Systemhaus Medialine übernimmt GID

Dell-Titanen schließen sich zusammen

17. Januar 2023, 13:38 Uhr | Martin Fryba
Medialine
Nächster Zukauf bei Medialine: Rund 30 Mitarbeiter des Dell-Titanium-Partners GID arbeiten jetzt unter einem Systemhausdach.
© Medialine

Bald 500 Mitarbeiter, starkes Managed- und Cloudgeschäft und nun stößt mit GID ein Systemhaus mit viel Storage- und Hyperkonverged-Expertise zur Medialine-Gruppe. CEO Martin Hörhammer sticht reine Finanzinvestoren aus, verfolgt aber eine nicht minder ehrgeizige Wachstumsstory.

Man kann mit reichlich vorhandenem Private Equity-Kapital Systemhäuser wie Sportautos einkaufen und unter ein Dach stellen. Man kann als Systemhaus sehr selektiv dort zukaufen, wo man in noch nicht beackertem Gelände ein Spezialfahrzeug braucht. Letzteres ist die Strategie von Medialine-Chef Martin Hörhammer. Nicht sammeln, sondern ergänzen. Dann muss man das schnell daher gesagte Wort von den Synergien nicht einfach so einwerfen, sondern kann es auch plausibel erklären. Hier das starke Geschäft mit Cloud in allen Varianten sowie Managed Services, dort bei Global Information Distribution (GID) Datenmanagement, Storage, Hyerkonvergenz und Security. „GID und Medialine: Das passt“, erläutert Hörhammer. Wie die Faust aufs Auge, könnte man ergänzen.

Bei Dell noch mehr Gehör
Denn den herausgehobenen Partner-Status Titanium bei Dell haben beide IT-Häuser. „Wir hoffen, dass wir bei Dell eine noch höhere Aufmerksamkeit gewinnen können“, sagt Stefan Hörhammer. Er sitzt bereits im Partnerbeirat des texanischen Herstellers, mit dem allein die Medialine zuletzt rund 50 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht hat. GID mit seinen 30 Mitarbeitern in Köln und Augsburg kommt auf einen Umsatzanteil von 70 Prozent mit Hersteller Dell. Die vereinten Titanen werden wohl bald damit rechnen können, dass Michael Dell mit ihnen zu Abend speisen wird, wenn er wieder einmal in Deutschland ist.

Zumal Medialine mit einer klaren Wachstumsstrategie aufwarten kann und die Marke von 500 Mitarbeitern in der Gruppe noch in diesem Jahr knacken wird, ist sich Martin Hörhammer sicher. Auch ohne Zukäufe hat sein Systemhaus im vergangenen Jahr 70 neue Mitarbeiter eingestellt. „Wir wachsen organisch- und anorganisch gleichermaßen“, so der CEO. Nicht im Rekordtempo, wie mancher VC in einem stark wachsenden IT-Dienstleistungsmarkt einkauft, als gäbe es kein Morgen. Hörhammer kennt seine Branche bestens, und er kennt auch gescheiterte Wachstumsambitionen mancher Branchenkollegen, die sich wieder verkleinern mussten.

360 Grad-IT ein gutes Stück nähergekommen
Warum? Weil die Fokussierung fehlte und sie nicht Schritt halten konnten mit dem sehr komplex gewordenen Aufbau von IT-Infrastrukturen im Cloud-Zeitalter, für die man Experten-Know-how zwingend braucht, will man Kunden-ITs sicher, in souveränen Private Clouds und vor allem bezahlbar orchestrieren. Ein Dienstleister mit 360 Grad IT aus einer Hand, so hatte er die Medialine vor einigen Jahren schon positioniert. Er kommt mit der GID dem Vollkreis einen großen Schritt näher.

Die Gesellschafter der fast vor 30 Jahren gegründeten GID suchten eine Nachfolge und vor allem langfristige Sicherheit für ihre Mitarbeiter. Reine Finanzinvestoren kamen für sie nicht in Frage. Die hohe Mitarbeiterbindung wollten sie nicht aufs Spiel setzen, Spekulationen über Exitstrategien des Rendite suchenden Kapitals erst gar nicht aufkommen lassen. Den Titanium-Partnerstatus vergibt Dell nicht einfach so. Mitarbeiter müssen sich ihn in vielen Zertifizierungen erarbeiten. „Das haben wir in sechs Jahren geschafft“, sagt GID-Geschäftsführer Friedrich Förster. Er bleibt an Bord, ebenso wie CFO Rainer Kempf und David Heissler. Der Systemintegrator bleibt innerhalb der Medialine-Gruppe eigenständig, am Firmennamen wird nicht gerüttelt. Ein Zeichen der Kontinuität und ein Signal für ein erweitertes Leistungsportfolio sollen an die Kunden aus der Industrie und Behörden ausgehen. Eine thematisch breiter aufgestellte Systemhaus-Gruppe soll auch attraktiver „im War of Talents“ die besten Köpfe anziehen, so Stefan Hörhammer. Die bundesweite Abdeckung wird komplettiert und vor allem in NRW ist Medialine/GID nun durchaus eine Hausnummer.

Dealmaker im eigenen Haus
Die Expansion ist damit aber noch nicht abgeschlossen. Schließlich leistet sich Medialine einen dezidierten Mann für die M&A-Beobachtung. „Dealmaker“ bei der Causa GID war Jürgen Paasche, der seit über 30 Jahren im Systemhaus-Markt unterwegs ist – unter anderem bei Computercenter und Cema (von Netgo übernommen). Der soll schließlich nicht beschäftigungslos „Targets“ nur beobachten, sondern einfädeln und zuschlagen. Der Tipp GID erreichte ihn per Telefon auf der Autobahn. Er nimmt den Brüdern Hörhammer viel Arbeit ab, „denn ich weiß genau, was zu Medialine passt“, sagt er.

Neben den technologischen Themenfeldern und den Herstellerverbindungen müssten nämlich auch die Firmenkulturen passen, so Martin Hörhammer. Und die scheinen gut zu harmonieren: „Die Teams wollen loslegen und fragen immer wieder, wann denn nun der Zusammenschluss öffentlich bekannt gegeben wird“. Am Dienstag um 11 Uhr war es so weit, als Hörhammer gegenüber ICT CHANNEL die Katze aus dem Sack lies.


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