Digitale Transformation bei Kriminellen

Die Bankräuber sterben aus

Banküberfall
© rosinka79 - AdobeStock

Einst Alltag, heutzutage ein Verbrechen mit Seltenheitswert: der Banküberfall. Doch das bedeutet nicht, dass das Finanzwesen sich heutzutage vor Gangstern in Sicherheit wiegen könnte - im Gegenteil. Die Verbrecher sind weniger gewalttätig geworden, aber klüger.

Bankräuber sind in Deutschland nahezu ausgestorben: Die Zahl der Überfälle auf Banken, Sparkassen und auch Postfilialen ist in den vergangenen drei Jahrzehnten um 95 Prozent gesunken. Im Jahr 1993 zählte das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden noch 1.623 Überfälle auf Geldinstitute und Poststellen, im vergangenen Jahr waren es lediglich 80, wie die Zeitreihen der Behörde zeigen.

2001 wurde die statistische Erfassung geändert, seither werden anstelle der Poststellen Überfälle auf Postfilialen und -agenturen gezählt, doch am Bild des starken Rückgangs ändert das nichts. Sowohl Polizei als auch Banken und Versicherer sehen mehrere Ursachen für das Phänomen.

1995 gab es noch fast 70.000 Bankfilialen in Deutschland, Ende vergangenen Jahres waren es laut Bundesbank noch gut 24.000. Bankräuber haben heute also weniger Auswahl als früher. Technischer Fortschritt und die abnehmende Bedeutung des Bargelds spielen ebenfalls eine Rolle: „Dazu gehört, dass Zahlgeschäfte heute vielfach automatisiert sind und die Zunahme der unbaren Bezahlverfahren zur Reduktion des Kassengeschäftes in der Filiale führt“, sagt eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV) in Berlin. Außerdem haben die Banken die Sicherheitsvorkehrungen stark verbessert.

So ist das Risiko für Bankräuber außerordentlich hoch, die Polizei klärte 2020 fast 80 Prozent der Überfälle auf, 2019 sogar über 90 Prozent. „Führen zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie beispielsweise geringe Bargeldbestände zu entsprechend niedrigen Beuteerwartungen, werden Raubdelikte in der Regel unter Risiko-Nutzen-Gesichtspunkten zu unattraktiven Straftaten“, erläutert eine Sprecherin des BKA.

Konjunktur unter Verbrechern haben stattdessen Geldautomatensprengungen und Cyberkriminalität. Letztere bietet aus Tätersicht auch den großen Vorteil, dass es keinen physischen Tatort gibt und Hackerangriffe fern der Heimat in jedem Land der Welt gestartet werden können.

„Die Gefahr, tatsächlich gefasst zu werden, ist im Internet häufig wesentlich geringer als bei einem Banküberfall“, sagt Rüdiger Kirsch, Betrugsexperte bei dem zur Allianz gehörenden Kreditversicherer Euler Hermes. „Die Cyberkriminellen müssen durch die vielen Möglichkeiten, die das Internet bietet, physisch keine Landesgrenze mehr überschreiten, sie müssen nicht einmal das Haus verlassen, um im Ausland im Netz eine Straftat zu begehen.“


  1. Die Bankräuber sterben aus
  2. Digitaler Raub statt Sprengung

Verwandte Artikel

Euler Hermes, dpa

Computerkriminalität

Marktforschung

Anbieterkompass