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Kopfnuss

Windows 7: Eine gute Software braucht sieben Jahre

13. Oktober 2009, 06:23 Uhr   |  Michael Hase | Kommentar(e)

Noch genau sieben Tage: Dann ist es so weit, dann ist Windows 7 offiziell verfügbar.

Nicht wenige Kunden mögen sich derweil fragen, wie das Produkt zu seinem schlichten Namen kommt. Die umständlichen Erklärungen des Microsoft-Marketings kann man dabei getrost vergessen. Denn bei der Bezeichnung haben sich endlich einmal die Entwickler durchgesetzt, auch wenn das bei Microsoft offen niemand zugeben würde. Die Sieben steht einfach für die sieben Jahre Entwicklungsarbeit, die in dem Betriebssystem stecken. Denn Windows 7 ist eigentlich kein neues Produkt. Vielmehr handelt es sich um das fertig entwickelte Windows Vista, dessen Schwächen die wackeren Programmierer in der Zwischenzeit behoben haben. Jeder technisch Versierte, der dem System »unter die Haube« geschaut hat, kann das bestätigen.

Endlich einmal konnten sich Entwickler frei machen vom zwanghaften Wahn zu immer kürzeren Innovationszyklen, an dem bei allen Herstellern die Marketingleute kranken. Sieben Jahre sind einfach nötig, um ein ausgereiftes Software-Produkt vorzulegen. Die Sieben hat ja an sich schon etwas Magisches. In allen Märchen und Mythen und Religionen ist sie die Zahl der Zahlen: »die sieben Zwerge«, »die sieben Todsünden«, »im siebten Himmel«. Und die Krönung im Buch der Bücher: »Am siebenten Tag vollendete Gott sein Werk.« Aber auch in lebenspraktischen Dingen bewährt sich die Zahl. Ein gut gezapftes Bier braucht bekanntlich sieben Minuten, so wie ein gutes Betriebssystem sieben Jahre Entwicklung erfordert.

Die Microsoft-Programmierer wussten das schon immer. Deshalb flossen Tränen, als ihnen vor drei Jahren die eigenen Marketingleute das halbfertige Betriebssystem aus den Händen rissen und gnadenlos als »Windows Vista« veröffentlichten. »Sorry Leute, aber der Markt erwartet das jetzt von uns!« Ähnlich ergreifende Szenen müssen sich 2007 in der Walldorfer Entwicklungsabteilung abgespielt haben, als der damalige SAP-Chef eine Skizze vom Flipchart riss, vor die Weltpresse trat und vollmundig ankündigte: »In drei Jahren holen wir damit 100.000 Kunden.« Den anschließenden Spott der Branche (»Business by Desaster«) hätte sich der Mann ersparen können. Schließlich gilt auch für die Entwicklung eines guten ERP-Systems? Richtig! Unter sieben Jahren geht gar nichts.

Dafür wird jetzt wenigstens bei Microsoft alles gut. Denn im siebenten Jahr vollendeten die Microsoft-Entwickler ihr Werk. Neunmalkluge mögen jetzt einwenden: Windows XP kam doch schon 2001 auf den Markt, macht also acht Jahre. Richtig! Aber wann hätte Microsoft jemals ein Produkt pünktlich auf den Markt gebracht? Und wer wollte bei einem brauchbaren Betriebssystem kleinlich sein?

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