Vermeintlich grüne Rechenzentren

Greenwashing mit Wasserverschwendung

1. Juli 2022, 11:15 Uhr | Lars Bube | Kommentar(e)
Rechenzentrum in der Wüste
© vectorfusionart - AdobeStock

Während sich die IT-Branche gerne grün rechnet, gehört sie inzwischen zu den größten Wasserverbrauchern der Welt. Mehrere Billionen Liter des kostbaren Guts laufen jedes Jahr zur Kühlung durch die Rechenzentren, tauchen jedoch in kaum einer Statistik auf.

Wasser ist der Grundbaustein jeden Lebens. Angesichts der wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels wird es allerdings zu einem immer knapperen Gut. Während das Verständnis für dieses ernsthafte Problem bei vielen Mitteleuropäern nicht über Kleinstmaßnahmen wie die Nutzung der Sparspülung an ihren Toiletten hinausreicht, während ihre Rasensprenger stundenlang das heimische Grün beregnen, werden die tatsächlichen globalen Folgen immer gravierender: Wenn Seen und Flüsse vertrocknen, hinterlassen sie nicht nur biologisch und beim Mikroklima Ödland. In der Folge fehlt es neben Trinkwasser auch an grüner Energie, während Ernten ausfallen und zu Hungersnöten führen. Die UNO warnt deshalb bereits eindringlich davor, „dass ein 40-prozentiges Defizit der Süßwasserressourcen bis 2030 in Verbindung mit einer schnell wachsenden Weltbevölkerung den Planeten in eine globale Wasserkrise stürzen wird“. Besonders hart es trifft das Problem Weltgegenden, die schon immer mit Wasserknappheit zu kämpfen hatten. Aber selbst in Deutschland und Europa wird Wasser immer häufiger knapp und es werden juristische Prozesse um seine Verteilung Nutzung ausgefochten.

Eine besondere Verantwortung bei der Abwendung der globalen Wasserkatastrophe kommt der IT-Industrie zu. Doch während die allzu gerne ihre echten und vermeintlichen Fortschritte beim CO2-Ausstoß und Energieverbrauch sowie die Chancen der Digitalisierung für effizientere Wirtschafts- und Rohstoffkreisläufe unterstreicht, ignoriert sie das Thema des Wasserverbrauchs allzu gerne. Denn gerade bei der Verlagerung von Infrastruktur, Plattformen und Software in die Cloud und den dafür notwendigen Rechenzentren zeigt sich, dass der vermeintliche grüne Fortschritt allzu oft in Wahrheit nur ein Kuhhandel ist. Wenn Rechenzentrumsbetreiber ihre Kühlung von elektrisch betriebenen Klimaanlagen auf Wasser umstellen, verbessern sie damit auf dem Papier ihre Umweltbilanz enorm. Energie und CO2 werden eingespart und die wichtige Messgröße der „Power Usage Effectiveness“ (PUE) verbessert sich spürbar. Tatsächlich ist dieser vermeintliche Effizienzgewinn jedoch nur ein Verschieben des Problems vom Stromverbrauch hin zu einem massiv höheren Wasserverbrauch.

Welche Dimension der inzwischen erreicht hat, zeigt sich besonders eindrücklich in den USA. Während insbesondere der Westen des Landes zunehmend unter Wasserknappheit leidet, verbrauchten alleine die US-Datacenter nach den Berechnungen einer Forschungsgruppe der Universität Virginia Tech im Jahr 2020 bereits 660 Milliarden Liter Wasser, Tendenz stark steigend. Weltweit sind damit schon heute mehrere Billionen Liter Wasser im Jahr notwendig, um die Infrastruktur für die Digitalisierung aufrecht zu erhalten. Damit gehört die IT-Branche inzwischen zu den 10 wasserintensivsten Industrien. Die im Marketing gerne hervorgehobenen eingesparten Wassermengen bei der Produktion sind im Vergleich dazu indes verschwindend gering.

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