Verschlüsselte Mobiltelefone geknackt

Mehrere Haftbefehle dank Encrochat-Daten erlassen

26. August 2022, 12:00 Uhr | dpa | Kommentar(e)
Verschlüsselung
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Encrochat bot Lösungen für Ende-zu-Ende verschlüsselte Endgeräte an und hat seinen Geschäftsbetrieb inzwischen aufgelöst. Die Polizei in Brandenburg konnte nun mehrere Straftäter überführen, die den Dienst noch nutzten.

Der Brandenburger Polizei sind mit den Daten verschlüsselter Mobiltelefone des Providers Encrochat nach eigenen Angaben Dutzende mutmaßliche Straftäter ins Netz gegangen. Bisher seien 78 Tatverdächtige ermittelt worden, 74 seien davon bereits identifiziert, vier noch nicht, sagte der Abteilungsleiter für organisierte Kriminalität beim Landeskriminalamt, Frank Adelsberger, am Donnerstag in Potsdam. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse hätten zu 42 vollstreckten Haftbefehlen geführt. 22 Verdächtige seien in erster Instanz verurteilt, davon seien 18 Nutzer des Encrochats. Die Haftstrafen lägen im Durchschnitt bei fünf Jahren und vier Monaten.

Encrochat wurde vor allem von Kriminellen genutzt. Der Dienst galt wegen seiner aufwendigen Verschlüsselung als nicht zu knacken. Der Polizei in den Niederlanden und Frankreich war es trotzdem gelungen, mehr als 20 Millionen geheime Nachrichten abzuschöpfen. Das ermöglichte auch in Deutschland zahlreiche Ermittlungserfolge. Die Daten wurden den Landeskriminalämtern 2020 zur Verfügung gestellt.

Bei den Ermittlungen in Brandenburg wurden laut Polizei rund 200 Kilogramm Marihuana, 10 Kilogramm Haschisch, 1,2 Kilo Kokain, 24 Kilo Amphetamin und 12 Kilo Crystal Meth sowie über 65 000 Stück Ecstasy und fast 6000 Einheiten LSD sichergestellt. Die Ermittler stellten auch elf Schusswaffen sicher, dazu zählten eine Maschinenpistole, eine Pump-Gun, neun Faustfeuerwaffen und rund 1200 Stück Munition. Es seien etwa zwei Millionen Euro Vermögen vorläufig gesichert worden - neben Bargeld auch Autos, Uhren und Schmuck.

„Es ist uns natürlich möglich gewesen, einen ganz großen Teil des Dunkelfeldes, was gerade den organisierten Rauschgifthandel in Brandenburg betrifft, aufzuhellen“, sagte der LKA-Abteilungsleiter. Die Ermittlungen seien im Land aber nicht nur auf Brandenburg bezogen gewesen. „Es gab immer Bezüge bei allen Tatverdächtigen nach Berlin“, sagte er. 42 Verdächtige wohnten in Brandenburg, 26 in Berlin.


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