Schwerpunkte

Rechtsanspruch auf Heimarbeit

Mindestens 24 Tage Homeoffice pro Jahr

05. Oktober 2020, 08:35 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)


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Arbeitgeber wollen kein verbrieftes Recht auf Home Office

Kritik kam unterdessen aus der Wirtschaft. Wo es möglich ist, böten die Arbeitgeber schon heute die Möglichkeit an, von zu Hause zu arbeiten, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der Deutschen Presse-Agentur. »24 Tage Homeoffice - rechtlich verbrieft - gehen an dieser Realität vorbei und sind völlig aus der Luft gegriffen. Weder orientiert sich das an den Möglichkeiten der Unternehmen, noch an den Bedürfnissen der Beschäftigten.« Mittelstandspräsident Mario Ohoven sagte, Homeoffice habe sich in der Krise zwar bewährt. »Aber in der Zeit danach darf die Erholung der Wirtschaft nicht durch steigende Arbeitskosten und zusätzliche Bürokratie gefährdet werden. Deshalb sagen wir Nein zu einem generellen Recht auf Homeoffice.« Nötig sei vielmehr eine freiwillige Übereinkunft.

FDP-Arbeitsmarktexperte Johannes Vogel kritisierte, dass Heil das Arbeitszeitgesetz offensichtlich überhaupt nicht anfassen wolle. »Gerade dieses Gesetz ist aber völlig aus der Zeit gefallen. Wir bräuchten jetzt dringend mehr Freiheit, wo und wann man arbeitet«, sagte Vogel.

Auch der Koalitionspartner äußerte Bedenken. »In vielen Berufen ist ein Arbeiten von Zuhause aber schon rein faktisch nicht möglich«, sagte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Peter Weiß (CDU). »Deshalb kann es einen echten allgemeinen Rechtsanspruch auf Homeoffice nicht geben, weil sonst die Arbeitnehmerschaft in zwei Klassen aufgeteilt würde.« CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte dem »Münchner Merkur«, wichtiger als ein Recht auf Homeoffice sei mehr Flexibilität. »Wir wollen deshalb weg vom 8-Stunden-Tag hin zur Flexi-Woche mit einer Wochenhöchstarbeitszeit.« Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich bereits im Mai dagegen gewandt, einen Rechtsanspruch auf Homeoffice festzulegen. »Wir brauchen vor allem weniger Bürokratie, nicht immer neue staatliche Garantien«, hatte er der dpa gesagt.

Heil wies Kritik zurück. »Der Koalitionsvertrag sagt, wir sollen mobiles Arbeiten ermöglichen und übrigens auch die Beschäftigten besser absichern«, sagte er in der ZDF-Sendung »Berlin direkt« am Sonntagabend. Der Minister möchte die 24 Tage als Untergrenze verstanden wissen. Arbeitnehmer und Arbeitgeber könnten sich darüber hinaus individuell in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen auf mehr Heimarbeit verständigen. »Alle Beschäftigten bekommen das Recht, mit ihrem Chef über mobiles Arbeiten zu verhandeln«, sagte Heil der »BamS«. Im ZDF ergänzte er, auch eine Arzthelferin könne zumidest teilweise von zu Hause arbeiten und etwa Abrechnungen machen.

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