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Justiz-Skandal

Redtube-Abmahner kassierten 600.000 Euro

09. Januar 2015, 12:43 Uhr   |  Peter Tischer | Kommentar(e)

Redtube-Abmahner kassierten 600.000 Euro
© tashatuvango - Fotolia

Im Redtube-Fall sollen Abgemahnte Nutzer rund 600.000 Euro gezahlt haben. Unterdessen wurden erste Hausdurchsuchungen angeordnet.

Im Skandalfall um die Redtube-Abmahnungen kommen immer mehr Details ans Licht. Wie »Die Welt« berichtet, zahlten Abgemahnte in den ersten Tagen 600.000 Euro auf ein Konto einer renommierten Privatbank ein. Als die Bankverantwortlichen mitbekamen, dass die Abmahnungen möglicherweise rechtswidrig waren, wollten sie das Konto sperren. Vergeblich: Die Bank wurde zur Herausgabe des Geldes gezwungen und ein Großteil davon soll daraufhin in die Schweiz geflossen sein.

Gleichzeitig bestätigte ein Sprecher der Wirtschaftsabteilung bei der Staatsanwaltschaft Köln gegenüber der Welt, dass inzwischen Hausdurchsuchungen angeordnet wurden. »Dem beschuldigten Haupttäter werfen wir die Abgabe einer falschen Versicherung an Eides statt vor«, zitiert das Nachrichtenblatt Staatsanwalt Daniel Vollmert. Verhaftung habe es aber nicht gegeben.

Die Abmahnwelle wurde im Dezember 2013 von der Kanzlei »Urmann + Kollegen« losgetreten. Insgesamt mahnte die Kanzlei 45.000 Nutzer ab und machte in den Schreiben Urheberrechtsverletzungen bei Eigentum einer Firma namens »The Archive AG« geltend. Erst im Nachhinein stellte sich heraus, dass die abgemahnten Pornos zu einem großen Teil offenbar aus Zusammenschnitten von Filmen bestanden, die in den USA produziert worden waren. Auch die beigelegten Cover zu den Pornos sollen möglicherweise Fälschungen sein. Die Strichcodes auf den Hüllen sollen statt zu Porno-DVDs lediglich einer Modemarke zuzuordnen sein. Zudem war im Gutachten einer Patentkanzlei ausdrücklich von Downloads die Rede. Allerdings werden die Erotikfilme nicht heruntergeladen, sondern gestreamt.

Der Fall führte zu einem herben Gesichtsverlust der deutschen Gerichtsbarkeit, da das Kölner Landgericht trotz dieser Unstimmigkeiten die Provider zur Herausgabe der IP-Adressen gezwungen hatte.

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