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Deshalb bleiben Halbleiter knapp

Chip-Nachfrage übersteigt Angebot um 30 Prozent

01. März 2021, 08:48 Uhr   |  Lars Bube | Kommentar(e)

Chip-Nachfrage übersteigt Angebot um 30 Prozent
© artemegorov - fotolia

Ein Blick auf Angebot und Nachfrage sowie die Liefersituation innerhalb der Wertschöpfungskette lässt erahnen, dass Halbleiter auch den Rest des Jahres knapp bleiben werden. Das könnte zunehmend auch die ITK-Industrie betreffen.

Ähnlich wie zuvor die deutsche Politik mischt sich nun auch der neue US-Präsident Joe Biden in das Gerangel um die knappen Halbleiter-Reserven ein und fordert mehr Chips für die amerikanische Industrie, vorwiegend im Automobil- und ITK-Bereich, sowie einen Ausbau der heimischen Produktion. Genau wie in Deutschland und Europa können diese Wünsche jedoch höchstens langfristig und mit Unterstützung durch eigene Initiative erfüllt werden. Denn die Chiphersteller können schlichtweg nicht mehr liefern, auch wenn sie das selbstredend gerne würden. Wie groß das Problem tatsächlich ist und wie blauäugig die Hoffnung auf eine baldige Lösung, lässt ein kurzer Blick auf aktuelle Zahlen erahnen. So geht etwa der Analyst Harlan Sur von J.P. Morgan davon aus, dass die Nachfrage nach Halbleitern das Angebot aktuell um bis zu 30 Prozent übersteigt. Eine Differenz, die, zumal angesichts eines stark wachsenden Chipbedarfs, sicherlich nicht durch kleine Umstellungen und Optimierungen zu beseitigen ist, sondern einen gewaltigen Ausbau der Kapazitäten erfordert.

Dieser wird seiner Einschätzung zufolge mindestens ein Jahr benötigen und betrifft die gesamte Produktionskette, die aktuell aber ebenfalls schon in vielen Teilen an Überforderung leidet. Denn ähnlich wie bei den Chip-Fertigern hat sich hier eine Abhängigkeit von einigen wenigen großen Lieferanten entwickelt, die ebenfalls versuchen, ihre Produktion möglichst optimal auszulasten. Allerdings hatte trotz aller positiven Prognosen durch den steigenden Chip-Einsatz in fast allen Lebensbereichen niemand mit dem aktuellen Rekordabsatz gerechnet. Vor der Covid-Pandemie nicht und erst recht nicht als sie vor einem Jahr begann, die ganze Welt in ihren Griff zu nehmen. Im Gegenteil hatten die Befürchtungen einer Konsumkrise zunächst zu reduzierten Bestellungen, insbesondere aus der mit besonders schlanken Zulieferketten arbeitenden Autoindustrie, geführt. Tatsächlich jedoch ist der Konsum deutlich weniger eingebrochen als befürchtet und der Chip-Verbrauch insgesamt sogar deutlich angestiegen. Vor allem durch die Lockdowns explodierte die Nachfrage nach elektronischen Produkten von Notebooks über Zubehör und Peripherie bis hin zu Server-Kapazitäten für Cloud-Dienstleistungen.

Durch diese angespannte Lage verursacht jeder kleine Schluckauf in einem der Glieder der Produktionskette weitere Verschärfungen der weltweiten Gesamtsituation. Deutlich spürbar wird das derzeit etwa anhand einiger lokaler Produktionsanlagen, die neben direkten Einflüssen der Pandemie wie Schließungen und Hygienevorschriften mit unerwarteten Ereignissen und Herausforderungen bis hin zu wachsenden Umwelteinflüssen durch die Klimaerwärmung zu kämpfen haben.

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