Cybercrime-Studie

Die Pandemie als Brandbeschleuniger

9. November 2021, 16:48 Uhr | Anna Molder
© Amir Kaljikovic/Fotolia

Laut einer aktuellen Untersuchung von McAfee und FireEye haben die Cyberbedrohungen seit dem Beginn der Corona-Pandemie um 81 Prozent zugenommen.

McAfee Enterprise und FireEye haben die Studie „Cybercrime in a Pandemic World: The Impact of COVID-19“ vorgestellt, die den dringenden Bedarf an optimierten Cybersicherheitsarchitekturen vor Augen führt. Im Rahmen der Studie hat man 1.451 Entscheidungsträger weltweit befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass 81 Prozent der Unternehmen während der Pandemie vermehrt mit Cyberbedrohungen konfrontiert waren, wobei 56 Prozent Downtime aufgrund von Cybervorfällen erlebten. Das herannahende Weihnachtsgeschäft sowie die damit verbundenen Erwartungen der Verbraucher setzen Unternehmen, Angestellte und Lieferketten unter Druck und machen sie verwundbarer für Cyberangriffe.

In Deutschland erlebten mehr als die Hälfte der Befragten (65 Prozent) in ihrer Branche eine Zunahme der Cyberbedrohung seit Beginn der Corona-Pandemie. Dabei hatten 42 Prozent der deutschen Unternehmen mit Downtime durch Cyberrisiken zu kämpfen, drei Viertel davon zu Spitzenzeiten. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass mit 50 Prozent Zustimmung Phishing hierzulande als größte Bedrohung gilt.

Die höhere Ausgabebereitschaft der Verbraucher in der Vorweihnachtszeit führt auch zu einer steigenden Nachfrage, die sich wiederum auf einige Branchen stärker auswirkt als auf andere. 86 Prozent der untersuchten Unternehmen gehen von einem moderaten bis wesentlichen Anstieg der Nachfrage aus. Gleichzeitig sehen sich in diesem Jahr einige Sektoren der Wirtschaft mit einem ernsthaften Mangel konfrontiert: Es fehlt an Arbeitskräften und Transportkapazitäten. Eine solche potenziell geschwächte Infrastruktur stellt einen idealen Angriffsvektor für Cyberkriminelle dar. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, einen Plan zur Eindämmung von Cyberrisiken und möglichen Reaktionen aufzusetzen. Besonders gefährdet sind aktuell Branchen wie die Logistik. Laut dem BCI Supply Chain Resilience Report 2021 berichteten 27,8 Prozent der Unternehmen von mehr als 20 Unterbrechungen der Lieferkette im Jahr 2020. Für 2019 gaben lediglich 4,8 Prozent eine so hohe Zahl an. Auch der E-Commerce-Bereich und der Einzelhandel sind gefährdet. Laut Adobes „Digital Economy Index 2021“ werden die weltweiten Ausgaben im Weihnachtsgeschäft dieses Jahr um elf Prozent auf 910 Milliarden Dollar steigen. Gleichzeitig boomt der Online-Handel ohnehin und wird wieder Herausforderungen in der Logistik mit sich bringen. Damit ist die Branche so gefährdet wie noch nie. Das COVID-19-Dashboard von McAfee zeigt, dass der Einzelhandel weltweit 5,2 Prozent der insgesamt erkannten Cyberbedrohungen ausmacht. Besonders anfällig ist die Branche für kompromittierte Zahlungsdaten und andere Formen von Betrug und Diebstahl.

Auch in der Reisebranche sind Cyberbedrohungen nichts Neues. Aufgrund von Reisebeschränkungen befand sich diese Branche jedoch in einer Art Zwangspause. Nach Angaben der International Air Transport Association (IATA) belaufen sich die geschätzten Verluste durch Corona im Jahr 2020 auf 137,7 Milliarden Dollar, wobei die Gesamtverluste der Branche in den Jahren 2020 bis 2022 voraussichtlich 201 Milliarden Dollar erreichen werden. Da die Nachfrage nach Urlaubsreisen in den kommenden Monaten steigen wird, werden auch Cyberkriminelle nach Wegen suchen, den durch Arbeitskräftemangel, Lieferkettenprobleme sowie Reise- und Impfregelungen eingeschränkten Flugverkehr auf Schwachstellen zu untersuchen und diese für sich auszunutzen.

Während IT-Fachleute erkannt haben, dass sich die Bedrohungslage verschärft hat, räumten Unternehmen diesem Thema während der Pandemie nicht ausreichend Priorität ein, so die Interpretation der Studienergebnisse. Die Zahlen zeigen aber, dass dies notwendig wäre: 60 Prozent der Unternehmen verzeichneten eine Zunahme der Online-Aktivitäten. Außerdem mussten 33 Prozent ihre Technik- und Sicherheitsbudgets kürzen. Gleichzeitig hatten 56 Prozent aufgrund eines Cyberproblems mit Ausfallzeiten zu kämpfen, die mitunter über 100.000 Dollar kosteten.

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