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Lauschangriff durch Siri und Alexa

Wie die Sprachassistentinnen ihre Unschuld verloren

13. Dezember 2019, 11:12 Uhr   |  dpa | Kommentar(e)

Wie die Sprachassistentinnen ihre Unschuld verloren
© folienfeuer - Fotolia

Die Erkenntnis, dass Mitschnitte von Gesprächen mit Assistenten wie Alexa und Siri auch von Mitarbeitern gehört werden können, löste 2019 viel Kritik aus. Anbieter fragen die Nutzer inzwischen um Erlaubnis.

Sprachassistenten, die sich in den vergangenen Jahren über vernetzte Echo-Lautsprecher von Amazon oder das iPhone von Apple ausbreiteten, galten mal als die Zukunft, mal als halbgare Spielerei - aber in diesem Jahr kam ein unangenehmes Geheimnis der Branche ans Licht. Damit die Software die Nutzer richtig gut verstehen kann, müssen immer wieder Aufzeichnungen von Dialogen nachträglich von Menschen angehört werden. Den weitaus meisten Nutzern war das nicht bewusst. Auch weil die Praxis in Unterlagen bestenfalls irgendwo ganz tief im Kleingedruckten erwähnt wurde. Oder gar nicht.

Der Ball kam ins Rollen im April. Der Finanzdienst Bloomberg enthüllte, dass einige Mitschnitte von Unterhaltungen mit Amazons Assistenzsoftware Alexa an diversen Standorten rund um die Welt ausgewertet werden, unter anderem in Boston, Costa Rica, Indien und Rumänien. Und zwar nicht nur direkt beim Konzern, sondern auch bei Dienstleistungs-Firmen. Ein Mitarbeiter aus Boston sagte, er habe zum Beispiel Aufzeichnungen mit den Worten »Taylor Swift« analysiert und sie mit der Anmerkung versehen, dass die Nutzer die Sängerin meinten.

Andere Angestellte erinnerten sich, wie sie in den Aufnahmen Kinder ihre Adressen und Telefonnummer sagen hörten, jemand Sexspielzeug orderte und einsame Leute Alexa ihre Geheimnisse und Ängste anvertrauten.

Danach wurde Schritt um Schritt klar, dass es bei Siri von Apple und dem Google Assistant im Prinzip genauso läuft.

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1. Wie die Sprachassistentinnen ihre Unschuld verloren
2. Mithören bei Sex, Streit und Verbrechen
3. Der Feind im Lautsprecher

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