Grenzen der Globalisierung

Europa braucht wieder eine Chip-Industrie

Computerchips
© Grispb/AdobeStock

Wenn die Werkbank der Welt in China stillsteht, dann geht auch in den Industrieländern nicht mehr viel. Das gilt vor allem für die in immer mehr Produkten eingesetzten Microchips. Europa muss hier dringend eigene Kapazitäten aufbauen.

Die Coronakrise hat wie unter dem Brennglas die Probleme und Grenzen der Globalisierung und der weltweiten Arbeitsteilung sichtbar gemacht. Nachdem zu Beginn zunächst die Fabriken in China und damit die Werkbank der Welt stillgestanden hatten folgten massive Logistikprobleme und Ausfälle in der Supply Chain, die teils bis heute anhalten. Das betraf vor allem die während der Pandemie besonders gefragten Computer und Peripheriegeräte, die dringend fürs Homeoffice und den Online-Unterricht der Kinder gebraucht wurden.

Noch ist diese Situation nicht wirklich entspannt, da tritt mit dem gravierenden Chipmangel ein Problem zutage, das nicht allein Corona geschuldet ist. Denn Microchips sind in immer mehr Produkten, vom Haushaltsgerät bis zum Auto unverzichtbare Bauteile. Und diese Schlüsselkomponenten werden heute zu 80 Prozent in Asien produziert, der Rest größtenteils in den USA. Und in Europa – weitgehend Fehlzeige. Noch gravierender ist, dass die große Masse der Computerchips aus den Fabriken von gerade einmal drei großen Halbleiteranbietern – Intel, TSMC und Samsung – kommt.

Europa hat bis auf Infineon und ST Microelectronics im Prinzip keine nennenswerte eigene Halbleiterproduktion mehr. Diese Abhängigkeit bedroht den Wirtschaftsstandort Deutschland mindestens genauso stark wie die exorbitant steigenden Stromkosten oder der Fachkräftemangel. Intel-Chef Pat Gelsinger hat deshalb vor kurzem bereits angekündigt, dass Intel seine Produktionskapazitäten nicht nur in den USA, sondern auch in Europa ausbauen wird.

 

Pat Gelsinger ist neuer Intel-Chef
Intel-Chef Pat Gelsinger will mehr Cipfabriken in den USA und Europa bauen
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Aber auch die deutsche Wirtschaft und Politik sind hier gefordert, in die Engwicklung und Produktion von Computerchips zu investieren. Ein vielversprechender Anfang ist die aktuelle Investition von Bosch in eine neue Halbleiterfabrik in Dresden. Dort sollen künftig auf 300-Millimeter-Wafern Chips für das Internet der Dinge und die Automobilindustrie produziert werden. Mitte des nächsten Jahres sollen die ersten Chips in den Verkauf gehen. Bleibt zu hoffen, dass nicht nur in »Silicon Saxony«, sondern auch an weiteren Standorten zügig neue Fertigungskapazitäten für die für alle Wirtschaftsbereiche essentiellen Bauteile entstehen.

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