Test: Virtuelle Bandbibliothek von Falconstor

Network-Computing-Test: Virtual-Tape-Library »Falconstor VTL 5.0«

10. November 2008, 10:21 Uhr | Andreas Stolzenberger | Kommentar(e)
Alles im Blick: Die Steuerkonsole von Falconstor VTL 5.0

Über Fibre-Channel und iSCSI simuliert die Speichersoftware »Falconstor VTL 5.0« große Bandbibliotheken mit mehreren Laufwerken und hunderten von Slots. Die Daten landen jedoch auf Platten.

Auf Network Computing Online haben wir im Online-Lablog bereits die ersten Testeindrücke der Falconstor VTL veröffentlicht (siehe den entsprechenden Beitrag). Für den ausführlichen Test hat das Laborteam die Software erst einmal auf einen neuen PC portiert (siehe unseren Bericht), der über mehrere SCSI-Ports physische Tapes anspricht.

Die grundlegende Funktion der Falconstor VTL ist schnell erklärt: Die Software simuliert Bandbibliotheken, auf die Server über ein Fibre-Channel-- und iSCSI-SAN (Storage Area Network) zugreifen können. Die virtuellen Tapes landen dabei als Dateien auf den per FC angebundenen Backend-LUNs (Logical Unit Numbers).

Die Simulation ist dabei nahezu perfekt. Die verbundenen Maschinen können ein Original nicht von der Simulation unterscheiden. Das geht so weit, dass der Verwalter manuell die Firmware-Version eines virtuellen Drives angeben kann, falls eine besondere Backup-Software per Inquiry eine bestimmte Version fordern sollte.

Thin-Provisioning spart Platz

Virtuelle Tapes belegen nicht von Haus aus den kompletten Speicher. Die VTL nutzt Thin-Provisioning und erweitert die Tapes je nach Bedarf. Zudem setzt die Software eine Kompression ein, die effizienter arbeitet als die Hardware-Kompression der physischen Laufwerke.

Daher muss der Verwalter die virtuellen Bänder ein paar GByte kleiner anlegen, möchte er sie später komplett auf ein physisches Band auslagern. Für virtuelle LTO-2-Cartridges empfiehlt das Programm eine maximale Kapazität von 170 GByte statt der möglichen 200 GByte.

FC-Arrays für das Backend

Die von Network Computing getestete Standalone-Version 5 der VTL (Virtual Tape Library) nutzt als Speicher für die virtuellen Tapes FC-LUNs. Im Server eingebaute Platten kann das Programm nicht ansprechen.

Falconstor offeriert eine andere VTL-Version für Appliances mit lokalem Speicher. Diese beherrscht auch Deduplication, basiert im Kern momentan jedoch auf einer älteren Version des VTL-Codes.

Die erste der VTL zugewiesene FC-LUN des Backends erhält zunächst die VTL-Datenbank. Diese sichert die Konfiguration von Software, Tapes, Drives und Libraries. Zur verbesserten Sicherheit kann der Verwalter die Datenbank auf eine weitere LUN spiegeln.

Den Rest der LUNs verwaltet Falconstor für die virtuellen Tapes. Die VTL nutzt dabei kein Dateisystem, sondern spricht die Platten mit direkter Blockadressierung an. Das führt allerdings dazu, dass Tapes mit Thin-Provisioning sich auf einer LUN verteilen und die Blöcke nicht sequenziell aneinander hängen. Das sollte die Performance jedoch nicht wesentlich beeinträchtigen.

Zeit- oder ereignisgesteuerte Replizierung

Die virtuellen Tapes lassen sich asynchron spiegeln. Die Replizierung arbeitet nach einem Zeitschema oder eventbasiert. Hier kann der Administrator vorgeben, dass eine Replizierung startet, wenn sich eine vordefinierte Speichermenge auf dem Quellband ändert.

Die Replizierung dient hauptsächlich dazu, virtuelle Bänder von einem VTL-System zu einem anderen zu übertragen. So kann ein Unternehmen seine physischen Bandbibliotheken zentralisieren. Die Filialen beispielsweise sichern ihre Daten in lokale VTLs, welche die geänderten Daten zur Zentrale hochladen. Erst dort wandern sie auf physische Tapes.

Im erweiterten Test verbindet Network Computing einen physischen VS-80- und einen LTO-2-Streamer mit der virtuellen Bandbibliothek. Ohne Probleme lassen sich virtuelle Tapes auslagern oder bestehende, physische Bänder einlesen.

Je nachdem, wie viel die VTL gerade zu tun hat, kann das Einlesen der Bänder in die VTL jedoch ein paar Stunden in Anspruch nehmen.

Kleine Schwächen

Die längerfristige Prüfung der Software im Labor bringt ein paar kleine Schwächen von Falconstor VTL 5.0 ans Licht. So lassen sich physische Bänder nur direkt in VTLs importieren, und der Verwalter kann dabei auch nicht angeben, auf welchem der FC-Quellspeicher das neue virtuelle Band später liegt. Je nach Konfiguration wäre es wünschenswert, Bänder direkt die Ablage – den Vault – zu importieren.

Will der Administrator eine FC-LUN aus der Konfiguration entfernen, muss er manuell alle dort gesicherten Bänder auf einen anderen Datenträger replizieren. Die Replik wertet der Verwalter dann zum eigenständigen Band auf, löscht das Original und ersetzt es durch die Kopie.

Hier wäre eine Komfortfunktion wie »Datenträger leeren und alle Bänder auf andere LUNs verteilen« wünschenswert.

Fazit: Leistungsfähige Software für einen stolzen Preis

Die Falconstor VTL ist eine mächtige Software, die leider auch einen mächtigen Preis hat. Wenn der Verwalter jedoch berücksichtigt, dass er mit Hilfe der VTL mehrere physische Bibliotheken einsparen kann, erscheinen die 30.000 Euro Listenpreis wiederum vergleichsweise günstig.

Schade auch, dass es zwei unterschiedliche Versionen gibt, von der nur eine interne Laufwerke unterstützt. Eine günstige Entry-Level-Version der Software, mit einer Beschränkung auf wenige Libraries mit jeweils nur einem Laufwerk, wäre wünschenswert.


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