Notfallpläne bei Stromknappheit

Kleinere Rechenzentren vom Blackout bedroht

15. September 2022, 12:43 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)
Vertiv bietet IT-Infrastruktur für das Rechenzentrum
© Vertiv

Sollte es eine Stromknappheit im Winter geben, würden laut Bitkom nur größere Rechenzentren weiter mit Strom versorgt. Kleinere Datacenter sind aktuell nicht in den Notfallplänen für Strompriorisierung aufgenommen. Sie betreiben aber ebenso systemrelevante IT wie die großen.

Kaum vorstellbar, aber dennoch nicht ausgeschlossen ist eine Stromrationierung im kommenden Winter. Jedenfalls arbeitet die Bundesregierung an solchen Notfallplänen und erstellt Priorisierungen, welche Unternehmen systemrelevant und damit von Stromrationierungen ausgeschlossen sind, sollte es zu einer Verknappung von Strom kommen. „Die Betreiber von Rechenzentren sind enorm von zu befürchtenden Stromengpässen im Winter bedroht“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Bereits jetzt seien die Dieseltanks zur Notstromversorgung „bei den meisten maximal gefüllt“, stellt er fest. Aber kritisch wird es für kleinere Hoster. Die aktuellen Krisenpläne  sehen vor, dass lediglich größere Rechenzentren mit einer jährlichen Anschlussleistung von mehr als 3,5 Megawatt pro Jahr berücksichtigt und weiter mit Strom beliefert werden, sollte es zu Zuteilungen kommen müssen.

Der Bitkom hält das Kriterium für zu kurz gesprungen. „Es gibt auch kleinere Rechenzentren, die systemrelevante IT betreiben. Die Größe allein darf nicht dafür ausschlaggebend sein, ob ein Rechenzentrum bei der Aufstellung von Notfallplänen berücksichtigt wird“, sagt Rohleder.  Dieser Umstand müsse bei den Planungen für Herbst und Winter eine Rolle spielen, mahnt Rohleder. „Rechenzentren und Telekommunikationsnetze sind das Rückgrat der Digitalisierung in Deutschland.“

Laut Bitkom gibt es in Deutschland rund 3.000 Rechenzentren mit mehr als 40 kW IT-Anschlussleistung und mindestens 10 Server-Racks. Hinzu kommen rund  47.000 kleinere IT-Installationen. Der Strombedarf der Rechenzentren in Deutschland liege derzeit bei 16 Milliarden Kilowattstunden im Jahr – bis 2030 dürfte der Bedarfszuwachs jährlich zwischen 3,5 und 5 Prozent betragen, wie die vom Borderstep Institut durchgeführte Bitkom-Studie „Rechenzentren in Deutschland“ ergeben hat.


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