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Network-Computing-Test: Fibre-Channel-Storage-Systeme für Einsteiger

8. Oktober 2008, 13:31 Uhr | Andreas Stolzenberger | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Clariion Ultralite: AX4

Der Testsieger: das Clariion AX4 von EMC.
Der Testsieger: das Clariion AX4 von EMC.

Die kleinste aller Clariions fasst in der Grundausstattung zwölf Laufwerke, lässt sich jedoch mit zusätzlichen SAS-JBODs bis auf 60 Drives ausbauen. Das Enclosure fasst SAS und S-ATA-Laufwerke, die der Anwender auch nach Belieben mischen kann.

So können mehrere Tiers, mit schnellen 146-GByte-SAS- und geräumigen, aber langsamen 750-GByte-S-ATA-Drives in einem Gehäuse parallel arbeiten. Zum SAN hin stellt die AX4 insgesamt vier 4-GBit/s-FC-Ports zur Verfügung, die im Active-Active-Failover-Modus arbeiten.

Die AX4 liefert EMC entweder mit FC- oder mit iSCSI-Ports. Das System kann jedoch nie beide SANs parallel adressieren. Im Inneren der Box arbeitet EMCs Flare-Betriebssystem, das auf einem stark abgespeckten Windows-Kern basiert. Dem Betriebssystem stehen 2 GByte Cache-Speicher zur Seite. Auch das Entry-Level-System liefert EMC mit USV-Modulen (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) aus, um Datenverluste durch Stromausfälle zu verhindern.

Für den Test entsandte EMC ein System mit vier 146-GByte-, sechs 300-GByte-SAS- und zwei 750-GByte-S-ATA-Laufwerken. Diese in der Praxis eher unübliche Konfiguration soll die flexible Konfigurierbarkeit des Systems demonstrieren.

Die ersten vier 146er-Laufwerke arbeiten zwangsweise im Raid-5-Verband und enthalten in reservierten Bereichen das Betriebssystem. Dem Anwender stehen vier mal 133 GByte für eigene Arrays zur Verfügung, welche er sinnvollerweise zu einem Raid-5-Verband kombiniert.

Trotz gemischter Konfiguration lässt sich ein Global-Spare-Drive für alle Arrays deklarieren. Im Test-Setup stellt Network Computing hierfür eines der 300-GByte-Drives ab. Die verbleibenden fünf arbeiten als schnelles Raid-5-Array, die zwei S-ATA-Laufwerke als Raid-1-Spiegel.

Anders als bei den größeren Systemen setzt EMC bei der AX4 auf ein integriertes Web-Management anstelle einer externen Verwaltungs-Applikation. Das Web-GUI überrascht den Verwalter durch seine Schlichtheit ohne Java, Ajax oder sonstige moderne Web-Effekte.

Auf den ersten Blick wirken die Dialoge wie das Web-Management eines günstigen Taiwan-Routers von 2001. EMC bezeichnet »Navisphere Express« denn auch scherzhaft als »Web 3.0, Back to the Roots«.

Im Alltagsbetrieb zeigen sich dann die Stärken der minimalistischen und anfangs ungewohnten Oberfläche. Das GUI bleibt simpel und dennoch übersichtlich und funktioniert vor allem sehr schnell. Die LUN-Deklaration erledigt die AX4 nur Offline. Erstellt der Administrator ein Volume auf einem Raid-5-Array, muss er die Initialisierung abwarten, bevor er das Drive nutzen kann.

Im Lieferumfang des AX4 findet der Anwender EMCs Multipathing-Software. Diese ist nicht zwingend vonnöten, da viele der modernen Systeme wie Vmware oder Linux bereits mit dem Basis-FC-Treiber die Multipathing-Option (MPIO) unterstützen.

Je nach lizensierten Features beherrscht die AX4 eine Reihe von simplen SAN-Funktionen. Dazu zählen die bekannten Snapshots oder eine SAN-Copy-Option, die LUNs von einer Clariion auf eine andere verschieben kann. Das Snapshot-Tool ist in der vorliegenden Konfiguration enthalten.

Bei der rohen Durchsatz-Performance schneidet die AX4 mit rund 230 MByte/s auf dem 5-Platten-SAS-Array erwartungsgemäß langsamer ab als der Boy von Nexsan. Dieser nutzt jedoch ein 7-Platten-Array für den Test und muss damit zwangsweise schneller arbeiten.

Der S-ATA-Spiegel in der AX4 bringt es nur auf 60 MByte/s – aber wesentlich schneller kann ein simpler ATA-Spiegel gar nicht arbeiten. Bei der I/O-Performance liegt das EMC-System mit rund 18000 IO/s pro Sekunde im Mittelfeld.

Die AX4 ist ein sehr gutes Allrounder-Modell für Einsteiger. Sie eignet sich für Random-Access-Applikationen ebenso wie für Dienste mit großen Blöcken, etwa Vmware. Das System ist aber in keiner dieser Disziplinen der Performance-Sieger.

Die flexible Konfiguration mit SAS und S-ATA erlaubt dem Anwender, die Konfiguration den eigenen Bedürfnissen bestmöglich anzupassen. Damit erhält die AX4 im Test die Referenz-Bewertung, denn auch der Preis der Lösung ist sehr gut.

Als Tüpfelchen auf dem »i« würde sich der Anwender hier nur noch wünschen, dass die AX4 parallel iSCSI- und FC-Ports zur Verfügung stellt. Ein iSCSI-SAN könnte hierbei einen kostengünstigen Ausfallpfad stellen, so dass der Verwalter kein redundantes FC-SAN aufstellen muss.


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