Digitaler Wandel bei Also

Drehbuch einer Transformation

24. März 2020, 9:00 Uhr | Martin Fryba | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 3

Ewig blühender Broadliner

Droege
Scheint bei seinem Portfoliounternehmen Also aktuell keine Exit-Ambitionen zu haben: Also-Mehrheitseigner und Milliardär Walter Droege
© Droege Group

Also, der ewig blühende Broadliner
Kinderwagenhersteller Teutonia neu aufzustellen, das konnten die Sanierer der Arques Industries durchaus  mit Erfolg. Kriselnde Mittelständler kaufen, umstrukturieren und mit Gewinn wieder zu verkaufen, das war anfangs ein lohnendes Kerngeschäft für die Sanierungsmanager aus Starnberg. Dabei sollte es nicht bleiben. Die Unternehmensberatern nicht selten immanente Hybris, zumal wenn Unternehmen wie Arques an der Börse notiert gewesen waren, zeigte sich auch bei den Bayern. Mit dem 2007 erfolgten Kauf von Actebis - 55 Millionen aus Eigenmitteln, 55 Millionen aus Krediten hatte Arques der Otto-Gruppe aus Hamburg überwiesen - wollten die Sanierer ganz großes Kino spielen und beweisen, dass sie auch Milliarden-Unternehmen wie Actebis (damals 2,5 Milliarden Euro, 1.300 Mitarbeiter) aus schwierigem Fahrwasser führen könnten.


Spielball von Investoren
Arques war Auffangbecken für nicht mehr zu Konzernen gehörendes Kerngeschäft. Es diente seriösen Hanseaten ebenso wie einer nüchtern kalkulierenden Siemens, die den europäischen Marktführer für DECT-Telefone, Gigaset, an Arques weiterreichte. Gigaset und vor allem Acebtis einschließlich NT Plus, die spätere Also, das war dann zwei Nummern zu groß für die Provinz-Advokaten aus dem Münchner Speckgürtel. Der Sanierungsfall beim Sanierungsspezialisten trat schließlich ein: Nur zwei Jahre später (2009) musste Arques seine Beteiligungen an Actebis und NT Plus wieder verkaufen und gehörig im Wert berichtigen. Beteiligungsgesellschaft Droege aus Düsseldorf übernahm – für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag.


Heute steht die in Also umbenannte Schweizer Holding mit ihren 23 Ländergesellschaften so gut da wie nie zuvor seit dem Einstieg des Milliardärs Walter Droege vor elf Jahren. Die Rendite wäre gewaltig, würde Droege aus Also austeigen. Vor der Corona-Krise wäre der Broadliner wohl nicht unter zwei Milliarden Euro über den Tisch gegangen. Gut verhandelt würde  Hauptinvestor Droege eine Milliarde Euro seinen 51-prozentigen Anteil an der Also-Gruppe ansetzen können.


»Evergreen-Strategie«
Broadliner sind gefragt an der Börse. Für Ingram Micro zahlte der chinesische Mischkonzern HNA 2016 stolze 5,4 Milliarden US-Dollar, Tech Data ging vergangenes Jahr sogar für sechs Milliarden an die Investmentgesellschaft Apollo Global. So ist es nur folgerichtig, dass die IT-Branche über einen bevorstehenden Also-Verkauf spekuliert. Die Bilanz 2019 des Broadliners hätte kaum besser ausfallen können.

 

Unzufriedene Herstellerpartner, die über eine geringere Bereitschaft von Also Deutschland klagen, ihre Waren auf Lager zu nehmen, nähren Gerüchte, wonach die Braut aufgehübscht werden soll. Verständlich, wenn man ausrechnet, dass Droge wohl das Fünfundzwanzigfache des ursprünglichen Kaufpreises für seine knappe Mehrheit an Also Holding einstreichen könnte.


Die Zeit für einen Exit könnte jetzt kaum besser sein oder doch nicht?  Man verfolge als Investment- und Beratungshaus eine »Evergreen-Strategie« bei der Gestaltung des Portfolios« und entwickle »unternehmerische Plattformen langfristig«, teilt Droege Group CRN mit. Mit Also sei man »sehr zufrieden« und habe  noch viele unternehmerische Ideen zur Weiterentwicklung«. Das schließe »Ad-on Akquisitionen ein, ebenso organisches Wachstum, teilt der Hauptaktionär mit. »Also ist in ihrem Geschäftssystem gut aufgestellt und wird nach unserer Überzeugung in dem sich veränderten Distributionsmarkt weiterhin eine aktive Rolle spielen«.

 

Man kann die Statements auf die Frage nach einem Ausstieg zum jetzigen Zeitpunkt als Dementi lesen.

 

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