Test: Backup-System Tandberg RDX

Band ohne Salat

29. Februar 2008, 20:02 Uhr | Andreas Stolzenberger | Kommentar(e)

Cartridges mit Festplatten sollen bei kleinen und mittelgroßen Unternehmen Tapes als Backup-Medium ablösen.

Bei Privatanwendern hat es sich längst etabliert, Sicherungskopien wichtiger Dateien auf externe USB-Festplatten zu speichern. Für Unternehmen ist diese Methode nur bedingt einsetzbar.

Die externen Gehäuse enthalten normale 3,5-Zoll-Desktop-Laufwerke, die sehr empfindlich auf Erschütterungen reagieren. Wesentlich einfacher lassen sich Tape-ähnliche Cartridges mit einem internen oder externen Laufwerk handhaben.

Das Tandberg-RDX besteht aus einem Laufwerk und einer Cartridge mit ähnlichen Ausmaßen wie bei einem LTO-1-HE-Bandlaufwerk. In der Cartridge steckt eine S-ATA-Notebook-Festplatte.

Gegen Stöße geschützt

Die Kassette hat dabei in etwa die Größe eines LTO-1-Bands – ist ein wenig länger und schmaler. Das erlaubt Tandberg, die Platte in der Cartridge auf Gummipuffern zu lagern und somit vor Erschütterungen zu schützen. Das RDX-Laufwerk müsste eigentlich Docking-Station heißen.

Die interne S-ATA-Variante nutzt dabei einen S-ATA-to-S-ATA-, das USB-Modell einen USB-to-S-ATA-Controller. Lediglich ein Motor für den Auswurf arbeitet als bewegliches Teil in der RDX-Aufnahme. Fällt das RDX-Laufwerk aus, kann der Verwalter die Cartridge zur Not direkt ein einen S-ATA- oder E-S-ATA-Port anhängen.

Schneller Plattenwechsel möglich

Die Vorteile des Systems liegen auf der Hand. Platten lassen sich sehr schnell wechseln, und es gibt keine Versionsprobleme. Bei LTO beispielsweise kann ein Laufwerk der Genearation 3 mit 400-GByte-Tapes die alten 100-GByte-Cartridges nur lesen.

Wenn in absehbarer Zukunft S-ATA-Platten mit 1000 GByte im 2,5-Zoll-Faktor auf den Markt kommen, kann Tandberg passende RDX-Cartridges anbieten. Das bestehende Laufwerk wird dann alte Kassetten mit 40 Gbyte genau so lesen und schreiben können wie 1000-GByte-Disks.

Network Computing unterzog ein externes USB- und ein internes-S-ATA-Laufwerk längerfristigen Tests. Zum Einsatz kamen dabei 40-, 120- und 160-GByte-Cartridges.

Alles ohne Treiber

Sowohl die USB- als auch die S-ATA-Version des RDX-Laufwerks melden sich beim Betriebssystem als ganz reguläres Wechselplattensystem an. Im Test kommen somit Windows- als auch Linux-Systeme ohne jegliche Treiber mit dem RDX klar.

Solange das Betriebssystem auf die Cartridge zugreift, bleiben das Medium gesperrt und der Eject-Knopf ohne Funktion. Tandberg formatiert die Disks ohne Partitionstabelle mit dem NTFS-Dateisystem.

Linux-Distributionen wie Ubuntu 7.10 haben damit ebenfalls kein Problem. Hier greift der Benutzer über den Fuse-Treiber NTFS-3G auf die Laufwerke zu. Wer möchte, kann natürlich eigene Partitionen und Dateisysteme einrichten. Für sicherheitsrelevante Daten offerieren sich hier beispielsweise Crypt-Dateisysteme und -Tools wie Truecrypt.

Als Disk-System arbeitet das RDX ohne Treiber mit jeder Backup-Anwendung, die Platten als Backup-Ziel unterstützt.

Windows-Tool liegt bei

Für Windows liefert Tandberg ein kleines Tool mit. Das erkennt die Firmware der Docking-Station und kann diese bei Bedarf updaten. Im Test arbeiten sowohl die USB- als auch die S-ATA-Version des RDX mit Durchsatzraten um die 13 MByte/s.

Damit liegt das Wechselsystem im Geschwindigkeitsbereich eines LTO-1-Bandlaufwerks. Die Cartridges erweisen sich als solide und widerstandsfähig und stecken diverse Stürze vom Bürotisch problemlos weg.

Lediglich auf einem der Testsysteme kommt es zu seltsamen Fehlern. Ein Ubuntu-64-Bit-Client mit einem AMD-X2-Board von MSI stürzt jedesmal ab, wenn das Test-Team eine Cartridge in das S-ATA-RDX eilegt. Der Absturz geht dabei dermaßen schnell vonstatten, dass es keine Log-Einträge zu diesem Problem gibt.

Mit dem USB-Laufwerk arbeitet die Maschine ohne Probleme. Da die Schwierigkeiten auf keinem anderen Rechner auftreten, vermutet Network Computing den Fehler im S-ATA-Treiber des 64-Bit-Ubuntu.

Der Preis des Laufwerks ist mit rund 180 Euro gering. Eine 160-GByte-Cartridge kostet aber so viel wie das Laufwerk selbst. Direkt gegeneinander gerechnet ist eine 1-TByte-Ausstattung mit RDX-Laufwerk und sechs 160 GByte Cartridges in etwa genau so teuer wie ein LTO-1-Laufwerk mit 10 Tapes.


Fazit

Das RDX eignet sich als schnelles und sehr einfaches Backup-System für Installationen mit zu sichernden Datenbeständen um die 300 GByte. Mit künftigen Cartridge-Generationen wird sich das System auch für größere Sicherungsaufgaben empfehlen.


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