Chip-Mangel

Globalfoundries will Produktion in Dresden verdreifachen

10. August 2022, 15:21 Uhr | dpa | Kommentar(e)
Chipfabrik Fab1 von Globalfoundries in Dresden
© Globalfoundries

Wer heute eine Auto kaufen will, braucht vor allem eines: Geduld. In der Regel liegen die langen Wartezeiten auf einen Neuwagen daran, dass ganz bestimmte Teile fehlen. Um das zu ändern baut einer der wichtigsten Hersteller seine Kapazitäten jetzt massiv aus.

Der Halbleiterhersteller Globalfoundries (GF) fährt angesichts eines weltweiten Chip-Mangels die Produktion in Europa hoch. Nachdem 2020 rund 300.000 Wafer das Dresdner Werk verließen, sollen es in diesem Jahr 700.000 und Ende 2023 etwa 850.000 sein, wie Geschäftsführer Manfred Horstmann auf Anfrage mitteilte: „Wir produzieren mehr, weil der Bedarf an Halbleitern so hoch ist.“ Über einen Zeitraum von drei Jahren werde man deutlich mehr als eine Milliarde US-Dollar in den Ausbau des deutschen Werkes stecken. Hinzu kämen neue GF-Kapazitäten am Standort des französischen Chipherstellers ST Microelectronics im Großraum Grenoble, was einen zusätzlichen Ausstoß von 360.000 Wafern pro Jahr bringen soll.

Vor allem die Autobranche sei nach Chips hungrig, hieß es. Während früher in einem Wagen etwa 60 bis 70 davon verbaut wurden, seien es inzwischen mehrere Hundert. Dies hänge zum einen mit dem Umstieg von Verbrenner- auf Elektroautos zusammen. Auch die Ansprüche der Käufer hätten sich über die Jahre verändert. „Autos sind heute fahrende Computer“, sagte Horstmann. Pro Jahr wachse der Ausstoß an Chips für den Bereich Automotive um 15 bis 16 Prozent. Ende nächsten Jahres würden sie ein Sechstel der Gesamtproduktion in Dresden ausmachen.

„Als sächsische Landeshauptstadt müssen wir unsere europäische Spitzenposition bei der Halbleiterfertigung durch die Unterstützung von weiteren Investitionen der Halbleiterhersteller halten und ausbauen“, sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst nach einem Besuch bei GF. Die umfangreichen Investitionspläne von Globalfoundries und weiterer Hersteller am Standort Dresden würden eine enorme Chance bedeuten.

„Im Bundeshaushalt und auf europäischer Ebene stehen Milliarden Euro für den Ausbau der Halbleiterfertigung zur Verfügung. Allerdings muss Deutschland bei den Entscheidungen für die finanzielle Unterstützung sehr viel schneller werden, da wir sonst Schlüsselinvestitionen nach Asien oder in die USA verlieren“, sagte Herbst. Es sei im nationalen und sächsischen Interesse, dass man bei der Chipfertigung durch den Ausbau der heimischen Chipfertigung unabhängiger von asiatischen Produktionsstandorten werde.

GF hat nach eigenen Angaben etwa 300 Kunden weltweit, das Dresdner Werk allein rund 120. Mit einer Reinraumfläche von rund 60.000 Quadratmetern ist es das größte Halbleiterwerk Europas. Hier arbeiten mehr als 3.300 Mitarbeiter. Sie stellen nicht nur Chips für den Bereich Automotive her, sondern auch für Produkte wie Smartphones sowie Anwendungen in den Bereichen Cyber-Security, Mobile Banking und die 5G-Technologie.


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