Test: Storage-System Infortrend S16F-G1430

Test Direct-Attached-Storage: DAS ist fürs SAN

9. Juni 2008, 6:00 Uhr | Andreas Stolzenberger | Kommentar(e)

Das einfache Speichersubsystem Infortrend S16F-G1430 bringt ein oder mehrere Raid-Verbände zügig ins Speichernetzwerk. Die Ausstattung könnte allerdings etwas üppiger sein.

Das Kernelement aller Infortrend-Speicher ist der hauseigene eigene Raid-Controller mit 512 bis 2048 MByte Cache.

Seit längerem beherrschen die Eon-Stor-Geräte Raid 5 und 6. Zudem integriert der Hersteller eine Web-Management-Software namens SAN-Watch.

Für den Test bei Network Computing sandte Infortrend das Modell S16F-G1430. Das Gerät fasst 16 SAS- oder S-ATA-Platten und bindet diese über einen einzelnen FC-Controller mit vier 4-GBit/s-Ports an das SAN. Der Hersteller liefert das Subsystem ohne Platten und überlässt es dem Kunden oder Integrator, die Disks auszuwählen.

Festplatten von Seagate

Für den Tests setzt Network Computing elf Seagate-Laufwerke ST3300655SS ein. Die 300 GByte großen SAS-Platten arbeiten mit 15.000 Umdrehungen und liefern bei einer Zugriffszeit von nur 3,5 ms einen Datendurchsatz (sustained) von rund 120 MByte/s – damit gehören die Cheetahs der 5. Generation zu den schnellsten Laufwerken auf dem Markt.

Die Drives sind zügig in ihre Hot-Swap-Träger eingebaut. Das Gehäuse und das Backplane von Infortrend wirken solide, zuverlässig und verursachen im Verlauf des Tests keine Schwierigkeiten. An der Gehäuserückseite finden sich zwei Netzteile mit voluminösen Lüftern.

Diese schaffen auch bei erhöhter Raumtemperatur ein angenehmes Arbeitsklima für die schnellen Laufwerke. Zwischen den Netzteilen stecken der FC-Controller und die Blindabdeckung für einen optionalen zweiten Controller.

Web-GUI statt LCD-Display

An der Gehäusefront hat Infortrend ein zweizeiliges LC-Panel angebracht, das sich für den Plattenwechsel zur Seite klappen läßt. Ein paar winzige Tasten dienen als Eingabe. Doch über das LC-Panel wird kaum ein Administrator das System bedienen.

Über das LAN-Interface holt sich das S16G eine IP-Adresse vom DHCP-Server. Dann bekommt der Benutzer Zugriff auf das Web-GUI. Alternativ lässt sich auch über die serielle Schnittstelle das Speichergerät verwalten. Dieses Text-GUI steuert ebenfalls alle Funktionen des Systems und kann auch per Telnet aufgerufen werden.

Anfangs erscheint die Begriffsdefinition von Infortrend ungewöhnlich. Ein Raid-Array aus mehreren Platten bezeichnet der Hersteller als Logical-Drive (LD), ein Verband aus mehreren Logical-Drives heißt hier Logical-Volume (LV).

Die Partitionen eines LD oder LV weist der Verwalter später einzelnen Hosts zu. Hier wäre eigentlich den Begriff logical Volume zu erwarten – die Taiwaner nennen es Host-LUN.

Raid von Level 0 bis 6

LDs erstellt das S16G mit Raid-Leveln 0 bis 6 mit oder ohne Local-Spare. Bei mehreren Arrays empfiehlt sich ein Global-Spare-Drive. Der Eonstor-Controller erlaubt eine Online-Migration von Raid-5- zu Raid-6-Verbänden.

Letztere lassen sich dann auch im laufenden Betrieb mit zusätzlichen Platten erweitern. Die eigentlichen LUNs lagern physisch als Partitionen auf den LDs oder LVs. Dieses Prinzip erweist sich im laufenden Betrieb als unflexibel.

Sollte der Verwalter öfter LUNs löschen und ändern, bekommt er leere Bereiche zwischen benutzen Partitionen. Mehrere leere Bereiche lassen sich aber nicht zu einer neuen LUN zusammenführen.

Firmware-Update behebt Problem mit WWN-Filter

Der Host-LUN-Filter schränkt den Zugriff der Hosts ein. Der Verwalter weist hier ein oder mehrere FC-Client-Ports über ihren World-Wide-Name (WWN) den einzelnen Partitionen zu.

Im Test funktioniert das anfangs nicht, da Infortrend das Gerät mit einer veralteten Firmware ohne WWN-Filter anliefert. Erst ein FW-Update schafft abhilfe.

Fazit

Das S16F stellt sich als sehr Hardware-nahes, spartanisches FC-Subsystem dar, das eher an einen DAS als an einen SAN-Speicher erinnert. Es gibt keine SAN-Funktionen wie Snapshots, und auch die LUN-Deklaration und -Zuweisung erweisen sich als sehr rudimentär.

Einzelne Benchmarks bescheinigen dem Eonstor-Speicher hervorragende Transferraten deutlich über 200 MByte/s bei sequenziellen Schreib-/Leseaufgaben.

Random-Tests mit verschiedenen Blockgrößen an verschiedenen Stellen der Host-LUN fallen spürbar langsamer aus, da der simple Controller-Cache ungepufferte Zugriffe direkt zu den Disks schalten muss – im realen Betrieb tritt dieser Fall allerdings eher selten auf.

Das System eigent sich gut für kleinere Clusteraufgaben mit Vmware- oder Exchange-Servern, die sich dank der vier FC-Ports auch ohne FC-Switch anbinden lassen. Auch könnten Anwender mehrere Eon-Stor-Geräte über eine SAN-Management-Appliance von Datacore oder Falconstor als vollwertige SAN-Speicher verwalten.


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