Managed Service-Offensive bei Cisco

„Alles wird As-a-Service“

9. Mai 2022, 15:22 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
Cisco Oliver Tuszik
"Cicso ist später zu Managed Services gekommen als die Partner", sagt Oliver Tuszik, weltweiter Channel-Chef. Nun holt Cisco in "Höchstgeschwindigkeit" auf
© Cisco

Fahren auf Sicht in den kommenden Monaten, heißt die Device in Ciscos Lieferkette, so wie bei allen Hardware-Herstellern auch. Aber der Treiber des Cisco-Partnergeschäfts kennt ohnehin keine Knappheit. Genau da setzt Cisco an.

Ciscos Channel-Chef Oliver Tuszik gewährte unlängst deutschen Channel-Journalisten einen Einblick in die angespannte Lieferkette des Netzwerkherstellers. Vermutlich dürfte der Manager für die Branche  und nicht nur für seinen Hersteller gesprochen haben, denn eine Reihe von Faktoren setzen aktuell eine langfristig zuverlässige Produktions- und Transportplanung bei jedem IT-Hersteller außer Kraft. Die Corona-Pandemie und der Lockdown im weltgrößten Hafen in Shanghai machen die Beschaffung von Komponenten und das Assemblieren von Hardware in Asien zur Glücksache. Und treiben die Preise in die Höhe. „Alle Komponenten bis hin zu Kabeln sind knapp. Die Unsicherheit groß“, sagt Tuszik. „Wir sehen jeden Monat neue Überraschungen auf dem Weltmarkt“. Für das, was da gerade passiert, gäbe es keine Blaupause, sagt Tuszik. Und doch wolle Cisco seine Partner und deren Kunden freilich nicht im Ungewissen lassen. Geht das mit bestem Willen überhaupt?

Teilweise zumindest. „Kommunikation ist das Wichtigste“, sagt der Manager. Und auch wenn er nichts Gutes zu verkünden hat, sollte es einem doch besser nicht die Sprache verschlagen. Zumal Ciscos Partnern die Dramatik in der Supply Chain ja bekannt sein dürfte. Tuszik und jeder andere Channel-Manager eines IT-Herstellers erzählt ihnen kein Geheimnis, wenn er von einem „dramatischen Anstieg der Logistikkosten“ berichtet und von Preiserhöhen spricht, die weitergegeben werden.

Aber Tuszik will sich nicht lange da aufhalten, wo auch Cisco nur begrenzt Einfluss nehmen kann. Bei der Zwischenfinanzierung beispielsweise kann der Hersteller Partner durchaus stützen und macht das auch, wenn sich Projekte wegen mangelnder Verfügbarkeit in die Länge ziehen.

Zweistelliges Wachstum bei Managed Services
Er kann aber auch Erfreuliches vermelden und hier hält sich der Manager denn auch länger auf beim Thema Managed Services. Software, wie auch immer dargereicht, kennt keine Lieferschwierigkeiten. Und hier kann Cisco, immerhin laut Aussage des deutschen Channel-Chefs Rüdiger Wölfl sechsgrößter Softwarehersteller der Welt, punkten. Ciscos Geschäfte mit Managed Services seien in Deutschland um 16 Prozent gewachsen, etwas weniger als die 20 Prozent weltweit.

Für Ciscos-Partner werden Managed Services zu einer immer wichtigeren Säule ihres Infrastrukturgeschäfts. Flexible „Pay-as-you-use“-Modelle für Datacenter-Leistungen, bei denen Cisco-Partner eigene Services dazu packen können, werde stark nachgefragt, so Wölfl.

Cisco hat entsprechend eine klare Roadmap: „In den nächsten Monaten wird alles As-a-Service dargeboten. Das Portfolio wächst in Höchstgeschwindigkeit“, sagt der Channel-Chef für den deutschen Markt.

Vorbild Erzfeind HPE? Niemals!
Vorbild für Ciscos As-a-Service-Offensive ist nicht etwa HPE - der Wettbewerber, der diese Strategie schon vor einigen Jahren verkündet hatte. Tuszik würde es nie zugeben, Anleihen beim Erzfeind genommen zu haben. Lieber bauchpinselt er die Cisco-Partner. Denn diese hätten das Geschäftsfeld Managed Services früher als Cisco aufgebaut und seien entsprechend weiter als der Netzwerkhersteller. Nun aber holt Cisco mit einer Managed Services-Offensive gewaltig auf und verspricht in Richtung Partnerkanal, das man hier keine Direktgeschäfte machen wolle – außer vielleicht bei zwei Großkunden.

Eine Überraschung ist der Fokus auf Managed Services bei Cisco freilich nicht. Die gesamte IT-Branche scheint sich in diese Richtung zu transformieren. Man hat bisweilen den Eindruck, dass vor lauter Cloud, SaaS und Consumptional IT die Hardware und mit ihr die Distributoren gar keine Rolle mehr spielen würden. Ciscos Channel-Manager hat da eine klare Meinung, wie er im nachfolgenden Interview mit ICT CHANNEL darlegt.


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