Lenovos DACH-Chef im Interview

„Der PC-Markt wird nicht mehr auf Vor-Corona-Niveau zurückgehen“

Mirco Krebs, Lenovo
Mirco Krebs, Vice President und General Manager Lenovo DACH
© Lenovo

Die PC-Nachfrage bleibt auch in den kommenden Jahren hoch, davon ist Lenovos DACH-Chef Mirco Krebs überzeugt. Der Weltmarktführer könnte derzeit noch weit mehr Geräte verkaufen als er auf Lager hat.

ICT CHANNEL: Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie hat der PC-Markt 2020 ein Rekordjahr hingelegt. Auch dieses Jahr gibt es zweistelliges Wachstum. Wie hat sich Lenovos PC-Geschäft seit Jahresbeginn 2021 entwickelt?

Krebs: Der Markt für PCs in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2021 um 6 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2020 gewachsen. Gerade im Notebookbereich haben wir ein Marktwachstum von 22 Prozent gesehen. Hier konnte Lenovo mit einem Wachstum von 24 Prozent seinen Marktanteil ausbauen. Unser Gesamtmarktanteil lag im letzten Quartal in Deutschland und Österreich bei 34,4 Prozent laut IDC.

 

ICT CHANNEL: Wird diese Entwicklung bis Jahresende anhalten, wie sind Ihre Erwartungen für das Gesamtjahr 2021?

Krebs: Wir sehen eine weiter hohe Nachfrage – nicht nur im PC-Segment, sondern auch bei unserem Motorola-Smartphone-Geschäft und auch im Server-Bereich sehen wir weiterhin sehr hohe Nachfragen. Die werden nach unserer Einschätzung auch weit ins nächste Jahr gehen.

 

ICT CHANNEL: Wie limitierend wirken sich die Lieferengpässe und knappe Komponenten aus? Wären noch höhere Zuwächse drin?

Krebs: Lieferengpässe betreffen nahezu alle Branchen und natürlich auch Lenovo. Als größter PC-Hersteller und viertgrößter Chip-Abnehmer weltweit haben wir uns zwar mit langfristigen Verträgen Kontingente gesichert, aber die enorme Nachfrage der letzten Monate macht es schwer, zusätzliche Kontingente auch zeitnah zu erhalten. Da die Nachfrage anhaltend hoch ist, wären daher höhere Zuwächse möglich, also auch über 24 Prozent im Notebookbereich hinaus.

 

ICT CHANNEL: Was sind die Wachstumstreiber? Immer noch Homeoffice und Home Schooling oder gibt es weitere Faktoren?

Krebs: Initial war es letztes Jahr der schnelle Wechsel ins Homeoffice, was sich jetzt vielfach etabliert hat, also bleibt. Diese Entwicklung zum hybriden Arbeiten lässt nun auch Investitionen in bessere Ausstattung für den dauerhaften Einsatz im Homeoffice folgen. Ferner zieht die Anschaffung im Bereich der öffentlichen Hand nach. Home Schooling treibt den Absatz ebenfalls nach oben, nur leider nicht in Deutschland. Im europäischen Ausland sind die Verkäufe an den Bildungsbereich um 69 Prozent gestiegen. In Deutschland bisher lediglich um 17 Prozent.

 

ICT CHANNEL: Wird Microsofts neuestes Betriebssystem Windows 11 zusätzlich für Nachfrage sorgen?

Krebs: Wir sind davon überzeugt, dass Windows 11 im nächsten Jahr den Zyklus der Geräteaktualisierung vorantreiben und auch aufkeimende Trends wie Device-as-a-Service beschleunigen wird.

 

ICT CHANNEL: Was kommt nach dem Boom? Droht 2022 der Absturz oder rechnen Sie weiter mit hoher Nachfrage?

Krebs: Durch unterschiedliche Themen der Digitalisierung – Deutschland muss in der Digitalisierung der Schulen und des Gesundheitswesens extrem aufholen, um auf den Stand der Nachbarstaaten zu kommen – wird der Markt nicht mehr auf das Niveau vor Corona zurück gehen, sondern immer über dem Jahr 2019 bleiben.  Im privaten Umfeld geht gerade der Trend von einem Notebook pro Haushalt auf ein Notebook pro im Haushalt lebender Person. Wir sehen also, dass die Nachfrage weiter hoch bleibt und dies nicht nur im PC-, sondern auch im Infrastruktur Business und Smartphone-Bereich.


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