dem neuesten technischen Stand sein.

3. Reduktion der Betriebskosten: Grundlage dafür ist die Migration der TDM-basierten Dienste (Time-Division Multiplexing) zu modernen NGN-Plattformen (Next Generation Networks). Dadurch wird die bestehende Netzinfrastruktur entschlackt und modernisiert, was die kostengünstige Bereitstellung attraktiver neuer Dienste erst ermöglicht.

Weiterhin ist es im Zuge der Einführung von NGN Plattformen ratsam, die Zahl der vorhanden »alten« Plattformen im Netz zu reduzieren. Dies führt zu weiteren Einsparungen im Netzbetrieb. Parallel dazu ist es wichtig, die Prozesse in den Bereichen Operation, Administration, Maintenance und Provisioning (OAM & P) zu optimieren. Ein wichtiger Baustein in diesem Kontext ist ein hoher Automatisierungsgrad in der Dienstebereitstellung beziehungsweise die Tarifauswahl von Diensten mittels eines Internet-Portals.

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1. Wie Festnetzbetreiber mithilfe von Next-Generation-Networks aus der Krise herauskommen können
2. Dienstekontinuität und Next Generation Networks
3. Migrationsszenarien

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