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Lernen mit Einblick

Virtual-Reality-Pilotprojekt
© VR Business Club

Der VR Business Club und der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR) haben im Juli ein Virtual-Reality-Pilotprojekt durchgeführt. An drei bayerischen Realschulen hatten SchülerInnen Gelegenheit zu testen, wie Unterricht aussieht, wenn VR- und AR-Anwendungen zum Einsatz kommen.

Im Geschichtsunterricht durch den Kölner Dom schlendern, im Religionsunterricht nach den Originalen von Martin Luthers Bibelübersetzung suchen und im Biologie-Unterricht mal kurz beim Kniegelenk vorbeischauen: Nicht nur im industriellen Umfeld, auch in der Schule können VR- und AR-Anwendungen sinnvoll zum Einsatz kommen. So lassen sich im Schulalltag Wissen und Kompetenzen auf  diese besondere Art und Weise vermitteln. „Während der Corona-Pandemie haben alle namhaften Großkonzerne, aber auch viele mittelständische Unternehmen VR- und AR-Anwendungen als festen Bestandteil ihrer Unternehmensprozesse in den verschiedensten Bereichen etabliert“, erklärt Maren Courage, Geschäftsführerin des VR Business Clubs. Und gemeinsam mit dem Verband Deutscher
Realschullehrer (VDR) konnte im Juli „das deutschlandweit erste Pilotprojekt für VR/AR im Unterricht an Realschulen umgesetzt werden, um SchülerInnen spielerisch und mit tollen Inhalten zu zeigen, welche Potenziale in immersiven Technologien stecken und was für großartige Möglichkeiten des Lernens es bereits gibt“, so Courage weiter.

Ausgewählt waren drei bayerische Realschulen in Erlangen, Neunburg vorm Wald und Neu-Ulm Pfuhl. Alle drei Schulen haben „seit langen Jahren Erfahrungen im Umgang mit digitalen Medien und Inhalten“, so Bernd Bischoff gegenüber funkschau. Er ist RealschulKonrektor an der Gregor-von-Scherr-Schule in Neunburg und hat auf Schulseite das Projekt koordiniert sowie an seiner Schule durchgeführt. In allen drei Schulen seien die Lehrkräfte im Umgang mit digitalen Inhalten und Medien geschult und hätten keine Berührungsängste. Darüber hinaus seien die dortigen SchülerInnen sowie deren Eltern solchen Konzepten gegenüber aufgeschlossen. Und auch eine weitere nicht zu unterschätzende Rahmenbedingung sei an den drei Schulen gegeben: Es existiere eine funktionierende, belastbare und flächendeckende WLAN-Ausstattung, wie Bischoff weiter berichtet.

Erkundungen und Rhetoriktraining der besonderen Art

Für das Pilotprojekt erhielten die Klassen 7 bis 10 sowie Lehrkräfte VR-Brillen und ausgewählte VR- und AR-Anwendungen. Diese konnten sie eine Woche lang ausprobieren. Erfahrungen mit der Nutzung von VR-Brillen benötigten die SchülerInnen dabei nicht. So waren, wie Maren Courage gegenüber funkschau erläutert, die Inhalte auf der VR-Brille vorinstalliert. Die SchülerInnen brauchten nur ins Menü zu gehen und mit einem Klick öffnete sich der Inhalt. Für die AR-Anwendungen nutzten sie ihr eigenes Smartphone. Dabei konnte es vorkommen, dass an und für sich sinnvolle Familienbeschränkungen die Installation verhinderten, berichtet Bischoff. Doch auch in diesem Fall ließen sich die benötigten Apps innerhalb kürzester Zeit einsetzen.

Für das Pilotprojekt kamen mehrere Anwendungen zum Einsatz: Die SchülerInnen konnten unter anderem den Kölner Dom virtuell erforschen, die Wartburg besichtigen und den menschlichen Körper von innen erleben. Beim „Gang“ durch den Kölner Dom hatten sie beispielsweise Gelegenheit, verborgene Ecken kennenzulernen oder der Bildhauerwerkstatt einen Besuch abzustatten. Diese Anwendung kam laut Bischoff am besten an. So waren die Jugendlichen begeistert, „auch an Orte zu kommen, an die man als normaler Besucher nicht gelangen würde, also zum Beispiel in den Glockenturm, auf die Empore zum Organisten oder unter den Dachstuhl“.

Bei der Erkundung der Wartburg war ein interaktives Audio-Spiel zu absolvieren. Hierfür mussten Fragen beantwortet oder auch Geheimgänge entdeckt werden. Ziel des Spieles ist es, die originalen Übersetzungsschriften von Martin Luther zu finden. Das Projekt gehört zu einer Reihe „Unesco Weltkulturerbe“ des Rundfunkproduzenten Deutschen Welle.

Und auch der menschliche Körper ließ sich per VR und 3D-animierten Inhalten erforschen, zumindest Kniegelenk, Brustkorb, Herz und Nacken. BetrachterInnen schlüpfen dafür quasi in das ausgewählte Körperteil hinein. Und mit Röntgenblick lässt sich sehen, wie Knochen, Muskeln und Organe in Verbindung stehen. Während die beiden erstgenannten Anwendungen unter anderem für Fächer wie Geschichte oder Religion geeignet sind, ist die Erkundung des Körpers besonders interessant für den Biologie- oder den Sportunterricht. Doch auch Präsentations-Skills konnten die Jugendlichen per VR-Anwendung schulen – beziehungsweise mit „Easy Speech“. Dabei wird den NutzerInnen ein real aussehendes Publikum angezeigt, vor dem sie rhetorische Übungen oder eigene Präsentationen trainieren. Feedback gibt eine angebundene Künstlichen Intelligenz. Sie bewertet beispielsweise die Redegeschwindigkeit, Blickkontakte oder auch die Verwendung von Füllwörtern wie „also“, „ja“ oder „so“. Bernd Bischoff berichtet, dass die SchülerInnen „entgegen dem sonst üblichen Referatsvortrag mit VR-Brillen tatsächlich frei gesprochen haben“.


  1. Lernen mit Einblick
  2. Virtuelle Welten für jedes Fach?

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