76 Prozent mehr DSGVO-Verstöße

Pandemie führt zu Datenschutz-Problemen

DSGVO
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Im vergangenen Jahr gab es in Deutschland einen neuen Rekord bei Datenschutzverstößen und den deshalb verhängten Bußgeldern. In anderen Ländern klappt die Umsetzung der DSGVO scheinbar deutlich besser.

Die Umstellung der Arbeitsweisen und Prozesse in der Pandemie hat die deutschen Unternehmen nicht nur hinsichtlich der klassischen IT-Sicherheit vor eine Mammutaufgabe gestellt, der viele nur bedingt gewachsen waren. Auch die Datenschutzvorgaben wurden beim hastigen Umstellen auf Homeoffice und Remotezugänge  allzu oft nicht oder nur rudimentär umgesetzt. Deshalb ist die Zahl der gemeldeten Datenschutzverstöße laut einer aktuellen Vergleichsstudie von heyData gegenüber dem Vorjahr um 76 Prozent gewachsen. Deutlich besser schlugen sich hier – zumindest laut Statistik – die Unternehmen in anderen europäischen Ländern, insbesondere jenen, die bereits vor Corona entsprechende Erfahrungen mit mobiler Arbeit gesammelt und entsprechende Sicherheitskonzepte erarbeitet hatten. Beispielsweise sank die Zahl der gemeldeten DSGVO-Verstöße in den Niederlanden und Irland im vergangenen Jahr sogar leicht.

Damit ist Deutschland jetzt auch hinsichtlich der absoluten Zahl der registrierten Datenpannen neuer Spitzenreiter in Europa. Insgesamt wurden hierzulande seit Einführung der DSGVO im Mai 2018 mindestens 77.747 Verstöße gemeldet, in den Niederlanden waren es 66.527. Auf Rang drei liegt das Vereinigten Königreich mit 30.536 Meldungen, allerdings wurde die Meldepflicht hier durch den Brexit entschärft, weshalb knapp 29 Prozent weniger Verstöße bekannt wurden. Dennoch darf alleine aus den Zahlen nicht unbedingt darauf geschlossen werden, dass die deutschen Unternehmen besonders schlampig mit den Daten umgehen würden. Alleine schon, weil die Zahl der Firmen vergleichsweise hoch ist. Andererseits nehmen es die hiesigen Firmen und Behörden auch genauer mit der Meldepflicht, als in manchen anderen Ländern. „Die Strafverfolgung in Deutschland wird streng gehandhabt“, bestätigt Milos Djurdjevic, CEO und Gründer von heyData. Das gleiche Bild zeigt sich bei den Strafen: Während in Deutschland seit 2018 fast 70 Millionen Euro an Bußgeldern verhängt wurden, waren es in den Niederlanden nur 2,5 Millionen Euro.

Rechnet man diese deutschen Sondereffekte heraus, dreht sich das Bild laut Djurdjevic sogar komplett: „Im europäischen Vergleich verhalten sich Firmen in Deutschland zum großen Teil sehr vorbildlich“. Im Gesamtranking der europäischen Länder mit dem besten Datenschutz landet Deutschland auf dem zweiten Platz hinter Irland. Die Schlusslichter sind Norwegen, Litauen und Ungarn. Dennoch zeigt der starke Anstieg im vergangenen Jahr auch, dass weiterhin hart am Datenschutz gearbeitet werden muss, um das hohe Vertrauensniveau halten zu können.

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