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Bitcoin-Farmen müssen ausziehen

China zieht über 50 Krypto-Minen den Stecker

21. Juni 2021, 18:43 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

China zieht über 50 Krypto-Minen den Stecker
© Photocreo Bednarek - AdobeStock

Mit der Schließung zahlreicher großer Rechenzentren für Krypto-Mining zeigt China, dass es die jüngst erlassenen Schürf-Verbote auch tatsächlich durchsetzt - und schickt die Kurse damit weiter auf Talfahrt.

Als der chinesische Staatsrat vor einem Monat ein Mining-Verbot für Kryptowährungen erließ, nahmen das die meisten der dort operierenden digitalen Goldschürfer sowie die internationale eCoin-Community zunächst nicht sonderlich ernst. Immerhin hatte sich das Reich der Mitte trotz des bereits seit 2017 offiziell geltenden Handelsverbots für Kryptowährungen in den letzten Jahren zum wichtigsten Krypto-Schürfplatz der Welt entwickelt. Zuletzt wurden dort etwa mehr als die Hälfte der neu errechneten Bitcoins gewonnen. Doch war die Hoffnung auf weiteres Laissez-faire weit gefehlt, wie der Staatsapparat den Betreibern der Mining-Farmen nun unmissverständlich zu verstehen gibt. Zuerst bekamen sie eine schriftliche Anordnung samt verbindlicher Frist zur Betriebsschließung bis spätestens vergangenen Sonntag. Anschließend wurden die Energieversorger dazu verpflichtet, den Rechenzentren ab diesem Zeitpunkt keinen Strom mehr zu liefern. Zusätzlich wies die Regierung auch Banken sowie Fintechs unter Nachdruck darauf hin, künftig keinen Dienstleistungen rund um privatwirtschaftliche Kryptowährungen und ihren Handel mehr anzubieten.

Seit dieser Woche sind nun staatliche Ordnungskräfte unterwegs und kontrollieren persönlich vor Ort die Einhaltung des Mining-Stopps. Um ganz sicher zu gehen, dass das Mining-Verbot auch künftig eingehalten wird, vergewissern sie sich dabei nicht nur, dass die Grafikkarten-Cluster außer Betrieb sind, sondern auch, dass sie demontiert werden. Darüber hinaus wurde die Bevölkerung dazu aufgerufen, mögliche Verstöße oder weitere versteckte Coin-Minen zu melden. Die meisten der chinesischen Mining-Rechenzentren befinden sich in der Nähe großer Wasserkraftwerke, wo es ausreichend und vergleichsweise günstige Energie gibt. So wurden laut Berichten in den Sozialen Medien alleine in der Provinz Sichuan rund um die Zipingpu-Talsperre über 25 größere Krypto-Farmen geschlossen. Eine ähnliche Zahl soll es in der Provinz Xinjiang gewesen sein, sowie vereinzelte weitere Minen in anderen Gebieten. Die Global Times geht davon aus, dass in den nächsten Wochen bis zu 90 Prozent der bisherigen chinesischen, also rund die Hälfte der weltweiten Schürf-Kapazitäten abgebaut werden.

Einhergehend mit der Abschaltung der Farmen brachen die Kurse der wichtigsten Krypto-Währungen wie Bitcoin und Ethereum jeweils um weitere rund zehn Prozent ein. Während fast alle bisher in China ansässigen Betreiber angeben, das Geschäft nicht aufgeben zu wollen, wissen die meisten von ihnen jedoch noch nicht, wo es weitergehen soll. Während sie noch mit Energieversorgern und Lokalverwaltungen in anderen Ländern verhandeln, steht ihre Hardware bereits sicher in Container verpackt zum Umzug bereit. Bis es soweit ist, dürfte an den Coin-Börsen sowie auch im Handel mit Grafikkarten zumindest für einige Tage eine außergewöhnliche Ruhe einkehren.

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