Mehr Angriffe auf Staaten und Firmen

Microsoft warnt vor russischer Cyber-Offensive

8. Dezember 2022, 14:09 Uhr | Lars Bube
Hacker und Sichel
© newb1 - AdobeStock

Microsoft rechnet mit einer Verschärfung des Cyberkriegs über den Jahreswechsel. Neben der Ukraine sollen sich die Angriffe auch gegen deren Unterstützer in der NATO und EU richten, ihre Logistik stören und die Moral untergraben.

Nicht nur auf dem Schlachtfeld versucht Russland offenbar, die jüngsten Rückschläge durch eine Ausweitung und Verschärfung seiner Angriffe zu kompensieren. Microsofts Security-Experten gehen in einem aktuellen Bericht davon aus, dass die Schlagzahl und Heftigkeit der Angriffe in der nächsten Zeit auch im Cyberraum noch einmal deutlich zunehmen wird. Ausgangspunkt dieser Überlegungen sind die Entwicklungen der letzten Wochen, in denen Russland seine hybride Kriegsführung intensiviert hat. Sowohl physisch als auch digital stehen nun verstärkt Ziele der kritischen Infrastruktur wie Strom, Wasser und Transportwege im Fokus der Angriffe. Flankiert werden sie von einer Propagandawelle, die insbesondere über die sozialen Medien auch in den Westen herüber schwappt.

„Wir glauben, dass diese jüngsten Trends darauf hindeuten, dass die Welt im Laufe dieses Winters auf mehrere potenzielle russische Angriffslinien im digitalen Bereich vorbereitet sein sollte“, schließen die Microsoft-Experten aus dieser Entwicklung. Sie gehen davon aus, dass die staatsnahen russischen Hackergruppen wie Iridium / Sandworm außerhalb der Ukraine insbesondere jene Länder aus der NATO und EU mit Ransomware- und Wiper-Attacken ins Visier nehmen werden, welche die Ukraine unmittelbar unterstützen. Auch hier dürften sich die Angriffe vor allem gegen wichtige Infrastrukturen richten, die zur Unterstützung der Ukraine benötigt werden. So gab es etwa bereits im Oktober einen digitalen Angriff mit der Malware „Prestige“ auf eine polnische Logistikbasis, die als Drehscheibe für die Lieferung und Wartung von westlichem Kriegsgerät für die Ukraine genutzt wird. Dank der frühzeitigen Erkennung war der Schaden hier immerhin nur gering.

Aber auch einzelne Unternehmen und Hilfsorganisationen die wichtige Güter in die Ukraine liefern, sollten sich auf entsprechende Angriffsversuche in den nächsten Wochen und Monaten vorbereiten. „Die jüngsten Angriffe in Polen deuten darauf hin, dass vom russischen Staat unterstützte Cyberangriffe zunehmend auch außerhalb der Ukraine eingesetzt werden, um im Ausland ansässige Lieferketten zu untergraben“, warnt der Bericht. Gleichzeitig wird mit einer Ausweitung der russischen Propaganda-Aktivitäten gerechnet: „In den kommenden Monaten werden die europäischen Länder wahrscheinlich einer Reihe von Beeinflussungstechniken ausgesetzt sein, die auf die Sorgen ihrer Bevölkerung über die Energiepreise und die Inflation im Allgemeinen zugeschnitten sind.“ Besonders im Fokus dürfte dabei nach Einschätzung der Experten Deutschland als eine der wichtigsten Mächte in Europa stehen.


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