Datenmanagement-Plattform Aparavi

Storage-es-was-es-wolle-Haltung

2. Dezember 2022, 11:42 Uhr | Martin Fryba
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Gregor Bieler, CEO Europa und Gesellschafter beim Schweizer Datenmanagement-Spezialisten Aparavi, hofft, dass auch der Channel die Chancen erkennt, die im automatisieren Datenmanagement stecken.
© Aparavi

Typischer Kunde: 25 Jahre gewachsene IT, bis zu 50 TB Daten, Kostenpunkt: rund 300.000 Euro jährlich, davon 240.000 Euro Ausgaben für Datenmüll. Das müsste doch für jedes Systemhaus die Chance sein, Kunden eine Data-Waste-Rechnung aufzumachen. Was läuft da schief, Herr Bieler?

Zugegeben: Oben genannte Rechnung mag sich für manche Storage-Experten (Stichwort Storage Tiering) wie mit dem Holzhammer erstellt lesen. Wir haben daher konservativ gerechnet und die Zahlen am unteren Ende der Spannen genommen, die uns Gregor Bieler im Interview genannt hat. Bieler, CEO Europa und Gesellschafter beim Datenmanagement-Spezialisten Aparavi, untermauert mit noch einigen abstoßenden KPIs, die auf realen Kundenerfahrungen von Aparavi-Nutzern beruhen. 10.000 Doubletten von Mails mit teils großvolumigen Anhängen lägen in den Mail-Accounts von Unternehmen, 60 bis 80 Prozent des Gesamtdatenvolumens in Storage-Systemen seien unstrukturierte Daten, würde man diese „Dark Data“  identifizieren und mit gesetzlichen Auflagen wie DSGVO oder Aufbewahrungsfristen abgleichen, und zwar automatisiert, könne man diesen Datenberg ohne weiteres eliminieren und würde viel Storage und Geld sparen. „Big Data war gestern. Heute heißt es, sich vom teuren und teils riskanten Daten-Ballast zu befreien“, sagt Bieler.

Digitales „Rama dama“
Geld ist das eine. Risiko das andere, denn unstrukturierte Daten seien auch „tickende Zeitbomben“, wenn es sich etwa um Passwörter, Kundenlisten oder sonstige sensible Informationen handelt (siehe Seite 2), zählt Bieler auf. Käme noch ein Umweltaspekt hinzu, wenn Unternehmen endlich ein digitales „Rama dama“ angehen würden, wie man organisierte Aufräumarbeiten in Bayern nennt, der Heimat von Gregor Bieler. Datensparsamkeit ist gleich Ressourcenschutz: weniger Storage, weniger Blech, bzw. geringere Cloudressourcen, und somit weniger Stromverbrauch der eigenen IT oder in den Cloud-Rechenzentren.

Alles hängt miteinander zusammen, und mag der CO2-Fußabdruck eines einzelnen Storage-Systems auch unwesentlich erscheinen, so ist er es in Summe aller IT-Systeme ganz sicher nicht. In jedem ESG-Report macht sich eine mit Zahlen und Grafiken dargestellte Datensparsamkeit sehr gut.

Channel umarmt Aparavi noch nicht, dafür aber Storage-Hersteller
Und doch klingt Bieler, dem keiner so schnell seine stets optimistische Haltung vermiesen kann, ein wenig ernüchtert, fast geradezu enttäuscht. „Das Problembewusstsein für ESG steigt, auch für Lean-Data-Konzepte. Aber es ist nicht so, dass Partner das Thema umarmen würden“, zieht Bieler ein Zwischenfazit seiner rund 18 monatigen Tätigkeit bei Aparavi. Mit dem Channelvertrieb gehe es langsamer voran als Bieler sich das erhofft hatte. Die Umsetzungsgeschwindigkeit sei „sehr langsam“.

An mangelnden Kontakten kann es nicht liegen. Bieler war schließlich lange Jahre Kopf des Partner Business bei Microsoft und hat viele Systemhäuser bei der Transformation in die Microsoft-Cloud-Welt begleitet. Dennoch fliegt das Thema Datenmanagement-Plattform noch nicht in die vom Aparavi-CEO gewünschte Höhe. Flugbegleiter aus der Distribution sind noch nicht an Bord. „Aparavi ist noch nicht distributionsfähig“, sagt Bieler.

Data-Waste-Elimination-as-a-Service
Dafür aber haben Storage-Hersteller und Cloud-Anbieter das Thema für sich erkannt. Seagte, Storagecraft, Purestorage, VMWare und AWS sind bereits Technologiepartner von Aparavi und setzen die Datenmanagement-Plattform des Schweizer Unternehmens ein. Merkwürdig, dass gerade auch Hersteller von HDDs und SSDs sich dem Thema Datensparsamkeit verschreiben, wo sie doch an immer höheren Datenbergen und Storagekapazitäten prächtig verdienen? „Nicht wir sind auf sie zugegangen, sondern sie auf uns“. Und Bieler erklärt auch warum: Sie müssten sich – jenseits des Produktgeschäfts – „neu erfinden und suchen einen Ankerpunkt für die Zukunft“. Der liegt im Datenmanagement als Service und damit bei regelmäßigen Einnahmen mit „Data-Waste-Elimination-as-a-Service“, wenn man so will.

Neue Köpfe bei Aparavi
Auf eine Kosteneinsparkalkulation á la Holzhammer allein baut Bieler freilich nicht. Er vertraut auf die Überzeugungskraft von Mensch und Marketing. Oliver Scheffert als neuem General Manager Europa holte Bieler von Microsoft. Und Aparavis seit diesem Mai neuer Marketing Direktor Christian Müller soll die „Data-Intelligence- & Automation-Plattform“ und Themen rund um automatisiertes Data-Lifecycle in griffige Botschaften umsetzen.

Würde Müller Anwenderkunden als Testimonials gewinnen, die sich durch eine schlecht vorbereitete Cloud-Migration ihrer Legacy-IT finanziell fast ruiniert hätten, könnte Aparavi vielleicht auch im Channel zum Höhenflug ansetzen.

 

 

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