Schwerpunkte

Betrug beim Online-Shopping

Wie beschädigt das Vertrauen in den E-Commerce ist

25. November 2020, 11:17 Uhr   |  Martin Fryba | Kommentar(e)

Wie beschädigt das Vertrauen in den E-Commerce ist
© fritz51227/Youtube

20.000 Verkehrstote jährlich in den 70er Jahren, danach sorgten sicherere Autos für deutlich weniger Opfer – trotz rasant gestiegener Zulassungszahlen. Gelingt dem E-Commerce, was im Straßenverkehr erreicht wurde? Und wenn nicht?

Die meisten Verbraucher haben die Gefahren beim Online-Shopping am eigenen Leib erfahren, und der durch die Corona-Pandemie ausgelöste Boom im E-Commerce hat das Betrugspotenzial auf ein neues, schmerzliches Niveau gehoben. Die Corona-Sonderkonjunktur belebt beide Akteure im Markt: Online-Händler und die Cybercrime-Industrie. Die Zahl der vom IT-Sicherheitsunternehmen G Data abgewehrten Angriffsversuche zwischen dem zweiten und dritten Quartal habe sich mit einem Plus von über 99 Prozent fast verdoppelt.  Bei diesem hohen Tempo halte die IT-Sicherheit in vielen Fällen nicht mit, sagt Security-Experte Tim Berghoff von G Data.

Mehr Betrugsversuche, mehr Erfolg für Cyberkriminelle, mehr Geschädigte. Das belegt die Umfrage eines anderen Sicherheitsunternehmens. Laut dem jährlichen »Consumer Barometer« von OpSec Security würden 86 Prozent der Verbraucher mit zunehmendem Online-Shopping zum Opfer von Betrug und Identitätsdiebstahl – ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Beim Black Friday und Geschenkekauf vor Weihnachten klickt potenziell ein Hacker mit, diese Sorge sei bei Verbrauchern gestiegen. Zweidrittel fürchten Datendiebstahl bei der Transaktion, 58 Prozent, dass sie ums Geld gebracht würden.

Schlussfolgerung von Stefan Moritz, Regional Sales Director, Central Europe bei OpSec Security: Das Vertrauen in Einkäufe über digitale Kanäle sinke. Aber wenden sich Verbraucher nun ab, nur weil sie negative Online-Erfahrungen gemacht haben, wie Moritz in den Raum stellt?

Mehr Aufklärung und proaktiv handeln

Es ist wie beim Autoverkehr. Die Vorteile der individuellen Mobilität möchten die meisten Menschen nicht missen, dafür nahmen sie bis Anfang der 70er Jahre deutlich gestiegene tödliche Unfälle auf über 20.000 Verkehrstote in Kauf. Danach sorgte der technische Fortschritt für sicherere Autos und Fahrer, die zusätzlich durch Verkehrserziehung über das Fernsehen pädagogisiert wurden. Manches Aufklärungsfilmchen der legendären Sendung »Der 7.Sinn« sorgte vielleicht für weniger Pannen und heute für Belustigung. Man muss Sendungen wie »Frauen im Straßenverkehr. 1973« freilich aus dem Geist der Entstehungszeit sehen. Die Zahl der Verkehrtoten sank ab Mitte der 70er Jahr für Jahr - auf knapp über 3.000 Tote 2019 – bei steigender KfZ-Zulassung und höherer Verkehrsdichte als früher.

Beim IT-Sicherheitsniveau befindet sich der noch relativ junge E-Commerce-Handel heute dort, wo Autobauer und der Straßenverkehr in den 70er Jahren standen. Moritz hat recht, wenn er mehr Aufklärung und Betrugsprävention von den E-Commerce-Anbietern fordert und mahnt, sie sollen doch zusammen mit fachkundigen Partnern proaktiv handeln – also mehr Geld in die Sicherheit ihrer Plattformen investieren. Mittel- bis langfristig wird ihnen vielleicht ähnliches gelingen, wie den Autobauern: Die Zahl der Opfer drastisch zu reduzieren.

Gelingt das nicht oder nicht schnell genug, wird der Verbraucher deshalb nicht auf E-Commerce verzichten. Er wird aber dort im Internet verstärkt einkaufen, wo er wegen der  Bekanntheit des Anbieters möglicherweise ein hohes Schutzniveau vermutet. Das wird im schlechtesten Fall nicht der Shop seines regionalen Händlers sein, der endlich den Weg ins Netz gefunden hat. Sondern die Plattformen einer heute schon zu mächtigen Amazon & Co.

Vertrauen in einen sehr sicheren E-Commerce brauchen alle Etailer, auch und gerade die vielen Shops, die nicht durch große Bekanntheit punkten können. Da gibt es noch viel zu tun für Händler und die IT-Security-Industrie.

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