„Fokus, Fokus, Fokus“

Die Hintergründe der F-Secure-Teilabspaltung

13. Mai 2022, 13:00 Uhr | Stefan Adelmann | Kommentar(e)
Klaus Jetter, Regional Vice President bei F-Secure.
"Ja, der eine oder andere hat sich Sorgen gemacht. Aber es wird sich nichts ändern, keep cool", sagt Klaus Jetter, Vice President F-Secure DACH
© F-Secure

F-Secure hat eine Teilabspaltung angekündigt. Das Consumer-Geschäft wird im kommenden Juni ausgegliedert, der Business-Bereich hingegen unter neuer Marke weitergeführt. So wollen sich die Finnen stärker fokussieren und der ohnehin enormen Komplexität des Marktes entgegenwirken.

F-Secure plant die Abspaltung seines Endverbraucher-Geschäfts. Ende Juni 2022 will der finnische Security-Anbieter diesen Schritt gehen, anschließend soll der B2C-Bereich als „F-Secure Corporation“ gänzlich unabhängig agieren. Für das Geschäft mit Unternehmenskunden steht wiederum eine Umbenennung ins Haus. Nach der Abspaltung soll die Business-Sparte unter dem Namen „Withsecure Corporation“ firmieren. Das hatte das Unternehmen im vergangenen März angekündigt.

Es ist der abschließende Schritt einer langfristig geplanten Entwicklung. Bereits im vergangenen Jahr haben die Finnen die operativen Tätigkeiten in zwei Geschäftsbereiche überführt. Nun werden diese gänzlich getrennt – sofern die Aktionäre den Plänen zustimmen. Doch im Gespräch mit ICT CHANNEL unterstreicht Klaus Jetter, Vice President F-Secure DACH, dass es sich dabei lediglich um eine Formsache handle. Immerhin hätten vorab bereits mehrere Großaktionäre ihre Unterstützung signalisiert, sie kommen zusammen auf 50,6 Prozent der Aktien und Stimmen. Und da einer der Firmengründer allein 40 Prozent der Anteile hält, gibt es am Ausgang der Entscheidungsfindung wohl kaum Zweifel. „This train has already left the station“, zeigt sich Jetter fest überzeugt.

Klare Ausrichtung

Das Ziel der Spaltung: „Fokus, Fokus, Fokus“. Laut Jetter sei F-Secure stets für sein breites Portfolio bekannt gewesen. Der jetzige Schritt soll hingegen eine klare Ausrichtung auf die jeweilige Zielgruppe ermöglichen, auch, um der zunehmenden Komplexität des IT-Security-Bereichs entgegenzuwirken. So wird das Angebot überschaubarer, die Ziele klarer und Ressourcen lassen sich besser bündeln, mit dem erhofften Ergebnis, eine größere Agilität und eine bessere Positionierung im Markt zu gewinnen.

Risikolos sind ein so groß angelegter Demerger und die Umbenennung jedoch nicht. Immerhin ist F-Secure eine etablierte Marke, Withsecure muss dieses Renommee erst noch aufbauen. „Das ist natürlich eine Challenge“, sagt auch Jetter. Das Unternehmen blicke aber weiterhin auf 35 Jahre Erfahrung, eine enge Partnerbindung und man sei fest davon überzeugt, den neuen Brand innerhalb eines Jahres auf den bisherigen Stand bringen zu können. Auch zu diesem Zweck hat der IT-Security-Hersteller die Partner früh an Bord geholt, die Pläne – wenn auch noch unkonkret – erstmals im vergangenen Sommer angekündigt. Zweifel ließen sich dennoch nicht gänzlich vermeiden. „Ja, der eine oder andere hat sich Sorgen gemacht“, berichtet der Manager. „Aber es wird sich nichts ändern, keep cool.“ So gibt es laut Jetter keine neuen Verträge, keine neuen Ansprechpartner und da es nahezu keine Reseller und Systemhäuser gibt, die Produkte aus beiden Welten vertreiben, muss sich auch niemand plötzlich auf die Zusammenarbeit mit zwei Anbietern einstellen. Darüber hinaus führt der Hersteller auch sein Partnerprogramm unverändert weiter. Lediglich eine eigene MSP-Ausprägung soll kommen, um dem immer wichtiger werdenden Modell besser Rechnung tragen zu können. Das aber erst in Zukunft.

Neuer Name, aber alles beim Alten – zumindest im Vertrieb: „Wir stehen weiterhin für 100 Prozent Channel“, unterstreicht Jetter gegenüber ICT CHANNEL. Dazu gehört im Falle des finnischen Herstellers auch die direkte Bindung zu den Partnern ohne zwischengeschaltete Distribution. Zwar möchte der DACH-Chef eine mögliche Zusammenarbeit mit Grossisten für die Zukunft nicht gänzlich ausschließen, „wir schaffen das aber aktuell sehr gut aus eigener Kraft. Und wir sehen, dass viele Wettbewerber überdistributiert sind, das wirkt sich natürlich auch auf die Margensituation aus.“

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