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Thomas Meier von HPE

»Der Trend geht klar Richtung Storage-as-a-Service«

28. Mai 2021, 10:49 Uhr   |  Selina Doulah | Kommentar(e)

»Der Trend geht klar Richtung Storage-as-a-Service«
© HPE

Thomas Meier, Chief Technologist bei Hewlett Packard Enterprise

Thomas Meier, Chief Technologist, Data Practice bei Hewlett Packard Enterprise im Interview mit ICT CHANNEL.

Thomas Meier, Chief Technologist, Data Practice bei Hewlett Packard Enterprise, sieht viele Chancen für den Channel im Storage-Segment. Die Stärken der Partner – von der Kundennähe über den Service bis hin zur dauerhaften Begleitung des Kunden – werden das Geschäft weiter antreiben, so seine Prognose im Interview mit ICT CHANNEL.

ICT CHANNEL: Herr Meier, welche Themen treiben derzeit die Nachfrage nach Storage-Lösungen am stärksten an?


Thomas Meier: Die Nachfrage nach Storage-Lösungen verändert sich radikal. IT-Lösungen wie OLTP, ERP/CRM, Backup und Home Directory Storage wachsen nach wie vor, werden aber bei Weitem durch das Wachstum maschinell erzeugter Daten überholt. Neue Anwendungen und Workloads wie dezentrale IT-Lösungen, IoT-Datenanalyse, Echtzeit-Inferenz, Big-Data-Anwendungen und Künstliche Intelligenz verändern die Nachfrage grundlegend. Hinzu kommt, dass Kunden Storage nicht mehr kaufen, sondern als Service konsumieren wollen, um agil und flexibel auf sich ändernde Geschäftsanforderungen reagieren zu können.

ICT CHANNEL: Welche Storage-Lösungen verkaufen sich im Zuge dieser Entwicklung besonders gut, welche weniger?


Meier: Je nach Applikation und Funktionsanforderung sind unterschiedliche Storage-Lösungen gefordert: Enterprise Storage für Mission-Critical-Anforderungen und für General-Purpose-Anwendungen verkauft sich sehr gut, wenn er sich durch höchste Verfügbarkeit, eine hohe Automatisierung, eine hohe IO-Performance bei durchgängig geringen Latenzen und einfaches Management auszeichnet. Systeme der neuesten Generation ermöglichen darüber hinaus durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Storage-System zum Beispiel »Was passiert, wenn?«-Szenarien, Vorhersagen von IO-Performance und Systemlast oder prädiktive Wartung. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die funktionale Unterstützung für den Einsatz in hybriden Storage-as-a-Service-Lösungen. Hier kommen Rest-API-Schnittstellen und insbesondere die neuesten Versionen des Container Storage Interface zum Einsatz.
Bedingt durch die neuen Anforderungen maschinell erzeugter Daten ist die Nachfrage nach hochautomatisierten Storage-Lösungen mit Scale-Out-Architektur sehr hoch. Je nach Applikation und Workload kommen unterschiedliche Software-definierte Storage-Lösungen auf Servern mit hoher IO-Perfor-mance oder Kapazitätsdichte zum Einsatz. Neben den üblichen Zugriffsprotokollen wie NFS und SMB hat sich mittlerweile S3 als »Quasistandard« für objektbasierten Speicher etabliert. Gesteuert durch die Nachfrage verkaufen sich diese Lösungen sehr gut. Auch hier geht der Trend klar in Richtung Storage-as-a-Service.

ICT CHANNEL: Wo sehen Sie hier die größten
Herausforderungen für den Channel?


Meier: Der alte Spruch: »Nichts ist so sicher wie die Veränderung« trifft es sehr gut. Der Trend zu hybriden Storage-as-a-Service-Lösungen mit unterschiedlichen, hochautomatisierten Ausprägungen für Block, File, Backup & Recovery und Archiv wird zunehmen. Neben den Storage-Schnittstellen von VMs werden sich Container-Lösungen mit dem Container Storage Interface (CSI) im Applikations- und Datenanalyse-Bereich etablieren. Die Erfüllung von Compliance-Anforderungen, Datensouveränität und Datensicherheit wird immer wichtiger werden. Die Herausforderung wird sein, hier einen Partner im Herstellerbereich zu finden, der entsprechende Storage-as-a-Service-Lösungen und Channel-Programme mit seinen Partnern erfolgreich umsetzen kann. Hierin liegt auch eine große Chance, neue Felder wie datenzentrische Architekturen und entsprechende Services zu planen, aufzubauen und zu betreiben.

ICT CHANNEL: Und wie wirkt sich die anhaltende Corona-Krise auf Ihr Geschäft und die Geschäfte Ihrer Partner aus?

 
Meier: Die Corona-Krise hat in einigen Bereichen als Beschleuniger bei der Umsetzung von IT-Projekten gewirkt. Insbesondere die virtuelle Desktop-Infrastruktur (VDI) ist auf Grund der Heimarbeitsplätze stark gewachsen. Virtuelle Konferenzen haben sich etabliert und die Last auf die jeweilige Netzwerkinfrastruktur steigt. WLANs sind unter Dampf und 5G nimmt Fahrt auf. Dank KI und Analytics wachsen die Data Lakes und werden zu Data Oceans. In anderen Bereichen haben sich Investitionen und Projekte verschoben. Es bleibt spannend.

ICT CHANNEL: Und welche Trends lassen sich für die Zeit nach der Krise prognostizieren?


Meier: Wie nach jeder Krise werden sich neue Trends entwickeln. Die Themen Heimarbeit und virtuelle Konferenzen haben gezeigt, was technisch möglich ist und das wird sich weiterhin in unserem Alltag verfestigen. Dezentrale IT-Infrastrukturen werden zunehmen und das Thema KI löst das Thema Cloud als Topthema der CIOs ab. Aus Cloud First wird AI First werden.

ICT CHANNEL: Immer mehr Unternehmen migrieren in die Cloud – ein Trend, den Corona noch verstärkt hat. Allerdings landen viele Workloads bei Hyperscalern. Wie kann der Channel darauf reagieren?


Meier: Die meisten Workloads landen eindeutig in der Private Cloud. Das hat eine Umfrage ergeben, die wir vor Kurzem mit dem Marktforschungsunternehmen YouGov unter 827 Führungskräften in Deutschland durchgeführt haben. Die Hälfte der Befragten setzt ausschließlich oder vorwiegend auf Private Clouds. Nur ein Siebtel setzt ausschließlich oder vorwiegend auf das Public-Cloud-Modell. Ein Viertel der Firmen setzt etwa zu gleichen Teilen auf Private und Public Cloud.
Das sind gute Bedingungen für den Channel. Er kann und muss sich durch seine lokale Kundennähe als Berater für innovative hybride Ansätze und Servicekonzepte etablieren und die Kunden vom Erstgespräch zu den Geschäftsanforderungen über die Planung und Umsetzung der IT-Lösung bis zu deren Betrieb unterstützen.

ICT CHANNEL: Betrachtet man das dritte Quartal 2020 im Storage-Markt, sieht man, dass der Marktumsatz von externen Speichersystemen leicht gesunken ist. Wie kann man in diesem Geschäft noch Geld verdienen?


Meier: Unternehmen werden mit innovativen, intelligenten, hoch performanten Speichersystemen weiterhin Geld verdienen. Das Datenwachstum, die Echtzeit-Anforderungen bei Entscheidungen und Trillionen von Transaktionen sind vorhanden und der Bedarf bleibt bestehen. Ergänzt um Services für datenzentrische Anwendungen und As-a-Service-Konzepte für hybride Datenplattformen werden Unternehmen weiterhin erfolgreich sein können.

ICT CHANNEL: Die Nachfrage nach Service und Beratung wächst also für Storage-Lösungen?


Meier: Die Nachfrage nach Services und Beratung im Kontext der neuen datenzentrischen Anwendungen ist hoch. Typische Themen sind Automatisierung und Integrationsservices für VM-, Container- und Applikations-Umgebungen, datenzentrische Architekturen für KI-basierte Datenanalyse bis hin zum Aufbau von Daten-Monetarisierungs-Plattformen. Auf Grund der limitierten Experten auf diesem Gebiet sehe ich auch keine mittelfristige Veränderung.

ICT CHANNEL: Sie erwähnten bereits: Es zeichnet sich ein Trend zu Hybrid-Lösungen ab. Welche Vorteile und auch Herausforderungen bringt dieses Modell mit sich?


Meier: Ich würde es einen Trend zu hybriden datenzentrischen Architekturen nennen. Die Vorteile sind der vereinfachte, universelle Zugriff auf Daten, die Daten-Workload-Unabhängigkeit, eine einheitliche Datensicherheitsstrategie, eine durchgängige Mandantenfähigkeit und, falls notwendig, eine vereinfachte Datenportabilität. Egal, ob in der Fabrik, im Rechenzentrum oder in einer oder mehreren Public Clouds: Der Zugriff auf die Daten erfolgt über Standardprotokolle und die Sicherheit wird durch starke, einmalige Authentifizierungsmechanismen sichergestellt. Wichtig ist, dass von Anfang an bei der Analyse und Planung der Fokus auf die Produktionsdatenplatt- form mit offenen Standardschnittstellen gelegt wird.

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